Aufsatz 
Schillerrede, gehalten am 9. Mai 1905
Entstehung
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schaften bis ins reifere Leben hinein. Es gehört dazu ein fester Wille und ein treues Gemüt. Beides hat Schiller bewiesen. Scharffenstein war jener Offizier, der bei Schillers Flucht auf der Wache am Eßlinger Tor zufällig nicht zugegen war. Hoven hat er sich bemüht als Kollegen nach Jena berufen zu lassen. Mit Conz hat er noch elf Jahre nach seiner Flucht Schulerinnerungen ausgetauscht. Den treuen Streicher lernten wir bereits kennen. Es folgt der Körnersche Kreis. Während des persönlichen Verkehrs mit diesen vier treuen Wesen schrieb er das Lied an die Freude. Es verwandelte sich ihm in dieser Stimmung halb zu einem Hymnus an die Freundschaft, und er preist den, dem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein. In derselben Zeit und Stimmung gestaltete er das Gemälde von der Freundschaft des Königssohns Don Carlos und seines Roderich Marquis Posa. Zu Freunden gewinnt er die jüngeren Männer Wilhelm von Wolzogen und Wilhelm von Humboldt. Auch seine Verleger Goeschen und Cotta werden seine Freunde. Goeschen schreibt einmal über ihn:Ich habe nur wenige Menschen so geliebt als diesen. Die Krone aber setzt allen diesen Verhältnissen der Bund mit Goethe auf, dem wir jenen Briefwechsel verdanken, um den uns die Völker dieser Erde mit, Recht bewundern und beneiden. Auch Goethes Freundschaft reichte weit über das Grab hinaus. Als Schiller einst beklagte, wie so viele Ideale der Jünglingsjahre sich nicht. verwirklichten, da nahm er die Freundschaft aus. Daß die Treue kein leerer Wahn sei, hat er persönlich erfahren und bewiesen. Ein ebenso treuer Begleiter ist ihm der Begriff der Freiheit. Dem gegen seinen und der Eltern Willen in eine fremde Lauf- bahn und pedantische Zucht eingepreßten Jüngling erscheint die Freiheit zunächst ganz persönlich als das individuelle Recht der Selbstbestimmung. Im Taumel von Sturm und Drang verzerrt sich dieser Wunsch zum Wahn des Räuberliedes:Ein freies Leben führen wir, ein Leben voller Wonne. Nur leise klingt diese Jugendstimmung später noch einmal im Reiterlied in Wallensteins Lager wieder an:Der Soldat allein ist der freie Mann. Schnell hebt sich ihm der Begriff der Freiheit in edlere Regionen. Im Carlos ruft Posa dem König zu:Sir, geben Sie Gedankenfreiheit. Die Geschichte des Abfalls der Niederlande und des Dreißigjährigen Krieges wird ihm zur Geschichte des Kampfes um die Glaubensfreiheit. Durch seinen Wilhelm Tell wurde er der Ahnherr unserer deutschen Freiheitsdichter. Vor allem aber vertritt er die sittliche und metaphysische Freiheit, die Freiheit des Willens, der Vernunft.Der Mensch, so sagt er,hat die Freiheit des Raub- tiers hingegeben, um die edlere Freiheit des Menschen zu retten.Des Gesetzes strenge Fessel bindet nur den Sklavensinn, der es verschmäht.Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und wär' er in Ketten geboren.Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, vor dem freien Mann erzittre nicht.Freiheit der Vernunft erfechten, heißt für alle Völker rechten. So heißt es vom Menschen im Gegensatz zu allen andern Geschöpfen: Und allein durch seine Sitte kann er frei und mächtig sein. Es war danach, ob- gleich ein gründliches gegenseitiges Mißverstehen vorlag, nicht unbegreiflich, daß ihm die Vertreter der französischen Republik und die Anbeter der Göttin der Vernunft zu seiner Freude das Bürgerdiplom zu übersenden beschlossen, wenn ihn auch schnell genug vor denSchinderknechten in Paris ekelte. Endlich faßt er den Begriff der ästhetischen Freiheit. Sinnlichkeit übt Zwang und unterliegt dem Zwang, der Gedanke macht frei. Erhebt sich die Materie zum Ausdruck des Gedankens, so wird sie anderen Gesetzen untertan und von den physischen Gesetzen frei. Schönheit ist Ausdruck der Freiheit in der Erscheinung. Wie haben sich die Vorstellungen von Freundschaft und Freiheit