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Sſtreich:„Mir kam es für unſre ſpäteren Beziehungen zu Gſtreich darauf an, kränkende Erinnerungen nach Möglichkeit zu verhüten, wenn es ſich ohne Beeinträchtigung unſrer deut⸗ ſchen Politik thun ließ. Der ſiegreiche Einzug des preußiſchen Heeres in die feindliche Haupt⸗ ſtadt wäre für unſre Militärs natürlich eine befriedigende Erinnerung geweſen, für unſre Politik war er kein Bedürfnis; in dem öſtreichiſchen Selbſtgefühl hätte er gleich jeder Abtre⸗ tung alten Beſitzes an uns eine Verletzung hinterlaſſen, die, ohne für uns ein zwingendes Bedürfnis zu ſein, die Schwierigkeit unſrer künftigen gegenſeitigen Beziehungen unnötig ge⸗ ſteigert haben würde.... In dieſer Erwägung lag für mich ein politiſcher Grund, einen triumphierenden Einzug in Wien, nach Napoleoniſcher Art, eher zu verhüten als herbeizu⸗ führen.“ Und endlich über die Zukunft:„Unſer Anſehn und unſre Sicherheit werden ſich um ſo nachhaltiger entwickeln, je mehr wir uns bei Streitigkeiten, die uns nicht unmittelbar be⸗ rühren, in der Reſerve halten und unempfindlich werden gegen jeden Verſuch unſre Eitelkeit zu reizen und auszubeuten, Verſuche, wie ſie während des Krimkrieges von der engliſchen Preſſe und dem engliſchen Hofe und den auf England geſtützten Strebern an unſerm eignen Hofe gemacht wurden, indem man uns mit der Entziehung der Titulatur einer Großmacht ſo erfolgreich bedrohte, daß Herr v. Manteuffel uns in Paris großen Demütigungen ausſetzte, um zur Mitunterſchrift eines Vertrages zugelaſſen zu werden, an den nicht gebunden zu ſein uns nützlich geweſen ſein würde. Deutſchland würde auch heut eine große Thorheit begehen, wenn es in orientaliſchen Streitfragen ohne eignes Intereſſe früher Partei nehmen wollte als die andern, mehr intereſſierten Mächte... Unſer Intereſſe iſt, den Frieden zu erhalten, während unſre kontinentalen Nachbarn ohne Ausnahme Wünſche haben, geheime oder amt⸗ lich bekannte, die nur durch Krieg zu erfüllen ſind. Dem entſprechend müſſen wir unſre Po⸗ litik einrichten, d. h. den Krieg nach Möglichkeit hindern oder einſchränken, uns in dem euro⸗ päiſchen Kartenſpiele die Hinterhand wahren und uns durch keine Ungeduld, keine Gefälligkeit auf Koſten des Landes, keine Eitelkeit oder befreundete Provokation vor der Zeit aus dem abwartenden Stadium in das handelnde drängen laſſen.“
Sie haben gehört, verehrte Anweſende, wie in allen dieſen Beiſpielen ein Wort und ein Begriff immerfort wiederkehrt: die Eitelkeit, welcher es nicht genug iſt, mächtig zu ſein, ſon⸗ dern welcher es vom allem darauf ankommt, mächtig zu erſcheinen, welche alſo nicht nach dem Sein, ſondern nach dem Schein ſtrebt. Das iſt kein wahres, ſondern nur ein ſcheinbares Intereſſe: an ſeiner Verfolgung iſt Napoleon l und ebenſo auch Napoleon III zu Grunde gegangen.
Gegen eine andere Art von ſcheinbaren Intereſſen hat Bismarck bei den Friedens⸗ unterhandlungen von 1866 anzukämpfen gehabt. Sſtreich hatte den Frieden angeboten. Bismarck ſagt darüber:„Öſtreich trat aus dem deutſchen Bunde aus und war bereit, alle Einrichtungen, die der König[Wilhelm!] in Norddeutſchland treffen werde, vorbehaltlich der Integrität Sachſens, anzuerkennen. Dieſe Bedingungen enthielten Alles, deſſen wir bedurften, freie Bewegung in Deutſchland... Am 23. Juli fand unter dem Vorſitze des Königs ein Kriegsrat Statt, in dem beſchloſſen werden ſollte, ob unter den gebotenen Bedingungen Friede zu machen oder der Krieg fortzuſetzen ſei. Eine ſchmerzhafte Krankheit, an der ich litt, machte es notwendig, die Beratung in meinem Zimmer zu halten... Ich trug meine überzeugung dahin vor, daß auf die öſtreichiſchen Bedingungen der Friede geſchloſſen werden müſſe, blieb aber damit allein; der König trat der militäriſchen Mehrheit bei. Meine Ner⸗ ven widerſtanden den mich Tag und Nacht ergreifenden Eindrücken nicht, ich ſtand ſchweigend auf, ging in mein anſtoßendes Schlafzimmer und wurde dort von einem heftigen Weinkrampf befallen. Während desſelben hörte ich, wie im Nebenzimmer der Kriegsrat aufbrach. Ich machte mich nun an die Arbeit, die Gründe zu Papier zu bringen, die m. E. für den Frie⸗ densſchluß ſprachen, und bat den König, wenn er dieſen meinen verantwortlichen Rat nicht annehmen wolle, mich meiner Amter als Miniſter bei Weiterführung des Krieges zu entheben. Mit dieſem Schriftſtück begab ich mich am folgenden Tage zum mündlichen Vortrag... Ich entwickelte dem Könige an der Hand meines Schriftſtücks die politiſchen und militäriſchen Gründe, die gegen die Fortſetzung des Krieges ſprachen. Sſtreich ſchwer zu verwunden, dauernde Bitterkeit und Revanchebedürfnis mehr als nötig zu hinterlaſſen, mußten wir ver⸗ meiden, vielmehr uns die Möglichkeit, uns mit dem heutigen Gegner wieder zu befreunden,


