Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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Mythus von dem Kampfe der beiden Mächte hat dann mit der Zeit wie alle Mythen einen mehr fasslichen Inhalt angenommen; er ist verwandelt worden in die Sage von erbitterten Kämpfen zwischen lIran und Turan im Anfange der Geschichte. ¹)

Die Kontraste des iranischen Landes sind auch auf die geistigen und körperlichen Kräfte der Bewohner nicht ohne Einfluss geblieben. Die arischen Stämme des Hochlandes haben ihr ursprüngliches Wesen treuer bewahrt als ihre Stammesgenossen jenseits des In- dus. In ein Land gesetzt, dessen Himmel kühler und frischer war, das von scharfen Gegensätzen des Klimas, brennender Sonne und sausend kalter Stürme, des Fruchtlandes und der Wüste erfüllt war, sind sie vor dumpfem Hinbrüten bewahrt worden, sind sie mannhafter und kräftiger geblieben als ihre Stammesbrüder in Indien. ²)

III. Das Klima Irans seit historischen Zeiten.

Bekannt ist der kulturelle Niedergang des Orients. Er springt deutlich in die Augen, wenn man das einst so blühende Kulturleben in jenem Teile der Erde mit dem Vegetieren der heutigen Orientalen vergleicht. Wen macht man aber dafür verantwortlich? Da den Pflegern der heutigen Wissenschaft, als Bewohnern des gemässigten Europas, die Kulturblüte des Altertums bei den jetzigen klimatischen Verbältnissen undenkbar erscheint, so schreiben sie in erster Linie dem Klima die Schuld für den Rückgang der Kulturlän- der des Orients zu; das Klima muss nach ihrer Meinung trockener geworden sein. Es unterliegt keinem Zweifel, dass in einem Lande von dem geschichtlichen Alter Irans das Klima Modifikationen erfahren hat; nur über die Grösse dieser Veränderungen und ihre Ursachen herrscht einiger Zweifel. Viele meinen, die Teile lrans, welche wie das jetzige Persien im Altertum eine so grosse Rolle gespielt hätten, müssten auch physikalisch weit anders ausgesehen haben; die Bevölkerung müsste grösser gewesen sein, und das Land hätte entsprechend mehr kultivierten Boden aufzuweisen gehabt. 3) Fraas meint sogar, Persien sowie die alten Kulturländer seiner Nachbarschaft seien physisch abgelebt, die ge- waltige Woge der Zivilisation, die sich von dem Osten nach dem Westen wälzte, habe eine Einöde hinter sich gelassen, aus der keine Frucht der Natur und Humanität zur Reife gelangen könne. ¹) Für die Verschlechterung des Klimas und die Verödung der alten Kulturstätten bietet nun vielen die Entwaldung jener Gebiete eine willkommene Erklärung. Man behauptet kurzweg, der Mensch habe durch die Verwüstung der Wälder die Ver- minderung der Niederschläge veranlasst, und dadurch sei das Land trockener und unfrucht- barer geworden.

Für Persien dürfte es nun schwer sein, wie Tietze bemerkt, aus zuverlässigen Quellen nachzuweisen, dass die jetzt kahlen Gebirgsketten und öden Hochebenen jemals in historischer Zeit wesentlich anders ausgesehen hätten. Allerdings glaubt C. Ritter (9. T., S. 84) aus der Nachricht des Polybius(X, 28), alles Gebälk des Palastes von Ekbatana sei aus Cedern- und Cypressenhoſz gewesen, den Schluss ziehen zu können, die Landstriche Persiens gegen Kurdistan, welche noch heute mit Wäldern und Gebüschen ge- ziert sind, seien einst mit reicherem Waldstand geschmückt gewesen. Der Schluss ist je- doch irrig, das Holz kann auch importiert worden sein.

Das persische Hochland erscheint schon in den ältesten Sagen im wesentlichen so, wie es heute geschildert wird. Sie scheinen schon den Gegensatz zu kennen, der heute

¹) C. Ritter, 8. T., S. 25. Kiepert, Lehrbuch S. 52. Ratzel, Anthropogeogr. S. 219 ff. Meyer, Geschichte des Altertums, 1. Bd., S. 517. ²) C. Ritter, 8. T., S. 207. Dunker, Geschichte des Altertums, 4. Bd., S. 590. ³) Tietze, Jahrb. d. K. K. Reichsanst. 1877, S. 351 f.) Virchow und Holtzen- dorff, Sammlung wissensch. Vorträge, Ser. XV, S. 19.

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