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großen Mehrheit aller Beteiligten und ſogar von dem öffentlichen Urteil gebilligt ſein. Auf allen Lebensgebieten wenden wir uns darum an die Einſicht und die Empfindung der Zeitgenoſſen, um von ihrer Zuſtimmung gleichſam die beſte Vollmacht für unſre guten Beſtre⸗ bungen zu erwirken. Da nun gerade auf dem Gebiete der öffentlichen Erziehung und ihres Unterrichts nicht nur die dazu Berufenen ſprechen und ſchreiben und deshalb ganz beſonders viel von dem Urteil und der Bildung der zunächſt beteiligten Kreiſe abhängt: ſo iſt es gewiß angezeigt, ſich auch manchmal unmittelbar mit dieſen zu verſtändigen. Denn es wird ja heute bei weitem nicht alles, was Geſetz oder Ver⸗ ordnung des Staates iſt oder in der Vollmacht einer ſtaatlichen In⸗ ſtitution liegt, gerade deshalb beſonders hoch gehalten und geſchützt; und es iſt auch wirklich noch lange nicht alles, was für zweckmäßig oder gut gilt, nahe liegt und ausführbar iſt, zum Geſetz erhoben. Was aber berufen ſein ſoll, des Menſchen ureigenſte Entwickelung zu regeln, ſeine Erziehung und perſönliche Bildung zu fördern, muß dem Weſen des Menſchen entſprechen und in des Geiſtes tiefſter Art be⸗ gründet ſein. Deshalb werden Erziehungs⸗ und Unterrichtsangelegen⸗ heiten ſo lange im Mittelpunkte der öffentlichen Erörterung ſtehen, als die Kultur der Menſchen weiter ſchreitet; und in allen Zeiten, in denen die Erziehung zum Gegenſtand lebhafter Erwägungen wird, iſt dies ein Anzeichen einer allgemeinen und tiefer gehenden Bewegung des Zeitbewußtſeins und der geſellſchaftlichen und ſittlichen Intereſſen eines Zeitalters.
Das Thema der vorliegenden Arbeit könnte eine Gymnaſial⸗ pädagogik in ſich bergen; aber unſre Aufgabe kann es nur ſein, einige allgemeine Fragen zu behandeln, die gerade im Augenblick von Intereſſe ſind. Von dieſen allgemeinen Geſichtspunkten aus werden hier und da Perſpektiven in das innere Leben des Gymnaſiums, ſeine Schmerzen und Sorgen, ſeine Wünſche und Beſtrebungen eröffnet. Oft iſt es ſchwer, das Wort zu unterdrücken, das auf der Zunge liegt.— Es iſt natürlich, daß von uns auch Fragen der Methode des Unterrichts und ihrer pſychologiſchen Begründung berührt werden, die nur für den Fachmann und, wenn nicht für ihn, wenigſtens für den philo⸗ ſophiſch Denkenden von Intereſſe ſein dürften. Von andern wollen ſie überſchlagen ſein. Wenn nun Beſprechungen ſolcher Art vielleicht


