Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel / von Heinrich Arnolt
Entstehung
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Dem Königlichen Provinzialschulkollegium sagen wir ehrerbietigen Dank für das gütige Interesse, das von dieser hohen Stelle uns und unserem Werke stets entgegen- gebracht worden ist. An Aufmunterung, Rat und tatkräftiger Hilfe hat es unserer An- stalt seitens der vorgesetzten Behörde nie gefehlt. Die Anwesenseit so vieler Mitglieder des genannten Kollegiums ist uns eine hohe Ehre.

Ganz besonderen Dank aber entbieten wir heute der Residenzstadt Cassel, der Gesamtheit ihrer Bürger, sowie ihren städtischen Körperschaften, die mit weisem Rat und offener Hand dieses schöne neue Heim für uns bereitet und ausgerüstet haben. Mag der gesunde und edle Bürgersinn unserer schönen Stadt, der sich hier ein neues ehren- volles Denkmal geschaffen, seinen besten Lohn darin finden, daß aus diesem Bau der Stadt, der Hessenheimat und dem deutschen Vaterlande eine große Schar tüchtiger und treuer Männer erwächst und damit reicher und dauernder Segen erblüht.

Großen Dank schulden wir auch unserm Stadtbauamt, seinem verdienten Leiter, Herrn Königlichen Baurat Höpfner, den Herren Baumeistern, vor allem dem unermüdlichen, rastlos tätigen Herrn Stadtbaumeister Arnolt, aber auch Herrn Stadtbaumeister Schneider, für alles Sinnen und Sorgen, alle Mühe und Arbeit, die sie jahrelang aufgewendet haben, um die Stätte unserer künftigen Wirksamkeit mit ihren mannigfaltigen Einrichtungen, ge- sundheitlich einwandfrei, ihren hohen Zwecken angemessen und in der Form künstlerisch ansprechend, wenngleich ohne überflüssigen Prunk auszugestalten.

Was bei der Einweihungsfeier des Realgymnasiums im Juni 1911 rühmend her- vorgehoben wurde, das muß heute hier in aufrichtiger Anerkennung wiederholt werden: Unser Bauamt ist mit Lehrerkollegium und Schulleitung in allen Fragen, bei denen nur irgend gemeinsames Planen und Nachdenken förderlich schien, stets einig Hand in Hand gegangen, und durch diese Art des Arbeitens ist, wir dürfen es ohne Prahlerei sagen, ein Haus entstanden, das sich allen modernen Schulbauten in anderen größeren Städten würdig an die Seite stellen kann.

Dankbar erkennen wir auch an, was dabei alle sonstigen Baubeamten, Werk- meister, Handwerksmeister, Gehilfen, Gesellen und Arbeiter für uns getan und geschaffen haben. Schon der erste rasche Gang über den Schulplatz, durch die schöne Eingangshalle, über die bequemen, breiten Treppen und hellen, geräumigen Flure bis in diesen prächtigen Festsaal hinein, hat Ihnen allen, meine hochverehrten Anwesenden, wohl gezeigt, daß Meisterhand hier etwas in seiner Art Vollendetes geschaffen hat, und wer von Ihnen uns auf dem nachher geplanten Rundgang durch das Gebäude begleiten wird, der muß den- selben Eindruck, nur noch verstärkt und vertieft, sicher wieder empfinden. Konnten bei den Vorbereitungen zum Bau unseres Hauses auch nicht alle Wünsche, die wir zum Wohle des Ganzen vertreten zu müssen glaubten, berücksichtigt werden, so wollen wir uns heute doch damit trösten, daß nicht die Erfüllung von Wünschen, mögen sie an sich noch so berechtigt sein, für uns Menschen Glück bedeutet, sondern das Bewubtsein, das nach unserer Meinung Gute gewollt und Pflichten erfüllt zu haben.

Sind auch die künftigen Schulwege für viele, ja wohl für die meisten von uns, Lehrer und Schüler, erheblich weiter geworden, so werden sie doch manchen durch die ältesten und ehrwürdigsten Teile der tausendjährigen Stadt führen, die einen vorüber an der herrlichen Martinskirche und am Märchenhause der Gebrüder Grimm, die anderen vorbei am ehemaligen Ahnaberger Kloster und sonstigen altergrauen und geschichtlich bedeutsamen Bauwerken von Alt-Cassel. Die nahe Fulda wird uns an den berühmten Physiker Papin