Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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Salzsee, der von einer Kruste fussdicken Salzes überdeckt ist. Nach Buhse, dem ein-

zigen Europäer, welcher sie auf seinem Wege von Demgan nach Jezd kreuzte, ist sie vollständig pflanzenlos, nur in der Nähe des Nordrandes erblickte er einmal einen einsamen

Halophyten. ¹) Die Wüsten, welche in Afghanistan und Balutschistan noch einmal auf-

treten, zeigen nicht jene unnahbare Ode, aber sie macht die Vegetation, die entweder

keinen Nahrungswert hat oder zu spärlich ist, als dass Viehzucht getrieben werden könnte,

ebenfalls unbewohnbar. Die Bevölkerung der Wüste ist auf Oasen beschrünkt, die mit ihrem Reichtum an Palmen und Orangen die Wüste noch öder erscheinen lassen. Ihre Anlage durch künstliche Bewässerung und ihre relativ üppige Bodenkultur beweisen hin-

länglich, dass an der Entstehung der öden Erdräume weder die Hitze noch die Bodenbe-

schaffenheit, sondern der Mangel an Feuchtigkeit die Schuld trägt.

Durch die Wüstenräume, welche die geographische Mitte Irans einnehmen, hat die Peripherie des Hochlandes eine erhöhte Bedcutung erhalten. Aber auch hier bestimmt die Produktionsfähigkeit des Bodens die Lebensart der Völker. Hier finden sich in Höhen von 2000 2500 m ausgebreitete Tafelstrecken, welche weder zum Landbau noch zu festen An- siedlungen geeignet sind, aber im Sommer vortreffliche Weideplätze bieten; dagegen giebt es Niederungen, die im Sommer vollständig ausdorren und unbewohnbar werden; im Win- ter und Frühling bekleiden sie sich aber mit einer frischen Pflanzendecke. Diese Berg- und Steppenlandschaften können nur Nomaden zu wechselndem Aufenthalt dienen; nur sie finden hier die Bedingung ihrer Existenz.2) Die Gegenden der Nomaden sind verhältnismässig dünn bevölkert, weil die Nomaden ein weites Gebiet zur Ernährung ihrer Herden brauchen. Das durch die Oberfläche des Landes bedingte Nomadentum ist dann durch andere Um- stände gefördert worden. Mancher Bewohner Irans hat den Pflug stehen lassen, da die gänzliche Unsicherheit des Landbaues ihm die Liebe zu demselben raubte, mancher ist auch Nomade geworden, um sich als solcher cher dem despotischen Druck entziehen zu können, der auf den Unterthanen schwer lastet. Aber auch andere historische Vorgünge haben das Nomadentum verstärken helfen. Als die Araber im 7. Jahrhundert Iran eroberten, brachten sie dem eroberten Lande auch die Religion Mohammeds; von Wanderstämmen ausgegangen und den Bedürfnissen des Nomadentums angepasst, wirkte sie mächtig auf die Ausbreitung desselben. Viele der erobernden Araber blieben auch im Lande und setzten hier ihr Nomadenleben fort. Durch die mohammedanische Religion ist der ganzen Volksrasse auch die Raubsucht eingeimpft worden, die vorher kein charakteristischer Haupt- zug des einheimischen dem Ormuzd dienenden Iraniers war. ³) Sechs Jahrhunderte nach dem Eindringen der Araber überschwemmte dann Dschengis-Chan, dem Timur folgte, mit seinen Horden die iranischen Länder und blieb nicht ohne Einfluss auf die Vergrösserung des Nomadentums. Durch ihre grosse Zahl haben die persischen Nomaden mehr als ein- mal bestimmend in die Geschicke Persiens eingegriffen und dem Reiche neue Herrscher gegeben. Auch die jetzt herrschende Dynastie der Kadscharen entstammt einer hervor-

ragenden Tribus der türkomanischen Nomaden. ¹)

Nur wo das Wasser in den Randgebieten nie ganz versiegt, haben sich die Iranier, welche nach den heiligen Uberlieferungen der Perser als Nomaden aus den nordöstlichen Bereichen nach Iran hinaufkamen, angesiedelt, und so sich verwandelnd, eine neue Gestalt des Lebens gegründet, eine Metamorphose, die sich in Iran immerfort wiederholt.

Um die Zeugungskraft des Bodens zu entfesseln, bedurfte es aber ciner heute nicht mehr vorhandenen Energie; es galt die Wasserarmut teilweise zu heben. Die Anlagen künstlicher Bewässerung, wie sie heute noch hier und da in Iran, wo sie nicht zerfallen sind, die Bewunderung der Reisenden hervorrufen, sind Zeugen einer Thatkraft, welche nicht bloss einzelne Menschen, sondern ganze Stämme bescelte, die sich zu gemeinsamer Arbeit verbanden und dadurch die sittliche Ordnung gesellschaftlicher Zustände begrün- deten. Es ist überhaupt eine denkwürdige Erscheinung, dass in dem subtropischen Gebiet, wo der Ackerbau erfunden ward und Jahrhunderte lang blühte, die Wiegen aller antiken

¹) Griseb, die Vegetation der Erde, 1. Bd., S. 425 f. St. John, Peterm. Mitt. 1877. S. 71.

²) Polak, Aus Persien, 2. Bd., S. 93. ³) C. Ritter, 8. T., S. 378. Polak, 2. Bd., S. 90 ff. 4) Droysen, Geschichte der Hellenen, 3. Bd., S. 362.*