Aufsatz 
Schillerrede, gehalten am 9. Mai 1905
Entstehung
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26 burg oft verändert. Dömitz, die Burgen von Parchim und Lübs gehörten zeitweise zu Brandenburg(ersteres bis ins XIV. Jh.), die Burg in Grabow den Gäunsen zu Putlitz; umgekehrt war Stadt und Land Lenzen eine Zeitlang den Grafen von Schwerin ver- pfändet, ja bis nach Perleberg hat sich zeitweise die Lehnsherrschaft der Schweriner Grafen erstreckt. Nun bildet aber die heutige politische Grenze die einem jeden Bauern fühlbare Mundartengrenze. Diese Mundartengrenze ist also verhältnismäßig jüngeren Datums und kann nur aus späteren Sprachprozessen erklärt werden.

Anders scheint das Verhältnis der Mundartenfrage zur Kolonisationsfrage in dem südlichen Teile der Priegnitz zu liegen, d. h. etwa in dem Teile der Pri., der südlich der Landstraße Wittenberge Perleberg Pritzwalk-- Wittstock liegt. Die Gründe, die für den nördlichen Teil der Pri. gleiche Herkunft der Ansiedler vermuten lassen wie für Meckl., scheinen hier nicht vorzuliegen. Auch hat dieser Teil im Gegensatz zur nördl. Pri. und zu Meckl. zwei der wichtigeren Bremerschen Kriterien für das Nieder- fränkische aufzuweisen: g vor Vokalen ist zu) geworden, intervokales d' zu j. Dazu kommen noch eine Reihe anderer Besonderheiten in Lautstand und Wortgebrauch(siehe Nd. Jb. 31, S. 74 ff). So ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Anzahl der niederfränkischen Kolonisatoren im südlichen Teil verhältnismäßig groß gewesen sei, größer als im nördlichen Teil, und daß der Ausgleichungsprozeß sich hier mehr zugunsten des niederfränkischen Elementes vollzogen habe. Aber es ist nun lehrreich zu sehen, daß eine eigentliche Mundartengrenze wie oben an der politischen Grenze sich gerade hier nicht findet. Denn gerade hier decken sich die Ausbreitungsgebiete vieler einzelner Lauterscheinungen nicht, wenn die Grenzlinie oft auch nur eine Meile voneinander ent- fernt sind; gerade hier sind mehrfach unmerkliche Ubergänge wahrzunehmen. So würde auch dieser Befund indirekt dafür sprechen, daß die Mundartengrenze an der heutigen politischen Grenze zwischen Meckl. und der Pri. nichts zu tun hat mit der etwaigen ver- schiedenen Herkunft der ursprünglichen Ansiedler.

Ich habe eben von der Möglichkeit gesprochen, gewisse Erscheinungen im Laut- bestande der südlichen Pri. auf den Einfluß des niederfränkischen Bruchteils der Ansiedler zurückzuführen. Ich muß nun hinzufügen: mehr als eine Möglichkeit kann auch hier nicht behauptet werden. Wir müßten eine ähnliche Gliederung der Ansiedler auch für die Altmark annehmen, von der die Pri. im Westen begrenzt wird: denn auch die Alt- mark scheidet sich in ein nördliches Gebiet, in dem g vor Vokalen g geblieben und d zwischen Vokalen nicht y geworden ist, und in ein südliches Gebiet, in dem g und d in den bezeichneten Stellungen zu y geworden sind. Die horizontalen Sprachlinien, die ich Nd. Jb. 31, S. 72 ff. für die Priegnitz festgestellt habe, gehen einfach nach Westen über die Havel und die Elbe hinüber. Man darf ferner anführen, daß die mundartlichen Abweichungen innerhalb des Gebietes, das von Holstein, Mecklenburg und Brandenburg gebildet wird, nicht größer sind, als innerhalb eines Gebietes westlich der Elbe mit bodenständiger Bevölkerung, z. B. Westfalens. Und somit kann es sich bei allen laut- lichen Kriterien, die Bremer für niederfränkisch erklärt hat, um das Ergebnis von Laut- bewegungen handeln, die erst etwa nach 1160 selbständig auf dem neuen Boden ent- standen sind, die einesteils von Norden kamen, andernteils vom Süden, und die zum Teil innerhalb der Priegnitz aufeinander getroffen sind.

Der ganze Norden(bis zur Elde) gehörte zur Erzdiözese Hamburg-Bremen, der ganze Süden zur Erzdiözese Magdeburg. Wenn nun gerade im Süden solche Laut-