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nun noch einmal der Jugendtraum, durch Verbeſſerung des Unter⸗ richts etwas Bedeutendes wirken zu wollen: würden wir auch noch ſo ſehr, wie ehemals, darauf dringen, man ſolle dem Griechiſchen neben dem Latein, der Mathematik neben den Sprachen einen breiteren Platz anweiſen? Faſt glaube ich, die herrſchende Richtung unſerer pädagogiſchen Wünſche würde nunmehr eine andere ſein, weil ein großer Teil deſſen, was wir ehemals wünſchten, erfüllt iſt.“ Herbart deutet wohl damit an, daß er das vermehrte Wiſſen des Gymnaſiums höheren, erzieheriſchen Zwecken des Unterrichts unterordnen würde, wenn ſeinen Wünſchen ein Erfolg entſpräche.„Als die neuen Erweiterungen des Unterrichts in Gang geſetzt wurden, da äußerte ein großer Teil des Publikums ſeine Unzufriedenheit mit der Laſt, die man der Jugend auferlege, und mit den ſchweren Bedingungen, an die jetzt das Eintreten in Staatsämter geknüpft werde. Etwas ſpäter fand ſich's, daß die Laſt noch erträglich und für gute Köpfe der Gewinn noch bedeutend ſei. Nun wuchs der Mut; die Eltern legten mehr und mehr Wert auf den Unterricht der Gymnaſien. Sie ſelbſt, das wußten ſie, waren weit mangelhafter unterrichtet worden; deſto mehr ſchätzten ſie das Geſchenk, was ihren Kindern ſich darbot.“ Aber Herbart ſah nun auch voraus, was die Folge der weiter ſchreitenden Verbreitung der Gymnaſialbildung unter Unberufenen zu aller Zeit ſein muß.„Die Zeit wird kommen“, ſagt er,„wo diejenigen in reifen Jahren ſtehen, denen die Schulen ihre Gelehrſamkeit nach Kräften beigebracht haben. Alsdann werden die Eltern zufrieden ſein müſſen, wenn ihre Kinder ebenſo viel lernen, als ſie ſelbſt ge⸗ lernt haben. Denn das Quantum des Unterrichts läßt ſich nicht ſteigern. Mit der Rührung, die jetzt wohl oftmals ein Vater em⸗ pfindet, indem er ſieht, wie viel weiter ſein Sohn es bringt als er ſelbſt, wird es alsdann ſo ziemlich vorbei ſein. Dagegen wird eine andere, ſchon längſt nicht unerhörte Sprache öfter ſich erneuern, nämlich die Troſtrede erfahrener Väter, die ihren Söhnen vorſprechen, ihre Jugendfreuden ſollten nicht ſo arg verdorben werden durch das Unnütze, womit man ehedem gequält worden ſei, ohne im ſpäteren
Lebensanſchauung unvergeßliche Einwdirkungen auf die jugendlichen Gemüter auszuüben vermochten.


