Aufsatz 
Die Wälder Europas während der Tertiärperiode im Vergleich zu denen der Jetztzeit
Entstehung
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An der Petschora geht sie über die Kiefer nach Norden hinaus und wird hier nur übertroffen. von Birke und Lärche.¹)

Ueberblicken wir noch einmal das gesammte Waldgebiet Europas, so lässt sich nicht verkennen, dass die Mannigfaltigkeit des physiognomischen Ausdrucks von Norden nach Süden sich steigert. Die immergrünen Baumformen, die vermehrte Zahl der waldbildenden Elemente bieten dem Auge in Südeuropa eine grössere Abwechslung, als die einförmigen Buchen-, Eichen- und Nadelwälder in Mittel- und Nordeuropa. Allein an Höhe des Wuchses und an Schönheit der Individuen stehen die südeuropäischen Wälder den unsrigen bei weitem nach. So maje- stätische Eichen, wie sie hin und wieder auch die deutschen Wälder noch besitzen, so herrliche Buchen wie die an der Ostsee und den Wesergebirgen, so schöne Edeltannen wie die des. Schwarzwaldes, hat Südeuropa nicht aufzuweisen, wo das Unterholz und Gestrüpp, Dornen und Lianen die Entwicklung der hochstämmigen Waldbäume beeinträchtigen und diese selbst oft zur Strauchform verkümmern. Was aber alle Wälder Europas vor denen anderer Florenge- biete auszeichnet, ist die Reinheit ihrer Bestände. Allerdings dürfte dieselbe zum Theil durch die Cultur hervorgerufen sein, indem sich dieselbe einzelner Baumarten bemächtigte und diese- vor allen andern begünstigte. Allein zum Theil ist sie auch in der Individualität der Baum- arten begründet, nur gesellig zu leben und keine anderen Formen neben sich zu dulden. Dieses gilt besonders von den Nadelhölzern, und so finden wir denn auch in der grossen, russischen. Nadelwaldzone, die zum Theil gewiss von aller Cultur unberührt geblieben ist, die reinsten Fichten- und Kiefernbestände. Ob aber auch bei den Laubwäldern die Reinheit der Bestände lediglich durch die Cultur bedingt worden ist, ob sie nicht vielleicht eine ursprüngliche Cha- raktereigenthümlichkeit der europäischen Laubwälder ist, dürfte schwer zu entscheiden sein.

Mag auch die Cultur durch Trennung der waldbildenden Elemente und Ausbreitung einiger derselben auf die Einförmigkeit der europäischen Wälder von grossem Einfluss ge- wesen sein, so dürfen wir doch nicht verkennen, dass sie es wiederum ist, welche diese Ein- förmigkeit zu mildern sucht, indem sie die Europa während der Eiszeit abhanden gekommenen Formen Asiens und Amerikas zurückzuführen bestrebt ist. Und es dürfte eine Zeit kommen, in welcher es der Intelligen⸗ des Menschengeistes gelungen sein wird, den verloren gegangenen, tertiären Baumformen, soweit ihnen die klimatischen Verhältnisse Europas genügen werden, in ihrer alten Heimath wieder eine Wohnstätte bereitet zu haben, aus der sie vertrieben wurden vor vielen Jahrtausenden..

1) Kohn, Albin, Der russische Urwald. Die Natur 1879. 41.

Seite 1 Zeile 2 von unten lese man: Jetztzeit statt Jetztzelt. 8 18 californischen statt carlifornischen 11 11 Beaingungen statt Bedingen. 12 16 und 17 sSteifem-blaugrünem statt steifen-blaugrünen. 13 18 Pinie statt Pine. 15 15 Sträuchern statt Sträuchen. 26 19 meiste statt meisste.

, 31 10 von oben lund Seite 36 Zeile 14 von oben lese man Arnsberg statt Arensberge. 32 5 von unten lese man Manytschniederung statt Manytschniderung.