Aufsatz 
Geist, Ziele und Mittel der Gymnasialbildung / von Adalbert Becker
Entstehung
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einer Vertiefung, einer Umkehr der Geiſter. Es iſt ſo weit gekommen, daß faſt in allen beſonderen Gebieten des Unterrichts eine große übereinſtimmung der Lehrpläne, der Lehrbücher, der Klaſſenziele, ja ſogar faſt der täglichen Unterrichtsaufgaben herbeigeführt worden iſt; und bei dieſem durch den Brauch geheiligten Lehrgang ſcheint es nunmehr in einer großen Anzahl von Anſtalten nur noch darauf an⸗ zukommen, in welcher Weiſe im Umfang der zugewieſenen Penſen die größtmöglichſte Behendigkeit und Schlagfertigkeit in der augen⸗ blicklich geforderten Leiſtung erzielt werden kann. Dieſe Fertigkeit hat nun gewiß in allen Gattungen der Unterrichtsanſtalten, insbeſon⸗ dere in den Erziehungsanſtalten der Knaben und Jünglinge, vor allem, wenn man erwägt, daß der Mann zu klarem, unſichtigem, feſtem, entſchloſſenem, ſicherem Handeln berufen iſt, einen nicht zu unterſchätzenden Wert. Allein es iſt doch auch heilige Pflicht, daß wir über der Genauigkeit und Gewandtheit der Form alles Wiſſens und Könnens nicht den Kern, die Tiefe, die Fülle des geiſtigen Lebens zurücktreten laſſen. Und da dieſe Pflicht in allen Verhältniſſen des Lebens an uns alle herantritt, ſo iſt ſie beſonders in der Schule ge⸗ boten, wenn dieſe dem Leben dienen und das geiſtige Leben unſeres Volkes vor Verflachung bewahren ſoll. Aber die Empiriſten und ſog. Realiſten herrſchen jetzt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Wiſſenſchaften und zeigen wenig Sinn dafür, in der origi⸗ nalen Tiefe des Menſchengeiſtes die beſten Schätze zu heben und da⸗ durch den feſten Grund für alle echte Wiſſenſchaft, alles reine Leben und für das Heil des einzelnen und der menſchlichen Geſellſchaft zu legen. Dieſer Mangel an Idealität lähmt die Erziehung in Familie, Schule, Staat und Kirche. Die höheren Schulen, die der Heran⸗ bildung des männlichen Geſchlechts dienen, erübrigen bei den vielfachen, oft unter ſich entgegenſetzten Forderungen, die von den Vertretern der Wiſſenſchaften und aus den Kreiſen des praktiſchen Berufslebens an jene Schulen geſtellt werden, häufig nicht die Zeit, um die rein idealen Aufgaben der Erziehung und der wirklich geiſtigen Aus⸗ bildung auch nur nach den wichtigſten Seiten hin mit Erfolg zu erfaſſen oder zu löſen. Wenn aber die erziehende Schule dabei auch ſieht, daß die urſprüngliche, freie und tiefe Entwickelung des deutſchen Lebens und Geiſtes auch durch das äußerliche Reglementieren, Nivel⸗