Aufsatz 
Heinrich Matzat. Eine biographische Skizze
Entstehung
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Heinrich Matat. Eine biographiſche Skizze.

Nr. eln

Vorwort.

Dieſe biographiſche Skizze iſt Matzats Freunden und Verehrern gewidmet, nicht der Nachwelt, welche den perſpektiviſchen Hintergrund und die plaſtiſche Rundung vermiſſen würde. Die Haupt⸗ quelle, aus der ſie gefloſſen iſt, iſt die Erinnerung. Es galt mehr den ſich herzudrängenden Schatten zu wehren, als ſie zu beleben. Viele Seiten des ſeltenen Manns ſind gar nicht berührt, z. B. die politiſche nicht, die pädagogiſche iſt nur obenhin geſtreift, denn in die Tiefe und Breite zu gehen, verboten Zeit und Ort; vollends ſeiner Bedeutung als Gelehrter gerecht zu werden, dazu hätte es faſt ebenſo vieler Jahre bedurft, als Wochen zur Verfügung ſtanden. Der Kritik hat ſich der Ver⸗ faſſer im ganzen enthalten, ſchon weil ſie mit ſeinem Zwecke unvereinbar war: es lag ihm daran einen Umriß zu zeichnen, in den die dankbare Erinnerung jedes Einzelnen die ihm an dem Verſtorbenen beſonders werten Züge ſelbſt eintragen ſollte.

Montag den 24. Auguſt 1908, als die Schulglocke das Zeichen zum Schluſſe des Vormittags⸗ unterrichtes gab und die Jugend fröhlich lärmend aus der Schule nach Hauſe ſtürmte, verſchied im oberen Stockwerk des Gebäudes der Mann, der die Schule gegründet hatte, deſſen Auge 32 Jahre lang über ihr gewacht hatte, der zeit ſeines Lebens nichts Beſſeres und Höheres kannte als ein Lehrer zu ſein, und den die gewiſſenhafteſte Erfüllung dieſer Berufspflicht nicht nur zu bedeutenden und bleibenden Reſultaten auf pädagogiſchem Gebiete, ſondern auch in die Tiefen hiſtoriſcher Forſchung und philoſophiſcher Spekulation und zur Entfaltung einer politiſchen Tätigkeit in Wort und Schrift geführt hatte, die ihn zum Lehrer ſeines Volkes erhoben hat: eine Verkörperung des modernen Er⸗ ziehers in einer Vielſeitigkeit, zu der mir die Parallele fehlt.

Heinrich Matzat wurde am 9. Januar 1846 zu Kleinhof⸗Tapiau(Kreis Wehlau, Oſt⸗ preußen) geboren als Sohn eines armen Handwebers. Die Zahl der Brüder wuchs raſch, während ihm eine Schweſter verſagt blieb. Nur bei Beſchränkung auf das Notwendigſte und völliger Aus⸗ nutzung des Vorhandenen war es dieſer vielköpfigen Familie von ſo überwiegend männlichem Charakter möglich den täglich ſich erneuernden Kampf ums Daſein ſiegreich und mit Ehren zu beſtehen. Aber dieſe Enge und Streuge der Armut ward dem Begabten zum Segen: ſie ſchuf den unermüdlichen Fleiß, die Schärfe des Geiſtes, die raſch das Weſentliche erkannte, ſie erzeugte den furchtloſen Charakter und ſeine herzerquickende Kampfesfreudigkeit, ihr verdankt er auch die Grundſtimmung ſeines Gemütes, die Erhabenheit. Was die Armut in Verruf gebracht hat, iſt die Unzufriedenheit; paart ſich aber mit ihr Selbſtbewußtſein wie hier, ſo wirkt ſie Gewaltiges.

Schon in der Elementarſchule tat er ſich durch ſeine Leiſtungen vor den anderen Schülern ſo hervor, daß der Lehrer aus ihm eine beſondere und oberſte Klaſſe bildete, indem er, während er die andercn unterrichtete, ihn mit ſchwierigen Aufgaben beſchäftigte, die über das Lehrziel der Schule hinausgingen. So erzählte er öfters mit großer Befriedigung, daß er den Beweis des Pythagoräiſchen Lehrſatzes ohne Hilfe des Lehrers ſelbſtändig gefunden habe. Ueberhaupt hat er der Elementarſchule

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