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verhaltenen Wehs. Was fehlt der Frau? Ihr Vater, der Löwenwirt Kodweisz, hatte nach ihrer Verheiratung sein Vermögen verloren. So wurde sie das drückende Gefühl nicht wieder los, nun auch die Sorge für ihre Eltern dem Gatten noch aufgebürdet zu haben. Ihr Mann aber diente im Felde an der Seite der Franzosen und hat den Friedrich zum ersten Male in die Vaterarme genommen, als der Kleine ein halbes Jahr alt war. Das alles hat der Frau dauernd etwas Versorgtes und Unfreies gegeben und ihr das Gepräge der Demut und der Wehmut aufgedrückt. Als sie nach den bösen Monaten der Trennung den flüchtig gewordenen Friedrich endlich wiedersieht, bricht sie in Tränen aus, nicht aus Freude, nicht aus Rührung, nein aus Schmerz über die nach wenigen Stunden wieder bevorstehende Trennung, ein weiblicher, weinerlicher Till. Selbst als der Sohn ihr später manche Sorge abnahm, hat er geklagt, das nutze nichts, sie mache sich doch gleich wieder neue Sorgen. So wachen also an des kleinen Friedrich Bettchen Liebe und Sorge. Sie sind die beiden ersten und ältesten Mächte, die sein ganzes Leben beherrscht haben.—
Zunächst die Liebe. Die er gefunden, wie die er empfunden. Allen voran die Mutterliebe. Man hat behauptet, Schiller sei nicht, wie Herder, ein„mütterliches Kind“ gewesen. Sicher nicht! So wenig wie ein Muttersöhnchen. Aber gehangen haben Mutter und Sohn aneinander mit der ganzen Innigkeit ihres Wesens. Eine „berühmte Frau“ war sie nicht. Die geringfügige Rolle, die die Mutter in des Sohnes Dramen spielt, kann schon allein es beweisen. Aber ihr körperliches Ebenbild war er. Ihr weiches Gemüt hatte er geerbt. Ihr dankte er die ersten biblischen Erzählungen. Sie war in seinen Fluchtplan eingeweiht. Als der Wagen den Flüchtling an der Solitude vorüberführte, wo er das Elternhaus wußte, da entrang sich seinem Munde der bange Seufzer:„Meine Mutter!“ Mit ihr traf er nach Jahresfrist im Pfälzischen Posthause zu Bretten, hart an der Württemberger Grenze, in dunkler Nacht zusammen. Für sie sorgte er in späteren Jahren. Und als sie krank war, stattete er Christophine mit Geldmitteln aus, um zu ihrer Pflege in die Heimat zu reisen. Das führt uns zur Schwesterliebe. Der„Fine“ danken wir die ersten Aufzeichnungen über den Fritz. Mit rührender Sorgfalt beobachtet sie die Entwickelungsstufen des Knaben. Sie begleitet die Mutter auf jener nächtlichen Fahrt nach Bretten. Sie verläßt, um die Mutter zu pflegen und den Bruder zu beruhigen, den Gatten und eilt auf Monate von Meiningen gen Stuttgart. Sie hat den Fritz überlebt, um jahrelang in wehmütiger Freude mit, anzusehen, wie das deutsche Volk ihren Bruder liebt und ehrt. Treue Schwesterliebe hat ihm dieses edle Herz gewidmet. Es folgt die Gattenliebe. Er hatte„hohe Begriffe von häuslicher Freude“. Lotte von Lengefeld hat ihm geleistet, was er gehofft. Mit unendlicher Liebe und Rücksicht hingen die Gatten, wie die Eltern und Kinder aneinander. Einmal schreibt sie dem Geliebten:„Es ist nicht Liebe, wenn man sich nur ein schönes Bild in der Seele entwirft und diesem selbst alle Vollkommenheiten gibt, sondern dies ist Liebe, Menschen so zu lieben, wie wir sie finden, und haben sie Schwachheiten, sie aufzunehmen mit einem Herzen voll Liebe.“ So hat seine Lotte ihn geliebt. Zahllos sind aber auch die Liebesbeweise, die ihm von Fremden zuteil wurden. Man denkt an das gutherzige Ehepaar Hölzel, an den jungen treuen Baggesen, an den edlen Prinzen von Augustenburg, an viele andere.— Neben der Liebe aber stand die Sorge, die er gemacht, wie die er gehabt. Zunächst war es die Sorge um den Beruf. Er wollte Theologe werden. Da es auf der Schule, in die der Herzog ihn zwängte, dafür keine Vorbereitung gab, so wählte er die Jurisprudenz zum Studium. Ihre Trockenheit befriedigte ihn nicht, er ging zur


