Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Tertia der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

dem man geſtoßenes Wermutkraut und gemahlenen Eiſenocker beigemiſcht hat. Das Wermutkraut verleiht ihm den bitterlichen Geſchmack, der Eiſenocker die rote Farbe. Man will es dadurch für Speiſezwecke unbrauchbar machen(denaturieren). Denn auf der Tonne Speiſeſalz ruht eineindirekte Steuer von 120 Mark, während ſeine Herſtellung ſelbſt nur gegen 30 Mark koſtet. Das Viehſalz hingegen ſoll ſteuerfrei ſein.

23) Wie gewinnt man Kochſalz?

Es wird hauptſächlich durch Abbau der Steinſalzlager gewonnen. Iſt dieſes rein genug (es kommt dann in farbloſen, durchſichtigen Würfeln vor), ſo wird es einfach zu Kochſalz gemahlen. Iſt es mit anderen Mineralien durchwachſen, alſo unrein, ſo laugt man das Ge⸗ ſtein durch Waſſer aus, läßt die Verunreinigungen abſetzen und verarbeitet die darüber ſtehende Salzlöſung(Sole) weiter. Man laugt es auch durch die an manchen Orten natür⸗ lich aus der Erde ſprudelnde Sole aus. Oder man verarbeitet die natürliche Sole unmittel⸗ bar. Iſt ſie nicht hinreichend konzentriert, ſo läßt man ſie überGradierwerke laufen. Hierbei verdunſtet viel Waſſer, und manche in der Sole außer Kochſalz enthaltenen ſchwerer löslichen Stoffe ſetzen ſich alsDornſtein ab. Dieſiedewürdige Sole wird in großen Pfannen eingedampft, wobei ſich wiederunm zuerſt einige ſchwerer lösliche Stoffe alsPfannen⸗ ſtein abſetzen. Bei weiterem Eindampfen ſcheidet ſich das Kochſalz in kleinen Würfeln an der Oberfläche der Sole aus. Dieſe bleiben gewöhnlich hier kurze Zeit hängen. Und beim langſamen Tieferſinken ſetzen ſich an ihren oberen Ecken und Kanten neue Würfelchen an, ſo daß ſich die Hohlpyramiden bilden, welche bei genügender Schwere zu Boden fallen und dann herausgeſchaufelt und getrocknet werden. Je niedriger beim Eindampfen der Sole ihre Temperatur iſt, deſto größer werden die Kryſtalle, und man erhält Feinſalz, Mittelſalz oder Grobſalz.

24) Woraus beſteht Kochſalz?

(Die Unterſuchung ſoll darauf gerichtet ſein, ob es aus einem Metall und einem Säurereſt beſteht.)

Beim Erhitzen des Kochſalzes bemerken wir nichts von einer Zerſetzung. Hierbei zer⸗ ſpringen zunächſt die Würfel mit kniſterndem Geräuſch. Dies kommt daher, daß ſie beim Auskriſtalliſieren aus der Sole meiſt ein wenig von dieſer mechaniſch einſchließen. Das ſich beim Zerkniſtern bildende feine Pulver ſchmilzt bei weiterem Erhitzen und verflüchtigt ſich ſchließlich.

Leitet man den elektriſchen Strom durch eine Kochſalzlöſung, ſo wird am negativen Pole Waſſerſtoff frei, und am poſitiven Pole entwickeln ſich kleine Bläschen eines grünlichen Gaſes, welches anfangs noch von der Flüſſigkeit aufgenommen wird und dieſelbe grün färbt. Wenn die Flüſſigkeit mit dem grünlichen Gaſe geſättigt iſt, ſo entwickeln ſich gleichgroße Mengen beider Gaſe. Das grünliche, erſtickend riechende Gas heißt Chlor E(lement, Cl, Atomgewicht 35,5).

Chlor iſt kein Metall.

25) Iſt Chlor der geſuchte Säurereſt?

Dann muß es ſich mit Waſſerſtoff zu einer Säure vereinigen laſſen. Da bei der Elektrolyſe der Kochſalzlöſung gleiche Mengen beider Gaſe frei werden, ſo miſchen wir ebenfalls gleiche Mengen derſelben miteinander und entzünden dies Gemiſch. Die Gaſe ver⸗ einigen ſich unter Exploſion zu einem farbloſen, ſauer ſchmeckenden Gaſe, welches von Waſſer kräftig aufgenommen wird, ſo daß es ſogar mit der Feuchtigkeit der LuftNebel bildet. Jene gasförmige Säure heißt Chlorwaſſerſtoffſäure oder Salzſäure(vgl. Frage 27).

Die käufliche Salzſäure iſt Waſſer, welches mit dem Salzſäuregas geſättigt iſt. Aus der ziemlich konzentrierten Säure entweicht dieſes Gas ſchon bei gewöhnlicher Tempe⸗ ratur und bildet mit der Feuchtigkeit der Luft die Nebel(Rauchen der Salzſäure). Bei höherer Temperatur gibt die Salzſäure noch mehr von dem Gaſe ab, jedoch nicht alles.

Metalle verbrennen ebenfalls in Chlor, d. h. ſie verbinden ſich mit ihm zu ſalzſauren Salzen: Chloriden. Kupferchlorid iſt blau, Zinkehlorid farblos. Dieſe Chloride ſind in Waſſer gut löslich. Aus der Löſung kriſtalliſieren ſie beim Verdunſten derſelben aus.

Chlor iſt der Säurereſt der Salzſäure.

2