Aufsatz 
Die Wälder Europas während der Tertiärperiode im Vergleich zu denen der Jetztzeit
Entstehung
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Natriumsalzen geschwängerte Boden für die Wald- und Gebirgspflanzen nicht geeignet, dagegen den von Süden und Osten eindringenden Steppenpflanzen angemessen war.¹) Wenigstens sind es nach Grisebach keine klimatischen Ursachen, wie in Südrussland, welche den Mangel der Wälder in den Pussten bedingen²), da die wenn auch geringe Menge der Niederschläge des Sommers für den Baumwuchs genügen würde.

Jedoch ist nach Wojeikof²) Grisebach in Betreff des klimatischen UInterschieds der Pussten und der Steppen Südrusslands im Irrthum, denn grade dadurch unterscheiden sich diese beiden Gebiete von einander, dass im ersteren die Sommerregen spärlicher als in allen umliegenden Gegenden sind, weil alle Niederschläge dort über Gebirge kommen müssen und einen Theil ihres Wasserdampfes eingebüsst haben, über der stark erhitzten, waldlosen Ebene aber die Condensation schwieriger ist, während in den Steppen Südrusslands die Sommerregen entschieden vorwalten, nicht aber durch die entgegengesetzten Verhältnisse, wie Grisebach an- nimmt, indem er von der unrichtigen Vorstellung ausgeht, dass in Südrussland im Sommer der N. O. Passat herrsche.¹) Was aber die beiden Gebiete in klimatischer Ilinsicht mit ein- ander verbindet, ist die geringe Menge der jährlichen Niederschläge, woher es denn kommen mag, dass wir in den Pussten wie in den südrussischen Steppen nur vereinzelte Waldinseln finden, dass der fette Tschernosemboden Südrusslands wohl üppige Getreidefelder, aber keine Waldungen zu erzeugen vermag. Dass es die geringe Regenmenge ist, welche hier die Existenz der Bäume bedroht, geht auch aus einer Arbeit Koschewnikoffs hervor, wonach in der Um- gebung von Koslow sich der Wald nur auf dem vom Tschernosem entblösten, sandigen Lehm längs der Flüsse Ilowai und Woronesch befindet. 5) Es ist aber einleuchtend, dass es nicht die Bodenverschiedenheit, sondern lediglich die durch Wegwaschung des Tschernosem bedingte tiefere Lage und die vermehrte Wasserzufuhr in der Nähe der Flüsse ist, welche die Pr- scheinung hervorruft. Wenn nun aber Grisebach erwähnt, dass der(tetreidebau in der Mitte der Humuszone aufhöre,6) und auch Guthe sagt, dass die südlichen von Don und Donez durch- brochenen Platten nur öde Steppenlandschaft darstellen,*) so dürfte dieses wohl darauf zurück- zuführen sein, dass der Ackerbau sich dieser Gegenden noch nicht bemächtigt bat. Denn der Uebergang vom südrussischen Gebiet, mit vorwaltendem Sommerregen und im Sommer vor- herrschendem W. S. W. und N. W.,, zum caspischen, mit nur sehr geringen und unregelmässig vertheilten Niederschlägen und im Sommer vorherrschenden nördlichen Winden, ist nach Wojei- kof ein sehr schroffer.8) Die Grenze dieser Gebiete verläuft vom 50 an dem Bergufer der Wolga entlang bis zum 480 n. Br., dann hält sie sich längs der Ergeni bis zur Manytschnide- rung, und überall im Westen ist nach Wojeikof die productive, humõöse, im Osten die traurige, öde, caspische Steppe. Mit dieser Grenze müsste denn auch die des Waldgebietes überein- stimmen, zumal sich noch viele Kieferwaldungen südlich von der von Grisebach als Baumgrenze pezeichneten Linie vorfinden, und Eichen und Birken noch weiter südlicher gehen, wenn man

¹) Engler, Versuch einer Entw. etc. I. p. 185. ²) Engler, ebenda I. p. 186. ³) Wojeikof, Die atmosphärische Circulation. Petormanns Mittheilungen. rgänzungsheft Nr. 28.

1874, p. 14 19. ³) Grisebach, Die Vegetation d. E. I. p. 107. 3) Koschenwikof, Beiträge zur Flora des Tambow'schen Gouvernements. Bot. Jahrb. IV. p. 1019. ³) Grisebach, Die Vegetation der Erde I. p. 405. 6 ¹) Guthe, Lehrbuch der Geographie p. 651. *) Wojeikof, Die Circulation etc. p. 19.