Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel / von Heinrich Arnolt
Entstehung
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In besonders reichlichem Maße sind die fachwissenschaftlichen Räume, die Waschräume und der Garten mit Zapfstellen und Ablaufbecken versehen.

Hierhin gehören auch die Trinkgelegenheiten, die in hygienisch einwandfreier Weise und in ausreichender Zahl angelegt sind. In der Treppenhaushalle jedes Geschosses ist ein Trinkspringbrunnen mit drei Düsen, auf dem Schulhofe einer mit acht Düsen und auf dem Turnhofe einer mit drei Düsen aufgestellt. Der Vorteil dieser Anlagen besteht darin, daß die Schüler die Düse nicht mit dem Munde berühren können und ein Verspritzen des Wassers auf dem Fußboden vermieden wird. Das Becken der Flurbrunnen ist aus MarmorDeutsch-gelb, die übrigen Teile aus Sandstein. Daß die beiden Hofbrunnen nur vom Schuldienerzimmer aus angestellt werden können, ist bereits erwähnt; ebenso sind die Wasserzerstäuber der Turnhalle, welche die Niederschlagung des Staubes bewirken, schon früher beschrieben.

Beleuchtung. Die natürliche Belichtung durch Fenster ist in allen Räumen durchaus genügend. Als künstliche Beleuchtung ist überall elektrisches Licht vorgesehen. Die Zeichen- säle und die Lehrzimmer für Physik, Chemie und Naturkunde letztere mit Ausnahme der Beleuchtung der Demonstrationstische haben indirektes Licht erhalten. Auch in den Klassen- räumen ist je ein Beleuchtungskörper für indirektes Licht vorgesehen. In den Amtszimmern des Direktors und Lehrerkollegiums, ferner in der Aula und Gesangsaal haben die Beleuchtungs- körper eine reichere Ausstattung erhalten.

Anlagen für experimentale Zwecke. Die naturwissenschaftlichen Räume haben Gas und elektrischen Strom erhalten. Eine Umformeranlage war erforderlich, um den von dem Elektrizi- tätswerk gelieferten Drehstrom als Gleichstrom den Zwecken des Unterrichts dienstbar zu machen.

Uhr- und Klingelanlage. Das Schulhaus hat eine elektrische Uhranlage mit Läute- werk erhalten, die bereits bei der inneren Ausstattung des Direktorzimmers beschrieben ist. Es möge hier noch hinzugefügt werden, daß bei eintretender Feuersgefahr das Läutewerk unab- nängig von der Hauptuhr sowohl vom Direktorzimmer, wie vom Schuldienerzimmer aus durch Alarmvorrichtungen in Bewegung gesetzt werden kann. Glocken des Läutewerkes befinden sich auf den Fluren, Turnhof, Turnhalle und Spielhof. Eine besondere Klingelanlage ist vom Direktorzimmer nach dem Dienstzimmer des Schuldieners ausgeführt. Letzteres kann durch Umschaltung mit der Wohnung des Schuldieners verbunden werden.

Blitzableitung. Das ganze Gebäude hat eine verzweigte Blitzableiteranlage erhalten, an welche alle äußeren Metallteile angeschlossen sind.

Architektur. Bei dem Schulbau ist vor allen Dingen darauf Bedacht genommen, allen pädagogischen und hygienischen Anforderungen zu entsprechen. Erst in zweiter Linie ist als- dann versucht worden, dem Werke ein in der äußeren Erscheinung einfaches, aber trotzdem ansprechendes und architektonisch befriedigendes Kleid zu geben, welches den Stempel der Be- stimmung der Anlage trägt. Die Architektur der gesamten Baugruppe schließt sich den Formen der deutschen Spätrenaissance an, zum Teil unter modernen Einflüssen, und bewegt sich in ein- fachen Formen. Die Wirkung liegt hauptsächlich in der Verteilung der Massen und in ruhigen Flächen. Einzelne Teile der Ansichten sind durch Bildhauerwerke besonders hervorgehoben. Das Giebelbild über dem Hauptportal stellt das Wappen der Stadt Cassel mit beiderseitiger Ornamentierung dar. Die vier Füllungen der Fensterbrüstung an dem Erker des Direktor- zimmers führen uns in allegorischer Darstellung die schönen Künste vor. Der Gesangsaal- Giebel ist betont durch Sinnbilder der Wachsamkeit und Klugheit(Hahn und Eule) während die Füllung des Mittelpfeilers an der Giebelseite des östlichen Querflügels uns Vorgänge aus dem täglichen Leben der Schüler in künstlerischer Zusammenstellung zeigt.