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Zivilisationen gestanden haben. ¹1) Um die Intensität zu ermessen, mit welcher der Ackerbau. in den Randgebieten Irans betrieben wird, braucht man nur seine Aufmerksamkeit auf die Verteilung der Städte zu richten. Während sie in den dem Ackerbau unzugänglichen Strecken im allgemeinen sporadisch verteilt sind, treten sie am südwestlichen, besonders aber am nördlichen und nordwestlichen Rande sehr zahlreich auf; hier sind sie am Fusse der Gebirge und an den UÜfern vorhandener Flüsse reihenförmig geordnet. Aus diesem Umstande erklärt sich das wiederholt hervortretende politische Übergewicht dieser durch
stärkere Bevölkerung ausgezeichneten Landschaften. Aber zu kräftigen das Ganze um-
fassenden Staatenbildungen ist es kaum gekommen, da die Ausdehnung„der grossen Wüste“
am Südfusse des Elbursgebirges nur eine schmale, wenn auch als Strassenverbindung sehr
wichtige angebaute Zone übrig liess. Nur solche Herrscher oder Dynastien haben auf
kurze Zeit das Ganze zusammenzuhalten vermocht, welche bei der Behauptung ihrer
Herrschaft über Iran eine feste Stütze ihrer Macht ausserhalb Irans hatten. In der Regel aber bestanden wenigstens zwei durch„die grosse Wüste“ getrennte Reiche nebeneinander.
Auch in der Gegenwart herrscht dieser Zustand der Dinge: westlich von der Wüste, aber
über ihre Maximalausdehnung hinausreichend, liegt Persien, auf welches sich heute der
Name lran beschränkt; östlich von ihm und jenseits der Wüste liegen die iranischen
Stammgebiete der Afghanen und Balutschen. ²)
Die grösste Schwierigkeit, welche die Wasserarmut Irans der Pflege des Acker- baues bereitet, wird trotz der sorgfältigsten Irrigationen bei der Ungleichheit der Nieder- schläge niemals ganz gehoben werden können. Der Ackerbau wird aut dem schmalen Streifen, auf welchem die Natur seine Pflege gestattet hat, für immer nicht nur eine müh- same, sondern auch eine gewagte und unsichere Lebensexistenz bilden. Unsicher wird er auch deswegen bleiben, weil die Ackerbaudistrikte stets zu leiden haben durch den Raub, die UÜberfälle und die Plünderungen der kampflustigen Nomaden. Die Oasen am Westrande der Wüste von Kirman haben besonders durch die Raubhorden der Wüste, die Balutschen zu leiden, welche von Osten her angezogen werden. So war es schon zu Marco Polos Zeiten, und so ist es bis heute geblieben. Aus der Wüste Balutschistans be- richtet St. John, dass sich die Nomaden der grossen Wüste aus den Oasen mit Getreide und Datteln versehen, indem sie zur Zeit der Weizenernte im Frühjahr und zur Dattel- ernte im Herbst die Oasen überfallen und sich die nötigen Vorräte rauben. ³) Oft wird ihnen dabei hart mitgespielt; in der Regel bietet ihnen aber die Wüste genügende Schlupf- winkel.
Der Gegensatz der sesshaften und der räuberischen nomadischen Bevölkerung hat sich am Nordrande Irans am schärfsten ausgebildet. Die günstigen Terrainverbältnisse er- klären die Leichtigkeit, mit welcher hier seit Jahrtausenden die räuberischen Stämme vom unteren Oxusthale die persische Grenze überschreiten und jenseits derselben durch ihre Plünderungen und Grausamkeiten den Bewohnern solchen Schrecken einflössen konnten, dass sie hinter den Mauern ihrer Wohnplätze Schutz suchen, sobald sich etwas zeigt, was auf ihr Erscheinen deutet. Diese stete Furcht vor den feincdllichen Angriffen liess die Iranier nicht zur Ruhe kommen. Weil er aber auch in der an Gegensätzen reichen Na- tur seiner Heimat den steten Kampf zwischen Fruchtland und Wüste beobachtete und die Extreme von Hitze und Kälte an sich erfuhr, so glaubte er auch in der Geisterwelt einen unaufhörlichen Kampf sich widerstrebender Naturen voraussetzen zu müssen. Dieses spekulative Prinzip lässt das Avesta in dem Glauben an eine wohlthätige und eine dem Menschen feindliche Schöpferkraft wiedererkennen. Als die helle, Leben und Gedeihen gewährende, wohlthätige Macht erscheint Ormuzd; ihm gegenüber steht Ahriman, der Quell des UÜbels, welcher die guten Schöpfungen durch heisse Sandstürme, Winterfröste, Fieberluft, schädliche Insekten und Schlangen zu vernichten bestrebt ist. Ihm befiehlt Zoroaster entgegen zu arbeiten durch Vertilgung der genannten Tiere, durch Pflanzung von Bäumen, Anlegung von Wasserleitungen, Graben von Brunnen u. s. w. Der uralte
¹) Grisebach. Die Vegetation der Erde, 1. Bd., S. 269. Woeikoff, Zeitschr. für wissensch. Geo- graphie, S. 189. ²) Kiepert, Lehrb. d. alten Geogr., S. 54. ³) Yule, The Book etc., Kap. XVIII.— C.. Ritter, 8. T., S. 729.— Fischer, Die Dattelp., S. 84.


