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landes, für die Sicherung des Friedens und für die Schulung unſres Volkes wir dankerfüllt anerkennen, in einem großen Teile Deutſch⸗ lands noch nicht beſtand und ſogar in Preußen noch nicht wirklich allgemein durchgeführt war, weil ja dort viele junge Leute gar nicht zum Heeresdienſt eingezogen wurden und ſehr viele von denjenigen, die dienen mußten, in kürzerer Zeit, ſogar ohne Freiwillige zu ſein, ihrer Militärpflicht genügen konnten: ſo wurden damals die höheren Schulen noch nicht von ſo vielen wenig begabten Schülern heimgeſucht, die zunächſt nur den Freiwilligenſchein erſtreben müſſen, infolge ihrer geringen Begabung die Leiſtungsfähigkeit der unteren und mittleren Klaſſen herabdrücken und ſelbſt in einer maßvollen Anforderung einen Anlaß zu einer Überlaſtung mit häuslicher Arbeit erblicken. Auch die übrigen Berechtigungen, die die Staatsverwaltungen an den Beſuch gewiſſer Oberklaſſen der Lehranſtalten geknüpft haben, werden heute als ein Hindernis empfunden, da ſie die Zahl derjenigen vermehren, die nicht um ihrem Wiſſenstrieb Folge zu leiſten, dieſe Anſtalten beſuchen. Es iſt manchmal nicht leicht, dieſen Eindringlingen gegen⸗ über die berechtigten Forderungen der geſetzlichen Unterrichtsordnung aufrecht zu halten; und wenn dies doch in pflichtmäßiger und der Erziehung und Ausbildung des Schülers förderlicher und beſonnener Weiſe geſchieht, ſo ſtellt man leicht die Sache in dem einen Falle ſo hin, als ob die Schule billigerweiſe über gewiſſe Mängel hinweg⸗ blicken müſſe; in dem andren Falle argumentiert man mit dem Verſuch einer Einſchüchterung, entweder ſeien die wahrgenommenen Mängel von den Lehrern ſelbſt verſchuldet durch ihre zu geringen Leiſtungen oder falſche Methode— und dieſe Erklärung droht ſehr beliebt zu werden—, oder die Schule ſtelle überhaupt zu weitgehende Forde⸗ rungen. Dieſe Erſcheinungen erklären ſich zwar mit aus den Folgen der zunehmenden Übervölkerung Deutſchlands, die die Gewinnung eines erwünſchten Lebensberufes erſchwert, aber auch ganz beſonders aus einem weit verbreiteten unnatürlichen Beſtreben vieler Eltern, ihre Kinder in eine höhere Lebensbahn zu bringen, als ihre eigne iſt. Anſtatt an der Hebung des eignen Berufs mit aller Kraft zu arbeiten und den Kindern die eignen Lebenserfahrungen als einen Schatz ins Leben mitzugeben, flößt man den Kindern oft Abneigung gegen den Beruf der Eltern ein und treibt ſie in Lebensgebiete hinein, für die


