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die in ihrer Vollendung als klaſſiſche Bildung bezeichnet wird. Dieſe idealen Geſichtspunkte ſind zwar an einzelnen Stellen des preußiſchen Plans nur angedeutet, aber ſie ſind ohne Zweifel die treibenden Grund⸗ gedanken der preußiſchen Reform. Dieſelben harmonieren recht wohl mit dem heſſiſchen Plane, und deshalb können die folgenden Erläu⸗ terungen des preußiſchen Plans(abgeſehen von der philoſophiſchen Propädeutik, die der heſſiſche Plan nicht aufgenommen) auch als prinzipielle Vorausſetzungen des heſſiſchen Plans angeſehen werden. — Der Religionsunterricht ſoll Feſtigkeit eines begründeten Urteils, Sammlung und Vertiefung des Gemüts bewirken. Jede Überbürdung mit Daten, welchen ein religiöſer Gehalt nicht beizumeſſen iſt, muß als Beeinträchtigung der Aufgabe des Religionsunterrichts ferngehalten werden.— Für den deutſchen Unterricht wird gefordert, daß die Schüler auf Grund wohlgewählter Klaſſen- und Privatlektüre für die Heroen unſerer Litteratur durch das Verſtändnis der bedeutendſten ihnen zugänglichen Werke mit dankbarer Hochachtung erfüllt werden. —„Die philoſophiſche Propädeutik wird zwar nicht als beſonderer obligatoriſcher Lehrgegenſtand bezeichnet, aber ihr hoher Wert für die Anregung des philoſophiſchen Studiums als einer Ergänzung für jedes Fachſtudium wird anerkannt. Es wird betont, daß die philo⸗ ſophiſche Propädeutik zwar aus anderen Lehrgegenſtänden der Schule Unterſtützung findet, aber durch ſie nicht erſetzt wird.“— Bei der Lektüre einer Auswahl der dem Bildungsgrade der Schüler zugäng⸗ lichſten Werke der klaſſiſchen Sprachen fordert der preußiſche Plan, daß das Leſen auf grammatiſch genauem Verſtändnis beruhe und zu einer Auffaſſung und Wertſchätzung des Inhalts und der Form führe. Denn aus der grammatiſchen Seite der Behandlung der Lektüre ergiebt ſich der formal bildende Einfluß dieſes Unterrichts, aus der anderen Seite, die dem Inhalte und der Kunſtform ſich zu⸗ wendet, ergiebt ſich der Anfang derjenigen Entwickelung, die in ihrer Vollendung als klaſſiſche Bildung bezeichnet wird.— Der geſchicht⸗ liche Unterricht auf Gymnaſien hat ſich eine maßvolle Beſchränkung zum Geſetze zu machen. Es iſt zu bedenken, daß es deutſche Schüler ſind, denen der Unterricht erteilt wird. Daraus ergiebt ſich, daß die alte Geſchichte ſich weſentlich den Völkern zuzuwenden hat, welche auf Staat und Bildung des Vaterlandes den entſchiedenſten und unmittel⸗


