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stand des Hilmend und aller Flüsse eingewirkt, welche den Hamunsee speisen. Bellew, welcher 1872 in den Ländern zwischen Indus und Tigris reiste, berichtet, der See habe sich in drei unbedeutende Wasserflächen, den See von Furrah-Rud, den See des Hilmend und den Zirreh-Sumpf aufgelöst. Und Major Lovett!) will 1874 am Fusse des Kuh- i-Chwajah, welcher in den nördlichen Teil des Hamun hineinreicht, konstatiert haben, dass das Wasser des Seees seit dem Jahre 1842 um 10— 12“ infolge der Dürftigkeit der Wassermassen, welche die Flüsse brächten, gesunken sei. Nach neueren Nachrichten scheint wieder, besonders 1887, eine neue Anschwellung des Seees eingetreten zu sein. ²)
Füllte nun etwa der Hamun mit Beginn der historischen Zeit das grosse Seebett, das durch ein steiles felsiges Ufer deutlich markiert wird? Gewiss nicht; der Hamun ist in geschichtlicher Zeit niemals etwas anderes gewesen als eine mit Rohr bestandene La- gune. Die volkreichsten und ältesten Städte des einstigen Reiches von Seistan standen auf dem Bett des einstigen Seees; es ergiebt sich dies aus dem Vorhandensein ihrer Ruinen, welche sich nicht an den Wüstenrändern befinden, welche einst den Seerand bildeten, son- dern in dem abgetrockneten Bette des Seees selbst, meist am Rande des jetzigen Sumpfes oder längs der in ihn einmündenden Flüsse. 3) Gleich dem Hamunsee sind auch andere Seeen Irans Wasserstandsschwankungen ausgesetzt. Der für gewöhnlich abflusslose Abista- dasee im östlichen Afghanistan stieg Ende der Siebziger Jahre so gewaltig, dass er zum Fluss Aghese überfloss. Auch der See von Sultanabad in Persien schwoll zu Anfang der Achtziger Jahre stark an. ¹) Die Schwankungen im Wasserstande des Urmiaseees werden aber nicht bloss durch klimatische Ursachen, sondern auch durch Besiedelungsverhältnisse und die damit in Zusammenhang stehenden Bewässerungsverhältnisse bedingt. Für einen ehemals höheren Wasserstand dieses Seees auch in historischer Zeit fehlt nach A. Rodler jeder geologische Beweis, wie ihn etwa vorhandene Terrassen und andere Flutmarken bieten könnten. 5) Auch die Wasserabnahme des Chus River, dessen trockenes Bett, wie Chanikoff6) erwähnt, auf eine lange Strecke die Wüste Lut durchzieht, hat man wohl einerseits mit seiner starken Benutzung zu lrrigationen, andererseits mit dem durch das Vorrücken der Wüste erhöhten Verdunstungsprozess in Verbindung zu bringen gesucht. Oder sollte man an eine Schwächung des Flusses durch Menschenhand in der Art denken, dass man seine Zuflüsse abgelenkt habe, eine Sitte, der Chorassan, wie Ferrier!) mit- teilt, so viele trockene Flussbette verdankt?
Sind es nun die Menschen gewesen, welche die Städte zerfallen liessen und die Brunnen und Wasserleitungen vernachlässigten, sodass dem Ackerbau der Lebensnerv ab- geschnitten und durch seine Vernichtung der zunehmenden Trockenheit Vorschub geleistet wurde, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen. dass aus den Ruinen vergangener Jahr- hunderte neues Leben erwachse und aus ihrem Schutte neue Kultur erblühe, wenn nur die Bewohner andere werden wollten, und dem Lande eine bessere und gerechtere Re- gierung beschert würde.
Die gegenwärtige Lage Irans, vor allem Persiens, ist keineswegs so hoffnungslos, wie viele glauben. ³) Ungeachtet gewaltiger Versunkenheit und Barbarei bewahrt das Volk die unverwüstlichen Keime orientalischer Entwicklungsfähigkeit in sich, welche nur gewisser günstiger Umstände bedürfte, um Produktionen hervorzurufen, wie sie der Orient von jeher gebar. 9) Mag der Boden Persiens, welcher der J'ummelplatz so vieler Völker- schaften im Laufe der Jahrtausende gewesen ist, in mancher Beziehung erschöpft sein, so dass z. B. von edelen Metallen und Steinen nicht mehr allzuviel zu hoffen ist, ¹⁰) so ist doch der Grund und Boden, wo nicht unbrauchbare Wüste und wildes Gebirge liegt, von genügender Fruchtbarkeit; er bedarf nur der Schonung und Pflege. Um dem Lande den Reichtum wiederzugeben, den es schon einmal besessen, müssten die vorhandenen Wasser sorgsam gehütet, oder wo sie im Verborgenen fliessen, mit aller Energie gehoben werden.
¹) Journal etc. 1874, S. 146 ff. ²) Dr. R. Sieger, Die Schwankung der Hochiranischen Seeen, S. 47. 3) Globus 1877, S. 172. 4) E. Brückner, UÜber Klimaschwankungen. Geogr. Abhandlungen, herausgeg. von Penck, Bd. 4, Heft 2, S. 99. ⁵) Peterm. Mitt. 1889, Litteraturbericht Nr. 679. 6) Mémoire, S. 170. ⁷) Ca- ravan, S. 139. ⁸) E. Stack, Six Monthe in Persien, Verh. d. Gesells. für Erdk. 1883, S. 192. ⁹) C. Ritter, 9. T., S. 5. ‧0) Pohlig, Köln. Zeitung, 30. Juni.


