Aufsatz 
Die Wälder Europas während der Tertiärperiode im Vergleich zu denen der Jetztzeit
Entstehung
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nicht besser das ganze Tschernosemgebiet abtrennt, welches, obgleich hier und da Wald tragend, doch überwiegend zur Steppenformation gehört. ¹)

Im Norden Europas geht die Waldgrenze in Scandinavien, in Folge der Einwirkung des Golfstromes, bis in die Nühe des Nordcaps(71⁰ n. Br.), aber schon im Gouvernement Archangel tritt sie in den Continent(66) und zieht sich von hier zwischen Mesen und Ural- gebirge ziemlich unregelmässig durchschnittlich unter 660 n. Br. hin. Nur in den tiefer ein- geschnittenen Flussthälern, wie dem der Petschora, rücken die Bäume nach Norden in die Tundren des Samojedenlandes bis 67 0 n. Br. ²)

1 Auf den offenen Flächen der baltischen Ebene und Russlands nehmen die IHaiden, Moore, Erlen- und Birkenbrüche einen grossen Raum ein, und dürften die letzteren als ursprüngliche Bildungen betrachtet werden müssen, hervorgerufen durch den verhinderten Wasserabfluss. ³) Am grössten sind die Prlen- und Birkenbrüche in den Sümpfen Litthauens, aber noch diesseits der Elbe ist ein grosser Erlenbruch, der Drömling, an den Grenzen von Hannover, Braun- schweig und der Altmark.

Dagegen dürften die Haiden des Nordwestens zum grossen Theil erst durch Vernichtung des Waldes entstanden sein, denn die in den Torfmooren Hannovers eingeschlossenen Nadel- holzstämme weisen auf eine frühere Bewaldung hin. Unter den Sümpfen am Steinhuder Meer befindet sich eine starke Lage von versunkenen Baumstümmen, welche die ehemalige Bewald-

ung anzeigt.)

Auch an anderen Stellen Europas finden sich versunkene Wälder, die an der Küste durch Bodensenkungen, im Innern des Continents durch in Folge von Alluvionen gehemmten Wasserabfluss oder wohl auch durch Bergrutschungen ihren Untergang fanden. So steht Breslau auf einem verschütteten Walde von Quercus pedunculata, ebenso ist Bamberg auf einem sehr ausgedehnten, verschütteten Wald aufgebaut, welcher wesentlich aus Eichen, zuweilen auch aus Erlen besteht. An vertorften Wäldern aber sind namentlich England, Dänemark und Scandinavien sehr reich, welche, sich oft unter dem Meeresspiegel weit erstreckend und hier von den Ablagerungen, mit denen sie auf dem Lande bedeckt sind, entblösst, die Erscheinung der submarinen Wälder darbieten, wie z. B. in der Bucht of Tay und zwischen Mersey und Dee.)

Zeigen uns diese untergegangenen Wälder, wie die Stein- und Braunkohlenlager früherer Weltalter entstanden sind, wie die Küsten des Continents continuirlichen Schwank- ungen unterworfen sind, so sind sie doch besonders lehrreich dadurch, dass sie uns einen Aufschluss geben über den Vegetationscharakter der vorhistorischen Zeit der Jetztwelt, über die Veränderungen des Klimas nach der Zeit des Diluviums, über den noch jetzt in unsern Wäldern zu beobachtenden allmäligen Wechsel des Bestandes.

Steenstrup hatte zuerst auf Seeland in den dortigen Moorendie Aufeinanderfolge von

Populus tremula, Pinus silvestris, Quercus sessiliflora, Alnus glutinosa, Fagus silvatica con-

¹) Wojeikof, Die Circulation etc. p. 19. ¹) Grisebach, Die Vegetation der Erdc. I. p. 26. ³) ebenda I. p. 159.

*) ebenda I. p. 155.

³) Unger, Versuch einer Geschichte der Pflanzenwelt. p. 319328.