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eine vollendetere Darstellung der mannigfaltigsten Bestrebungen und Re- gungen des menschlichen Herzens als in Schillers Bühnendichtungen?
Schon in seinen Jugenddramen schlägt das werdende Genie ganz neue Saiten, Töne von noch niemals vernommener Kraft an und reißt die Welt zu staunender Bewunderung hin; die fortschreitende Reife des Geistes zeitigt im»Don Karlos« eine Tragödie größten Stils, von deren dunklem Grunde sich das glänzendste Idealbild von Freundschaft und Völkerglück abhebt. Und als der Dichter mit dem gewaltigen Wallen- steindrama sich zum höchsten Gipfel der Kunst emporgeschwungen hat, folgen rasch aufeinander jede Meisterwerke der Bühne, die heute noch in unverwelklicher Jugend vor uns stehen und auch auf die fern- sten Geschlechter mit unvermindertem Zauber wirken werden. Denn dichterische Gestalten wie der herrliche Max Piccolomini, wie die königliche Büßerin und Dulderin Maria Stuart, das heldenmütige, gott- begeisterte Mädchen von Domremy, die feindlichen Brüder von Messina, der biedere Tell, dem die äußerste Not des Vaterlandes die Mordwaffe in die Hand drückt, erscheinen uns nicht mehr als Gebilde der Kunst, sondern als Wirklichkeiten, weil der Odem des Genius ihnen echtes, unvergängliches Leben eingehaucht hat. Und die ewigen Wahr- heiten und hohen Ideale, die uns auch diese Schöpfungen verkünden, werden, umrankt von der reichsten Zier des dichterischen Ausdruckes, auch für die späteste Nachwelt eine unerschöpfliche Quelle der sittlichen Erhebung und Bildung bleiben.
So hat Schiller, von zwei Richtungen seiner schriftstellerischen Tätigkeit, der philosophischen und historischen, ganz abgesehen, als Dichter Unvergängliches geschaffen, von dem er mit dem Stolze des Römers sagen könnte:
»„Dauerhafter als Erz führt' ich ein Denkmal auf, Höher, herrlicher noch als Pyramidenbau,
Das kein Regen zernagt, keines Orkans Gewalt
Je zu stürzen vermag, noch der unendliche Strom der Jahre zerstört oder der Zeiten Flucht.«
Aber ein so stolzes Wort kam niemals über seine Lippen; denn ihn zierte eine fast übergroße Bescheidenheit, deren beredtesten Ausdruck der Dichter als»Sängers Abschied« an den Schluß der Sammlung seiner Gedichte gestellt hat: Die Muse schweigt; mit jung- fräulichem Erröten tritt sie vor uns, ihr Urteil zu empfangen, das sie achtet, aber nicht fürchtet. Nur des Guten Beifall wünscht sie zu erlangen, den Wahrheit rührt, den kein Flimmer besticht, dem ein Herz, empfänglich für das Schöne, in der Brust schlägt, der allein würdig ist, sie zu krö- nen. Des Augenblickes Lust hat ihre Lieder geboren; sie verhallen in


