Aufsatz 
Die Wälder Europas während der Tertiärperiode im Vergleich zu denen der Jetztzeit
Entstehung
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statirt, und Nathorst wiess unter der Zitterpappelschicht die Glacialflora nach. Auch in den Mooren Schwedens findet sich nach Fries dieselbe Aufeinanderfolge. In den Torfmooren Nor- wegens fand Blytt in den den Glacialablagerungen auflagernden Schichten die Reste von drei verschiedenen Wäldern, zu unterst Pinus silvestris und Betula, darauf Laubwald von Quercus, Alnus glutinosa, Corylus, Prunus avium, hierauf wieder Pinus silvestris. Blytt erklärt diesen Wechsel durch Annahme abwechselnder maritimer und continentaler Perioden des Klimas. Er zeigt ferner, dass sich Torf mit Baumvegetation in jetzt waldleeren Gegenden findet, dass- sich einst die Wälder weiter nach Norden erstreckten als jetzt, da noch fossile Pinus-Stämme bei Nordvaranger gefunden wurden, dass in den Kiefernwaldungen des Ostens Sümpfe vor- handen sind, deren Einschlüsse eine frühere reiche Laubwaldvegetation anzeigen. So waren Quercus, Corylus und Prunus avium, letztere eine heute in Norwegen seltene Pflanze, damals viel weiter verbreitet. ¹) Auf den jetzt fast baumlosen Shetlandsinseln finden sich in Torf eingeschlossene Reste von Corylus. Und auf der westlich von Schottland gelegenen Insel Tirey sind Eichen und Birken fossil gefunden worden, die jetzt daselbst nicht mehr existiren. ²) Fliche hat die Torfsümpfe der Champagne in der Nähe von Troyes untersucht. Als die letzten unter dem Torf gelegenen Schlammschichten abgesetzt wurden, war die Gegend von Picea excelsa, die anfing selten zu werden, Weiden, Erlen und Birken bewaldet. Als der Torf sich bildete, warPicea excelsa nicht mehr vorhanden, Pinus silvestris dagegen reichlich, mit wenig Taxus baccata und Juniperus communis Zu den Laubbäumen treten nun noch Eichen und Ulmen. In der Folge verschwindet Pinus und Taxus, von Coniferen bleibt nur Juniperus übrig, zugleich werden die Eichen zahlreicher, und auf den Höhen wächst Fagus silvatica. Aus dieser Reihenfolge geht hervor, wie die heutige Flora Frankreichs ihren Bestand in Folge der zu- nehmenden Wärme schrittweise erreichte. ³)

In Steiermark, wo jetzt hauptsächlich Fichten und Föhren gedeihen, herrschten noch zur Zeit der Römer Eichen und Buchen vor. ¹) In den um Alt Paleschken, Kreis Berent, gelegenen Districte Westpreussens folgten sich die Waldbäume in der Weise, dass zunächst Eichen und Birken vorherrschten, dann die Kiefer folgte, und diese wurde durch die jetzt mit der Eiche zusammen vorkommende Buche zurückgedrängt. 5) Im Regierungsbezirk Potsdam sind Eiche und Buche durch die Kiefer verdrängt worden.) Auf der Madonie in Sicilien gab es noch zu Anfang dieses Jahrhunderts hochstämmige Pinusarten, die anscheinend ohne Zu- thun des Menschen verschwunden sind.) Nach Ratzeburg verschwindet die Eiche immer mehr. Am Schwarzwald waren noch vor dreihundert Jahren fast alle Nadelholzbestände mit Eichen gemischt, es zeigen sich noch Reste von Kiefernstämmen, wo jetzt nur Torfmoor ist und Knieholz mit kümmerlichem Birkengestrüpp vegetirt. Die Eiche ist von der Edeltanne verdrängt worden, und diese wird von Kiefer und Fichte verdrängt.8) Nach Paul Lau- rant besteht mancher Wald in Europa, den im Mittelalter noch Buchen bildeten, gegenwärtig

¹) Blytt, Botanischer Jahresbericht. IV. p. 693 696. Engler, Versuch einer Eutw. etc. I. p. 192. 1b ²) Unger, Versuch einer Geschichte etc. p. 320 und 325. Engler, Versuch einer Entw. etc. I. p. 195. ³) Fliche, Faune et flore des tour bières de la Champagne. Bot, Jahresb. IV. p. 699. Engler, Versuch einer Entw. etc. I. p 195. ²) Unger, Versuch einer Geschichte etc. p 321. ) Tralohel 5 Verhandlungen des Bot. Vereins der Provinz Brandenburg. Botanischer Jahresbericht 7. p. 699. 6) Maron, Forst-Statistik der sämmtlichen Wälder Deutschlands. p 39. ¹) Fischer, Th., Beiträge zur physischen Geographie der Mittelmeerländer p. 143. *) Ratzeburg, Standortsgewächse ete. p. 285.