aus Eichen. Ebenso sind die Eichenwälder, wie der Wald von Gerardmer in den Vogesen, in dem einst Karl der Grosse jagte, durch Fichten und Tannen ersetzt. ¹) Der hochstämmige Fichtenwald von Hagenau bestand noch vor anderthalb Jahrnunderten aus Buchen Diese Beispiele mögen genügen, zu zeigen, wie der Bestand der Wälder sich im Laufe der Jahr- hunderte ändert.
Allein die unregelmässige Aufeinanderfolge der einzelnen Baumarten lässt nicht in allen Fällen klimatische Aenderungen als Ursache des Wechsels erscheinen. In vielen Fällen dürfte derselbe darauf beruhen, das sdas Bedürfnis an anorganischen Nährstoffen bei den Baumarten ein sehr verschiedenes ist, dass der Boden durch die Jahrhunderte dauernde Ernährung einer Baumart an den für diese nöthigen mineralischen Nährstoffen erschöpft ist und die übrigen die Entwickelung einer anderen Baumart befördern, wodurch der ursprüngliche Bestand zu Grunde geht. ²)
Sodann aber dürfte in sehr vielen Fällen ‚der Bestandswechsel lediglich durch die Kultur hervorgerufen sein, die zumal in neuerer Zeit so umgestaltend auf den Bestand unserer Wälder eingewirkt hat Sind doch, um nur eins anzuführen, nach den in der Forststatistik von Maron enthaltenen Angaben, im Regierungsbezirk Koblenz, am Harz, in Nassau und in Waldeck die Nadelhölzer erst seit etwa 120 Jahren angepflanzt worden.
Wenn wir aber sehen, dass in früherer Zeit die Waldregion Norwegens sich weiter nach Norden erstreckte, wenn wir erfahren, dass in Russland Populus tremula und Betula die Nadelhölzer verdrängen, dass in den Gebirgen, wie im Harz und im Schwarzwald, die Wald- region in vertikaler Richtung heruntergedrückt ist, so kann dieses nur durch klimatische Aender- ungen bedingt sein, wenn diese auch weniger aus meteorologischen Verbältnissen hervor- gingen, als dadurch, dass durch die Ausrottung der Wälder das Klima excessiver wurde. ³)
Dem Vordringen der Cultur in Europa entsprechend, mussten in den südlichen Halb- inseln zuerst die Wälder durch Feuer und Axt gelichtet werden. Italien war noch„in griechischer Zeit“ ein Land, welches im Vergleich zu Griechenland einen fast nordischen Character hatte und nur IHolz, Getreide und Vieh ausführte.¹) Erst als durch Ausbreitung des Ackerbaues, Vermehrung der Bevölkerung und gesteigerten Holzbedarf die Wälder gelichtet waren, als die hierdurch verminderten Niederschläge die wasserbedürftigen, laubabwerfenden Baumformen zwangen, sich in höhere Regionen zurückzuziehen, als der heisse und regenlose Sommer seine Wir- kungen äusserte, konnten sich die vorhandenen immergrünen Baum- und Strauchformen des verlassenen Terrains bemächtigen und die Cultur die Lorbeer-, Oliven-, Cypressen- und Agrumen- haine schaffen.
Die jetzige dürre, nackte Kalkgegend des Karstes war noch in der Zeit der venezia- nischen Republik ein undurchdringlicher Wald ⁵) Auch der Westabhang der Dinarischen Alpen war damals noch mit prächtigen Wäldern geschmückt, und Venedig, das von hier das IIolz zu seinen Flotten und Prachtbauten holte, hat diese Wälder vernichtet und, hierdurch
¹) Reclus, bearbeitet von Ule, Die Erde. II. p. 330.
²) Grisebach, Die Vegetation d. E. I. p. 157.
³) Engler, Versuch einer Entw. d. Pf. I. p. 195.
*) Fischer, Beiträge zur phys. Geogr. der Mittelmeerlünder. p. 155. Hehn, Kulturpfl. pr 374 u. 375. ³) Unger, Versuch einer Geschichte etc. p. 14.—


