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grenzen sein können, und stelle fest, daß die politische Grenze, die Mecklenburg und Brandenburg trennt, auch ihre Mundarten scheidet.
Ist es möglich, aus einem so klaffenden Widerspruch herauszukommen?
Ich meine allerdings, daß es einen Ausweg gibt, und ich meine, daß dieser Ausweg den Meyer-Parisschen Standpunkt mit dem Groeber-Horningschen zu vereinigen imstande ist. Ich meine, daß beide Auffassungen zu Recht bestehen, daß sie sich aber beide mit- einander vertragen, daß die Meyersche Auffassung es mit dem Ursprünglichen, Primären, Übergeordneten zu tun hat, die Groebersche aber etwas Sekundäres, der Zeit und oft auch der Bedeutung Nachgeordnetes berührt. Mit dem Primären meine ich die sprachgeschicht- liche Erscheinung, die man Lautbewegungen nennt, mit dem Sekundären aber die Einflüsse, die diese Lautbewegungen hemmen, stören oder doch modifizieren, Einflüsse, die ihren Ausgang von Verkehrszentren nehmen.
Die Lautbewegungen beginnen zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Gebiet, breiten sich aus, erlahmen; aber so weit sie wirken, wirken sie ausnahmslos, wenn eben nicht andere Kräfte störend eingreifen, so daß man sie auch Lautgesetze genannt hat. Diese Lautbewegungen können allerdings keine Mundartengrenzen abgeben, denn es wäre ein reiner Zufall, wenn sich zwei von ihnen in ihrem Ausbreitungsgebiet deckten. Sie sind auch, da sie ganz allmählich erlahmen, eine der Ursachen der fusion insensible des parlers. Sie stoßen sich an politische Grenzen gar nicht, und gegenüber physikalischen nur an Gebirge; ja, ich könnte eine Reihe von Beispielen dafür anführen, daß sie sich nicht einmal um die großen Völkergrenzen kümmern, die zwei Sprachen scheiden. Diese Lautbewegungen nun sind identisch mit den traits, phénoménes, caractères linguistiques, die man isoliert voneinander zu verfolgen hat, wenn man nicht Zusammengehöriges aus- einander reißen will.
Die Lautbewegungen können aber nur selten ihren ungestörten Verlauf nehmen. Die Hauptstörung und Hemmung nun bildet die geschichtlich gewordene politische Grenze. Sie übt nachträglich einen modifizierenden Einfluß auf das naturgemäß Entstandene in der Sprache. Die politische Grenze bewirkt zunächst, daß die wirtschaftlichen Interessen der Grenzbewohner auseinander gehen, daß sie je nach den Verkehrszentren, die für die Grenzbewohner der beiden Gebiete maßgebend sind, gravitieren. Nun aber übt die Sprache der Verkehrszentren immer einen Einfluß auf die zugehörige Landschaft aus. In einem Umkreise von vielen Quadratmeilen sind alle Dörfer um Berlin herum hochdeutsch ge- worden; man muß sich weit von Paris entfernen, ehe man überhaupt dialektische Studien treiben kann. Was von den großen Städten gilt, gilt auch in gewissem Umfange von den kleinen. Ich habe in der angeführten Arbeit mehrfach auf den sprachumbildenden Einfluß hingewiesen, den Städte in der Priegnitz auf die nächste Umgebung ausgeübt haben und ausüben(§ 7).
Die Sprache der Grenzbewohner ging ursprünglich gewiß unmerklich ineinander über, die gemeinsamen Züge nahmen erst mit zunehmender Entfernung ganz allmählich ab, und ebenso unmerklich stellten sich neue ein. Die Städte aber breiteten ebenso allmählich, wenigstens in gewissen Punkten, ihre Sprache über die Umgegend aus und schoben sie von beiden Seiten nach der Grenze vor. Liegen die maßgebenden Städte auch nur vier bis fünf Meilen voneinander, so kann eine solche Entfernung doch schon in manchen Punkten deutlich wahrnehmbare dialektische Unterschiede bedingen. Und so kann an der politischen Grenze eine Sprachgrenze entstehen, und ist an der Mecklenburger


