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immer mit Dankbarkeit gedacht und ihr eine große Förderung ſeiner Entwicklung zugeſchrieben. Im frohen Kreiſe der Altersgenoſſen bei Kinderſpielen werden wir uns den jungen Heinrich nicht zu oft vorſtellen dürfen. Denn wenn er aus der Schule heimgekehrt war, wurde er ſofort vom Vater als Hilfsarbeiter in Anſpruch genommen; er mußte Spulen machen und das mußte mit großer Sorgfalt und Accurateſſe geſchehen, denn liederliche Arbeit ahndete das ſtrenge Familienoberhaupt mit der Schärfe und Nachdrücklichkeit, welche die Wichtigkeit dieſer Vorarbeit gebot. Erſt wenn dieſer häus⸗ lichen Pflicht genügt war, durfte er an ſeine Schularbeiten denken. Abends, namentlich Sonntags, las er, als der dazu geſchickteſte, aus der Bibel, dem einzigen Leſebuch des armen Mannes, vor, und wo den Kindern ein Wort unverſtändlich war, da half die Mutter aus, der er ein ſicheres Ver⸗ ſtändnis der Bibel nachrühmte. Drum hat er ſpäter auch immer behauptet, daß die Sprache Luthers und der alten Geſangbücher dem Volke nicht nur heilig, ſondern auch ſehr wohl verſtändlich ſei, und ſich energiſch gegen die moderniſierende Verballhornung unſerer ſchönen alten Kirchenlieder, die dem gemeinen Manne ans Herz gewachſen ſeien, ausgeſprochen. Die Theologen, ſchalt er dann, verſtänden die alte Sprache nicht mehr. Zur Erklärung füge ich hier bei, daß ſeine Familie— was mir ſehr charakteriſtiſch erſcheint— zu den Altlutheranern gehörte.—
Inzwiſchen iſt der Knabe im Herbſte 1859 in das Friedrichs-Gymnaſium zu Gumbinnen als Freiſchüler aufgenommen worden, wohl infolge der Fürſprache ſeines oben erwähnten Lehrers. Er rechtfertigt die Empfehlung ſeines Gönners, erwirbt die Achtung ſeines Direktors Arnold, die pekuniäre Unterſtützung der Friedensgeſellſchaft in Gumbinnen und wird ſo ſehr frühe, auch durch wohlfeile Nachhilfeſtunden, unabhängig von der Familie, die mit Recht in ihm ihren Stolz erblickt. Des Spulenmachens iſt er nun überhoben, ſtatt ſeiner müſſen die jüngeren Brüder dem Alten fronen, und er kann ſich nun ſeinen Studien widmen. Ein hochtönendes Wort, aber hier wohl am Platze. Womit iſt er nun als Sekundaner und Primaner beſchäftigt? Daß er viel über den Alten geſeſſen, Grammatik und Lexikon gewälzt habe, hat er oft in Abrede geſtellt. Von den Schularbeiten nahm ihn der deutſche Aufſatz am meiſten in Anſpruch; jedes Thema ſpornte ihn zu umfangreichem Stud ium in den ihm zugänglichen Bücherſchätzen, namentlich der Friedensgeſellſchaft, an. Kein Wunder, daß er ſtets eine erſte Cenſur erzielte. Dieſe Arbeiten genügten ſeinen Anforderungen auch noch als Direktor und oft hat er ſeinen Schülern daraus vorgeleſen, um ihnen ein Muſter der Bearbeitung zu geben. Dies beweiſt für eine hohe Reife des jugendlichen Geiſtes, denn es war nie leicht ihn bezüglich der Dispoſition und des Ausdruckes zufrieden zu ſtellen und in ſeinen Aufſatzheften fanden ſich Correkturen aus ſpäterer Zeit nur ſehr wenige. Noch mehr Zeit und Muͤhe verwandte er aber auf einen andern Gegenſtand. Man wird vermuten: auf die Mathematik. Hatte er nicht ſchon in der Elementarſchule eine ſeltene Begabung für dieſe abſtrakte Wiſſenſchaft bekundet? Aber dieſe Ver⸗ mutung, ſo nahe ſie liegt, geht irre. Warum wurde er kein Mathematikus? Antwort: weil ſeine Begabung keine Nahrung fand. Mathematiſche Bücher waren damals noch ſehr ſelten und ſehr teuer. Was ihm die Schule an mathematiſcher Belehrung bot, nahm er auf und eignete er ſich an, aber über dieſes beſcheidene Maß hinaus konnte er nicht dringen, weil ihm alle Möglichkeit dazu fehlte. Dagegen lagen die Verhältniſſe für einen anderen Wiſſenszweig weſentlich günſtiger: es ver⸗ einigten ſich viele Umſtände um die Geographie zu Matzats Lieblingsſtudium zu machen. Der land⸗ ſchaftliche Sinn, der jedem innewohnt, fand in der reizloſen Umgegend von Gumbinnen keine Befriedigung, um ſo lieber ließ ſich die Phantaſie nach ſchöneren Gegenden entführen, nach der Alpenwelt, die Schillers Poeſie noch verklärte, nach dem meerumfloſſenen England, nach dem ſonnen⸗ verbrannten und damals noch ſo rätſelvollen Afrikäa. An geographiſchen Werken war ihm vieles erreichbar, wiſſenſchaftliche Publikationen mit wichtigen Meſſungen, ſtatiſtiſchem Material. Sein großes Zeichentalent, dem väterlichen Gewerbe nahe verwandt, und ſeine mathematiſche Begabung wieſen ihn auf die Kartographie. Und endlich war die Erdkunde ein Feld, das noch faſt ganz brach lag und das, mit Fleiß und Umſicht beſtellt, reiche Früchte verſprach: wer hier etwas Bedeutendes leiſtete, der zog hinter Ritter und Kiepert noch immer die Augen der Welt auf ſich. Denn er war gewillt ſich einen Namen zu machen. So entſtanden denn eine Reihe ſchöner Karten in ſo großem Maßſtabe und ſo fein ausgeführt, daß ſie ihm noch ein Menſchenalter ſpäter zur Demonſtration in der Klaſſe dienen konnten. Ich erinnere mich ſehr wohl einer Höhenſchichtenkarte von England, einer großen Alpenkarte und ich habe auch eine Karte von Afrika geſehn,„entworfen und gezeichnet von Heinrich Matzat“, fertig zum Stich. Sie ſind für einen Schüler jedenfalls ſehr bedeutende Leiſtungen,


