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artig und bildet an der Waldgrenze der hohen Gebirge die selbständige Formation des Krumm- holzes, so in den Karpathen und Sudeten.)y Aber in den westlichen Alpenthälern erhebt sie sich zur Grösse eines Baumes ²) und bildet dort dichte Bestände in gleicher Weise, wie die als Varietät unterschiedene P. uncinta in der Waldregion der centralen Pyrenäen.*)
6 ir 1„— 7 Jii*. Wenden wir uns nunmehr zu den von Südeuropa ausgeschlossenen Coniferen, so ist es auffallend, dass sie alle Europa mit Asien gemeinsam sind.
Die sibirische Edeltanne, Pinus Pichta, erreicht Europa nur im äussersten Nordosten und betheiligt sich hier, in der grossen russischen Nadelholzzone, meist mit der Fichte ver- bunden, an der Bildung der ungeheueren Nadelwälder des Nordens. In reinen Beständen tritt sie jedoch selten auf.*)
Sie geht nient so weit nach Norden(64 n Br.) als die sibirische Ceder, Pinus Cembra welche zuerst südlich vom 65. Grad n. B. und östlich vom 57. Grad ö. L. erscheint und bis zum 50. Grad n. Br.(bei Perm) vorkommt. Auch sie bildet selten reine Wälder und ist in der Regel den Fichten zugesellt. Dieselbe Art kommt als Arve auch auf den Hochplateaus der Alpen und Karpathen vor, gedeiht jedoch nicht mehr unter 4000, bildet aber in den rhätischen Alpen grosse Wälder. ⁵)
Eine etwas grössere Verbreitung hat die Lärche. Auch sie kommt als sibirische Lärche ein dem Nadelholzgebiet zwischen weissem Meer und mittlerem UIral vor, auch sie hat ausser diesem östlichen Verbreitungsbezirk einen westlichen, der jedoch, weil sie auch in einem tieferen Niveau gedeiht, nicht nur die Alpen und Karpathen, sondern auch das mährische Gesenke umfasst, und auch in niedrigeren Gebirgen bis nach Südfrankreich) ist sie mit Erfolg cultivirt worden. Finden sich doch sehr schöne Lärchenbestände am Harz.²*) Und wie sie in West- europa oft die Baumgrenze bildet, z. B. in den baierischen Alpen, so geht sie in Nordrussland von 52⁰0 n. Br. bis zu 720 n Br. über Arve, Tanne, Kiefer, Fichte und Birke und bildet hier namentlich nördlich vom 63. Grad n. Br., den Flussthälern entlang, gewaltige Wälder.*) Die Lärchenwälder mit ihrem hellen Grün des Sommers und den kahlen Zweigen des Winters sind ein ausdrucksvolles, physiognomisches Element in den Wäldern des Westens und Ostens.
Der schönste aller europäischen Nadelholzbäume ist unstreitig die Fichte. Die maje- stätische Höhe ihres Wuchses, das frische Grün ihrer Nadeln, die kegelförmige Krone heben sie vor allen anderen Nadelhölzern hervor und verleihen den Fichtenbeständen mit ihrem tiefen Schatten einen erhabenen Ausdruck. Die Fichte begleitet den Wandrer in den Gebirgen Mitteleuropas bis zur Baumgrenze, selbst an der steilsten Felsenwand mit ihren flachen Wurzein sich festklammernd und himmelanstrebend. Die Fichtenwaldungen sind die typischen Reprä- sentanten der nordischen Urwälder. Hier bildet die Fichte, oft mit der Kiefer vereint, oft mit Oeder und Tanne, oft aber auch in reinen, unvermischten Beständen, gewaltige Waldmassive.
¹) Grisebach, Die Vegetation d. E. I. p. 146.
²) Grisebach, ebenda. I Anmerkungen, p. 543.
³) Grisebach, ebenda. I. p. 204.
6) Kohn, Albin, Der russische Urwald. Die Natur. 1879. 41. ⁵) Grisebach, Die Vegetation d. E. I. p. 93.
6) Leunis, Synopsis, I.§ 150
) Unger, Geologie der europäüischen Waldbäume p. 100.
³) Ratzeburg, Standortsgewächse und Unkräuter etc. p. 397. *) Kohn, Albin, Der russische Urwald. Die Natur 1879. 41.


