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bewegungen entstanden sind, die den von ihnen ergriffenen Mundarten ein größeres nieder- fränkisches Gepräge aufgedrückt haben, so mag das ja allerdings mit dem Umstande zusammenhängen, daß im Süden der Linie Havelberg-Berlin, besonders aber im Gebiet des Fläming, nachweislich viele Niederländer angesiedelt worden sind(s. Bremer a. a. O. § 188). Absolut nötig ist auch diese Annahme nicht, denn es können in den verschiedensten Gegenden und Ländern sich unabhängig voneinander gleiche Lautprozesse entwickeln. Einen Ersatz von intervokalischem d durch y, hier allerdings vor betontem Vokal, kennt z. B. auch die französische Sprache.(Vgl. Meyer-Lübke, Rom. Gram. I,§ 436.) Bremer muß doch auch annehmen, daß die ersten Ansiedler mindestens schon die Dispositian zu diesen Lautprozessen mitgebracht hätten. Das aber wird sich kaum beweisen lassen. Für den Wandel von d' zwischen Vokalen zu y habe ich in Mecklenburger und Priegnitzer Urkunden des Mittelalters jedenfalls nur ganz vereinzelte Beispiele gefunden. Aus mnl. Handschriften lassen sich wohl früh Formen mit Schwund des d' zwischen Vokalen an- führen, doch wohl keine mit öbergang des d zu y(S. Franck, Mnl. Gram.§ 114, 5). Gegen die Annahme, daß die Niederfranken z. B. schon die Disposition zum Wandel von intervokalem d) mitgebracht hätten, spricht auch der Umstand, daß dieser Wandel nur nach langem oder gelängtem Vokal stattgefunden hat. Bremer müßte also zugleich annehmen, daß die Niederfranken schon sog. tonlange Vokale mitgebracht hätten.
Und so komme ich zu dem Schlusse, daß die große Mehrzahl der Sprachlinien, die sich innerhalb der Priegnitz feststellen lassen, Sprachlinien im Sinne P. Meyers sind, d. h. sie geben das Ausbreitungsgebiet eines einzelnen sprachlichen Merkmals an. Diesen Sprachlinien gegenüber aber nimmt die Mundartenscheide an der heutigen mecklen- burgischen Landesgrenze eine besondere Stellung ein. Hier decken sich von beiden Seiten her eine Reihe verschiedener Sprachtypen: wir haben es hier mit einer Mund- artenlinie im Sinne Groeber-Hornings zu tun. Wir haben diese Mundartengrenze durch die Annahme erklärt, daß sowohl von Norden wie von Süden her ein Kranz mecklen- burgischer und priegnitzischer Verkehrszentren eine Reihe von ihnen eigentümlichen sprach- lichen Merkmalen bis zur Grenze vorgeschoben haben. Wir haben für die Sprachlinien innerhalb der südlichen Priegnitz die Möglichkeit zugegeben, daß sie Niederschläge ver- schiedener Heimat- und Mundarten der ersten Ansiedler seien, aber auch die andere Möglichkeit durchaus nicht zurückgewiesen, daß sie sich erst seit der Kolonisation neu gebildet haben.
Es bleibt nun noch eine Frage zu beantworten. Wie kommt es, daß die Landes- grenze im Norden nur für einen bestimmten Teil von Spracheigentümlichkeiten und gerade für diesen die Dialektscheide ist, daß aber gerade die nördliche Westprignitz für eine andere Gruppe von Lauterscheinungen und auch von Einzelwörtern mit Meckl. zusammengeht, und zwar im Gegensatze zum südlichen Hinterlande? Wir könnten ver- sucht sein, diese Ubereinstimmungen wiederum historisch zu erklären, indem wir an- nehmen, daß sie ein letzter Rest größerer Spracheinheit aus der Zeit vor der Festlegung der heutigen politischen Grenze seien: es ist ja wahrscheinlich, daß dieser Teil der Pri. von Ansiedlern derselben Herkunft kolonisiert worden ist wie Meckl., auch hat ja dieser Teil der Pri. zeitweilig zu Meckl. gehört, wie noch früher umgekehrt der angrenzende Teil von Meckl. zur Pri.
Aber auch ohne Annahme von gleichartiger Besiedelung oder zeitweiliger poli- tischer Zusammengehörigkeit ließe sich m. E. eine Erklärung dafür finden, daß im nörd-


