Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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damals allenthalben Wassermangel fühlbar war. ¹) Auch aus der Natur der Beckenaus- füllung wird man in Iran auf die lange Dauer eines Klimas während der Diluvialzeit schliessen dürfen, das dem jetzigen ähnlich war. 2)

Wem haben wir nun die offenkundigen Zeichen der rückschreitenden Kultur Per- siens und anderer Gebiete Irans zuzuschreiben? Wir glauben uns hier vielen Gelehrten gegenüber in derselben Lage zu befinden wie Columella(I, Einleitung) zu den Römern seiner Zeit, denen seine tadelnden Worte galten:Oftmals höre ich die Vornehmsten unseres Staates bald die Unfruchtbarkeit der Felder anschuldigen, bald eine schon lange Zeit hindurch den Früchten schädliche Verschlechterung des Klimas; einige auch die vor- genannten Klagen gleichsam durch eine gewisse Begründung mildern, indem sie meinen, der durch allzugrosse Fruchtbarkeit früherer Zeit ermüdete und erschöpfte Boden könne nicht mit der ursprünglichen Freigebigkeit den Sterblichen ihre Nahrung spenden. Ich halte für gewiss, dass diese Gründe weit von der Wahrbeit abliegen, vielmehr glaube ich, dass dies durch unsere Schuld geschieht. Wie also der römische Schriftsteller die Römer für die Unfruchtbarkeit ihres Landes verantwortlich macht, so messen wir in unse- rem Falle den Bewohnern Irans die Schuld zu. Es ist, wie auch C. Ritter(8. T., S. 818) hervorhebt, der sich gegenwärtig geltend machende grosse Mangel an Energie bei den Bewohnern, welcher einzelne Teile Irans so ungastlich gemacht hat. Das Gesagte bestätigen auch die Worte Th. Fischers, eines auf dem Boden der Mittelmeerländer heimischen Gelehrten. Er scbreibt: ³)Namentlich in Sizilien drängt sich unabweisbar die UÜberzeugung auf, dass aut den drei südlichen Halbinseln Europas und mit ihnen auch Kleinasien der Gang der Weltgeschichte das entscheidende Moment bei der jetzt bestehen- den, im Orient noch immer wachsenden Verwahrlosung ist, dass sich nicht die Natur ge- ändert hat und ändert, sondern die Menschen. In der That ist das jetzige Volk der Perser eine heruntergekommene demoralisierte Menge. Die Regierung hat das Ibrige dazu beigetragen. Die Despotie, welche auf den Bewohnern lastet, scheint mit Schuld daran gewesen zu sein. Der gesellschafthche Zustand des Volkes ist ganz zerrüttet; Unsicher- heit des Eigentums wie des Lebens allgemein.

Den gesellschaftlichen Verbältnissen entsprechend ist der Zustand des Landes. Der Wohlstand ist aus dem Lande geschwunden, da ihm der Friede, die Sicherheit, das Glück fehlt. Überall liegen die Zeichen der Zerstörung, Erpressung, der Tyrannei und Ver- ödung vor Augen, welche durch die dem Kulturlande so nah gerückten Wüsten noch er- höht wird. L)ie Heerstrassen, welche in anderen Ländern als Linien der Kultur und des Wohlstandes Leben durch die Völker verbreiten, veröden in Persien mehr und mehr. Die Bewohner ziehen sich überall von den Karawanenstrassen, wo es immer möglich, in schwer- zugängliche Bergthäler zurück, um den herrschaftlichen Requisitionen zu entgehen, durch die sie bei allen kriegerischen und friedlichen Durchzügen aufs härteste gedrückt und oft bis auf das Blut ausgesogen werden.¹) Am meisten hat die Vernachlässigung der Sorge um das Wasser geschadet. Bei der berrschenden Anarchie sind antike Brunnen verschüttet worden, und die zahlreichen früher unterhaltenen Wasserstollen sind grösstenteils verstopft oder liegen vollständig zerstört. In ihrer Näbe ist der Ackerbau wie eine verdorrende Pflanze abgestorben, und der Boden ist in Verwüstung zurückgesunken. Wo die Kariz früher fruchtbare Oasen geschaffen hatten, da hat vielfach die Wüste ihr alles Leben er- tötende Herrschaft aufgeschlagen; sie hat die Hitze und Dürre des Klimas verschärft und der Verdunstung zum Übergewicht verholfen Was unter diesen physikalischen Einwir- kungen aus einem Landstrich werden kann, zeigt in trauriger Weise das untere Thal des Hilmend, das vor der Zerstörung durch Tamerlan von Millionen Menschen bewohnt wurde; wo Bewässerungskanäle, deren Spuren noch überall sichtbar sind, das Thal kreuzten und die intensivste Bodenkultur möglich machten. Die jetzt eingetretene Ode ist dann auch nicht ohne Rückwirkung auf die Umgebung gewesen. Ohne Zweifel hat die Luftverdün- nung, welche über dieser vegetationslosen, sandigen Ebene entsteht, auch auf den Wasser-

¹) Fischer, Ausl. 1877, S. 891 ff. Poblig, Köln. Zeit. 4. Juli 1887. ²) Tietze, Jahrb. d. K. K. geol. Reichsanst. 1877, S. 351. ³) Studien über d. Klima der Mitt elmeerländer, S. 42.) C. Ritter, 9. T., S. 16, 897 und 899.

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