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hier, daß dieſer Widerſtand gegen unrichtiges Verfahren dann auch wieder häufig zu weit ging und das Kind mit dem Bade ausſchüttete, wenn er nicht die falſche Anwendung der Schreibübungen bekämpfte, ſondern ſogar die allernützlichſten und durch nichts zu erſetzenden ſchrift⸗ lichen Übungen, und wohl gar auf dem Gebiete der Sprachen die Grundlage und einen wichtigen Zweck dieſer Übungen verwarf, näm⸗ lich die durch rationellen Betrieb der Grammatik zu erzielende Ausbildung der Denkkraft.
Es kann nicht zweifelhaft erſcheinen, daß beſonders die Extem⸗ poralmanie, die in Norddeutſchland viele höhere Schulen ergriff, aber auch Süddeutſchland nicht fern blieb und faſt ſämmtliche Unter⸗ richtsgebiete zu überwuchern drohte, das innere Leben der Schule und ihre Beziehungen zum Elternhaus und zu„den denkenden Freunden der klaſſiſchen Bildung“ gefährdete, als die extemporierten ſchriftlichen Übungen und andere Schularbeiten des alt⸗ und neuſprachlichen Unter⸗ richts, ebenſo wie die ſchriftlichen Schularbeiten der realiſtiſchen Schul⸗ disciplinen, nicht vorwiegend um der Einübung willen und um das Wiſſen in Können umzuſetzen, vorgenommen wurden, ſondern um da⸗ durch die gehetzten und gequälten Schüler, die man auch noch mit Vorbereitungen für dieſe extemporierten Leiſtungen bedrängte, fortwäh⸗ rend, von Woche zu Woche, und wenn man auf den häufigen Wechſel der in faſt allen Disciplinen geſchriebenen Extemporalien ſah, mit⸗ unter faſt von Tag zu Tag irgend einem rigoroſen Examen zu unter⸗ ziehen und dadurch gleichſam Akten zu ſchaffen, die zur Grundlage für Zeugniſſe und Verſetzungen dienten, damit die ſchwachen Schüler — wie ungefähr in einem Referate einer norddeutſchen Direktoren⸗ konferenz zu leſen war— im Laufe der Zeit vom laufenden Rade abgeſchleudert würden. Dieſes herzloſe Syſtem überlud mit häuslicher Vorbereitung und wurde ungerecht gegen den Schüler, deſſen Natur⸗ anlage ſich für die angeſtrebte Schlagfertigkeit des Wiſſens und der Leiſtung nicht drillen oder dreſſieren ließ. Wie ſehr es ſich auch empfiehlt, bei allem Unterricht möglichſt geſpannte Aufmerkſamkeit und umſichtige Geiſtesgegenwart in den Schülern zu wecken und zu befeſtigen, ſo entſpringt es doch nicht aus dem Weſen der Gymnaſial⸗ bildung, wenn die Praxis der Gymnaſien in der Gewinnung eines ſchlagfertigen Wiſſens ihr Ziel erblickt. Und doch fand dieſer Ge⸗


