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noch zwischen ihm und den feuchten Kistenstrichen am kaspischen Meere besteht. Wie
damals die Divs gegen Ormuzd aufstanden und selbst das Licht der Sterne bekämpft haben
sollen, so verscheuchen noch heute die ewig dort aufsteigenden Wolken jeden heiteren Himmel. Und wenn Strabo(XI. 7. Kap.) auseinandersetzt, dieses Küstenland, das Hyr- kanien der Alten, sei deshalb zu keiner seinem Reichtum angemessenen Geltung gekom- men, weil das Nachbarland voll sei von Räubern, Wanderhirten und Wüsteneien, so ist das heute erst in mancher Beziehung anders geworden, seitdem die gegenwärtige Dynastie ihre Residenz nach Teheran verlegt hat. Von dem Wassermangel des persischen Hoch- landes in der Gegend zwischen Hamadan und Hekatompylon, etwa dem heutigen Damghan, erzählt Polybius direkt. ¹) Er führt bei dieser Gelegenheit(X. 28. 3) auch das bei den alten Persern bestehende eigentümliche Gesetz über die Benutzung der Wasserleitung zur Bewässerung der Felder an, ohne welche also im Altertum ebensowenig wie heute mensch- liche Ansiedelungen in Iran bestehen konnten. Für die Mühe und Arbeit wurden aber die Ansiedler dadurch belohnt und zu ähnlichen Arbeiten aufgemuntert, dass man jedem auf fünf Gencrationen das Terrain zur freien Benutzung überliess, das er durch künstliche Bewässerung der Kultur fähig machte. Während also die Herrscher der alten Perser solche Wasserleitungen gleichsam prämiierten, bieten ihre weniger würdigen Nachfolger auf demselben Boden keineswegs genügenden Schutz, um die Wasserleitungen vor dem Eingreifen Mächtigerer sicher zu stellen, ein Grund mit, dass sich heute jeder Bürger mehr zu thun scheut, als unbedingt nötig ist, da niemand gern für andere arbeitet. 2) Ein grosser Teil des Bodens blieb auch schon im Altertum der Kultur verloren, da in ihm die Anlage von Irrigationen ausgeschlossen war; er wurde von Nomaden in Besitz genom- men. Schon Herodot führte unter den zehn Stämmen der Perser vier Nomadenstämme auf, und in den Büchern der Gesetze, die Platon zugeschrieben werden, wird von der Natur des persischen Landes gesagt, sie sei geeignet kräftige Hirten zu erziehen. ³) Diese heute noch bestehenden Verhältnisse haben also schon lange gewirkt, gewechselt haben allerdings, je nach den Bewohnern und Herrschern, Umfang und Blüte des Kulturlandes, sowie die Ausdehnung des Weidelandes je nach der Richtung, in welcher die Nomaden- stämme wanderten. ¹)
Zu den oben angeführten Urteilen des Altertums über das Klima Irans fügen wir noch einige hinzu. Ende des dritten und fünften Buches erzählt Herodot, die Perser hätten Cyrus bereden wollen, den Schwerpunkt seiner Macht nach fruchtbareren und reicheren Lündern zu verlegen, da habe Cyrus ihnen geantwortet, es sei besser, in einem armen Vaterlande zu leben, als dort, wo Üppigkeit und Reichtum die Völker verweich- liche und unkriegerisch mache. Wie Cyrus, so hielten auch die Perser nach desselben Autors Angaben(I, 171. IX, 122) ihr Land für ein wenig ausgestattetes, von Felsen er- fülltes Gebiet von nicht grossem Umfange. Mit der Beschaffenheit des Südrandes von Iran haben uns die Schriftsteller bekannt gemacht, welche den Rückzug Alexanders be- schrieben haben. Ihre Schilderungen von der Trostlosigkeit und Armut dieser Gegend hat man lange für übertrieben gehalten, bis ihre Darstellungen durch die Nachrichten Pottingers und aller, welche ihm gefolgt sind bestätigt wurden.
Wie konnte es nun geschehen, fragt man mit Recht, dass grosse und blühende Städte, die an persische Pracht und Herrlichkeit erinnern, wie z. B. Persepolis, dessen Trümmer heute in öder Gegend liegen, dort aufkamen? Waren die Bedingungen jener Gegend einst vielleicht besser? Keineswegs; die Bedingungen ihrer Existenz waren künst- lich geschaffene, wie sie es heute noch für die grösseren Städte Persiens sind. Was näm- lich die Kunst aus einer Steppe machen kann, beweist Teheran und seine unmittelbare Umgebung. Beim Anblick derselben wird man begreifen, sagt Polak,³) wie manche Städte Existenz-Bedingungen hatten, deren Boden jetzt kümmerlich ein Dorf nährt.
Aus den Berichten der klassischen Quellen hat sich ergeben, dass das Klima Irans, speziell Persiens, sich seit dem Altertum nicht wesentlich geändert hat, namentlich schon
¹) C. Ritter, 8. T., S. 418, 439, 467.— Tietze, Jahrb. etc., S. 354. 2, Polak, Aus Persien, 1. Bd. Vorwort. 3³) Dunker, Gesch. d. Altert., 4. Bd., S. 567. ⁴) Ausland 1888, S. 1025. ⁵) Mitt. d. geogr. Ges. in Wien, 1883, S. 113.


