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er die warmherzige Hingabe an alle Personen und alle Aufgaben, die ihm auf seinem Wege begegneten. Ihm dankt er jene Vertiefung und Begeisterung, die ihn ein jedes Problem, ein jedes geistige Gebilde in seinem ganzen Wesen und vollen Umfang erfassen ließ, so daß selbst in der bangen Stunde der Flucht der drängende Streicher erst eine Ode von Klopstock, in die sich Schiller trotz der Gefahr des Augenblicks vertieft hatte, bis zu Ende anhören muß, ehe er den Begeisterten wieder zur Wirklichkeit zurückzurufen vermag. Demselben Ernst entspringt die Vollkraft seines sittlichen Wesens, wie seines dichterischen Ausdrucks, die glühende Schwärmerei, wie das leidenschaftliche Pathos, der Schwung stetigen Fortschritts, wie der Glanz blendender Rhetorik. Und dünkt uns ja einmal Empfindungs- oder Ausdrucksweise gar zu überschwenglich, so liegt das an uns, nicht an ihm. Schiller ist nie anders als echt und wahr gewesen; keiner haßte heftiger als er alles, was nach Schein, Lüge oder Heuchelei aussah. Demselben Ernst verdankt, er endlich die Kraft, Widersprechendes zu vereinigen. So hat er in vielen seiner Balladen antike Anschauungen mit modernen Vorstellungen verschmolzen. So ist er in seinen Dramen zugleich auf der Spur des Griechen und der des Briten fortgeschritten. So hat er in seiner Gedankenlyrik bewiesen, daß auch er es verstand, Dichtung und Wahrheit zu innigem Bunde zu einen. Als Beethoven den Feind seines Lebens und seiner Kunst, die Taubheit, langsam heranschleichen sah, da sprach er das heroische Wort:„Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen.“ Mit ähnlicher Willenskraft hat Schiller den Tücken des Schicksals getrotzt. Im Hinblick auf die fühlbaren Bildungslücken der Ver- gangenheit tat er das herkulische Gelübde, Versäumtes nachzuholen. Im Hinblick auf die drohenden Leiden der Zukunft spannte er die geistige Kraft aufs äußerste, damit „die Qual erlahme“ an seinem sittlichen Ernst. Schiller, der den Hymnus an die Freude dichtete, wie Beethoven, der ihn in Töne setzte, sie sind Titanen im Reiche des Sitt- lichen.— So tief sein Ernst, so treu war sein Glaube. Zunächst an Gott:„Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, wie auch der menschliche wanke“, so lauten seine Worte des Glaubens. Ferner an die Freundschaft:„Ihm konnte den mutigen Glauben der Hohn des Tyrannen nicht rauben.“ Weiter an die Menschheit:„Seid umschlungen Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt.“ Ihn beseelte die innige UÜberzeugung vom Siege des Guten, von dem Triebe und von der Kraft der Menschheit, sich stetig zu ver- vollkommnen, von der Berechtigung einer ewigen Hoffnung:„Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.“ Er ist ein Optimist im umfangreichsten und tiefgreifendsten Sinne des Wortes. Selbst in jenen vergänglichen Stimmungen der Resignation, denen der oft enttäuschte Sterbliche trotz allem Glauben immer wieder einmal ausgesetzt sein wird, rief er sich zu:„Du hast gehofft, dein Lohn ist abgetragen, dein Glaube war dein zu- gewogenes Glück“. Am festesten aber wurzelte in seinem Wesen der Glaube an sich selbst.„Du mußt glauben, du mußt wagen“, so ruft er sich zu. Kaum ist er je trotz der herbsten Enttäuschung an seinem Dichterberuf ernstlich irre geworden. An ihn hätte Goethe denken können bei den Worten:„Mut verloren, alles verloren“. So dachte auch Schiller. Das gab ihm einen fast seherischen Blick in die Zukunft seines geistigen Schicksals. Als ihm der Erbprinz von Augustenburg ein Jahresgehalt von tausend Talern auf drei Jahre aussetzte, beschloß Schiller, Kants Philosophie zu studieren, um nach Ablauf dieser Zeit mit geklärten künstlerischen Anschauungen zur Dichtkunst zurück- zukehren. Nach drei Jahren war er fertig und dichtete die Macht des Gesanges, die Ideale, den Spaziergang und zahllose andere Gedichte. Als er durch seine Professur


