Herz und Hand Euch zum Willkommen Geist der Eintracht, Geist der Liebe, Hier im hohen Festessaal! Deutsche Zucht und deutsche Art, Seid zur frohen Feierstunde Deutsche Sitte, deutsche Treue
Heut gegrübßet allzumal. Sei mit Sorgfalt hier bewahrt.
Tag der Weihe, Tag der Freude, Stolzes Haus, wie ragst du prächtig Tag des Dankes, stolz und hehr! Hier im alten Chattenland,
Jubel tönt von unseren Lippen, Wo sich Männerkraft und— Tugend Lied und Wort gar inhaltsschwer. Stets mit Edelsinn verband. Frischem Tun in künft'gen Tagen Wo der Vorzeit Sang und Sage Schließt die neue Bahn sich auf, Schon uns zeigt ein frei Geschlecht, Aus der Enge in die Weite Kampfesfreudig, schwertgewaltig, Strebt nun freudig unser Lauf. Standhaft, stolz und wurzelecht. Alte Heimstatt, schlicht und einfach, Brüder, denkt der Väter Taten, Schenktest doch uns manches Glück, Lernt es, ihrer wert zu sein, Scheidend wenden unsre Blicke Ringt um Mannheit, zwingt das Kleino, Dankbar sich zu dir zurück, Meidet Nichtigkeit und Schein.
Wo mit Ernst wir emsig strebten, Heilig sei Euch Eure Jugend,
Wo uns rauscht' der Weisheit Born, Streuet Saaten, wirkt und schafft, Wo sich tief ins Herz uns senkte Wie der Adler seine Flügel, Manches edle Samenkorn, So entfaltet Eure Kraft.
Wo auch Jugendlust und Freude Nehmt den Flug ins Reich des Lichtes, Oft die Herzen uns durchglüht, Aufwärts, hoch das Ziel gestellt, Wo der Freundschaft holde Knospe Wer das Niedere verachtet.
Reich beglückend aufgeblüht. Der erobert sich die Welt.
Manches traute Bild wird lange Auf zum Werke, auf zum Siege, Noch vor unsrer Seele stehn. Auf zu immer neuem Tun,
Mag auch diese neue Mauern Dnqd es wird am Tag der Ernte Stets der alte Geist durchwehn. Gottes Segen auf uns ruhn.
Nach dem Vortrage eines vom Unterzeichneten verfaßten und vom Gesanglehrer Möller vertonten„Weihegesangs“ für Chor, Orgel und Klavier hielt Herr Bürgermeister Jochmus folgende Festansprache:
Hochverehrte Damen und Herren, liebe Schüler!
Nachdem die Stadt Cassel erst vor zwei Jahren das neue Realgymnasium an der Wilhelmshöher Allee eingeweiht hat, haben wir uns erlaubt, heute abermals zur Einwei- hung einer neuen städtischen höheren Knabenschule einzuladen. Ich danke namens des Magistrats den verehrten Damen und Herren, die unsrer Einladnng gefolgt sind, herzlich für ihr Erscheinen, insbesondere den erschienenen Spitzen der Behörden, sowie allen anwesenden Freunden der Schule. Sie alle bezeugen in hocherfreulicher Weise durch Ihre Anwesenheit Ihr Interesse an der Entwickelung unseres städtischen Schulwesens, die in den letzten Jahrzehnten in ein immer schnelleres Tempo gekommen ist.
Die Geschichte der Anstalt, der wir heute ein neues Heim geben wollen, geht, bis zum Jahre 1888 zurück, in dem aus den bisher an die Königliche Gewerbe- und Handelsschule angegliederten städtischen Klassen eine zweite Realschule, zunächst unter der Direktion des Leiters der ersten Realschule, gebildet wurde. Die Realschule II war


