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Es bedürfte vor allem der Herstellung von Reservoirs, um das jetzt sofort abfliessende Regenwasser zu Berieselungszwecken zu sammeln, und der Anlage und Instandsetzung zahlreicher Bewässerungskanäle; denn die jetzigen Anlagen sind weit davon entfernt, die Quellen der kostbaren Feuchtigkeit völlig zu erschöpfen.„Die meisten landwirtschaftlichen Anlagen haben dort das Gepräge orientalischer Bequemlichkeit; trotz aller Geldgier der Bewohner fehlt die Thatkraft und fehlt aber auch die nötige Volkszahl, um die gewährten Vorteile der Natur vollständig in Empfang zu nehmen.“¹) Welcher Verbesserungen der Ackerbau in Iran unter einer weisen Verwaltung fähig ist, hat der Statthalter von Kaschan im Anfange unseres Jahrhunderts gezeigt, indem er innerhalb elf Jahre durch die Anlage von 150 Kariz und Kanälen den Ackerbau seines Bezirks so hob, dass die auf 400 000 Pfund Sterling sich belaufenden Kosten der Anlagen aus dem Ertrage des Landes selbst erhoben werden konnten. 2) Was hier geschehen ist, könnte an viele anderen Gegenden Irans mit weniger Kosten zustande gebracht werden.
Im übrigen könnte noch viel gethan werden, um dem Lande zu neuer Blüte zu verhelfen. Der Wohlstand des Volkes würde sich schon durch die Befreiung von dem furchtbaren Steuerdruck, der jetzt den Bauer zu ewiger Armut verdammt, gewaltig heben. Dann könnte durch thätige Ansiedler die Ausfuhr einer grossen Anzahl von persischen Erzeugnissen mit der Zeit bedeutend gesteigert oder neu begründet werden. Tabak, Reis, Wolle der verschiedensten Art, Baumwolle, Seide, Ricinusöl, Südfrüchte, Farbstoffe, Schwefel und Salze könnte das Land in beliebiger Menge liefern und ausführen. Aller- dings müsste der Verkehr nach Europa erleichtert werden, der jetzt hauptsächlich auf den langen und unsicheren Karawanenwegen über türkisches Gebiet stattfindet, da Russland den Durchgang nicht duldet. Vielleicht ist von der Eröffnung des Karun-Flusses für die Schiff- fahrt einige Erleichterung des Verkehrs zu erwarten. Auch der Wein, welchen Persien produziert, wäre ein Ausfuhrartikel nach Europa, sobald man imstande wäre, diesen auf europäische Art herzustellen. Wenn Persien und andere Teile Irans auch nicht mehr fähig sein dürften, aus sich selbst heraus eine durchgreifende Besserung der Zustände herbeizuführen, so ist doch eine solche durch thatkräftige, nachdrückliche Eingriffe von aussen her bestimmt zu erwarten. 3) Wann wird aber die Zeit kommen, dass ein zucht- volleres Regiment ins Land einzieht? Es können noch viele Jahre darüber ins Land gehen; die Zeit kann auch bald kommen, da der sittliche Degenerationsprozess der augenblick- lichen Herren des Landes die Eingriffe von aussen von Tag zu Tag erleichtert. Man kann es im gewissen Sinne für gleichgiltig halten, wer diesen Einfluss ausüben wird, ob Russland allein, das seinen Beruf für die Erziehung der asiatischen Völker so glänzend bewiesen hat, oder ob es diese Rolle mit England teilen wird; in jedem Falle wird dem Fortschritt der menschlichen Kultur auf das beste gedient sein. ¹)
¹) Pohlig, Köln. Zeitung 1887, 4. Juli. ²) C. Ritter, 9. T., S. 34. ³) Pohlig, Köln. Zeitung 1887, 1. und 4. Juli. ⁴) Tietze, Zeitschr. für Geogr., Wien 1885, S. 568.
Dr. Wilhelm Gotthardt.


