Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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Der Saigerungsprozess, von dem wir sprachen, kann oft ein so ausserordentlicher

sein, wenn es dem Winde möglich ist, immer aufs neue umzukehren und die letzten tho- nigen Teilchen der feineren Detritusmassen als Staubwolken mit sich zu führen, dass zu-

letzt nur reine Sandmassen übrig bleiben. Diese wälzen sich dann, vom Winde getrieben, als eine langsame Flut nach bestimmten Richtungen fort, so dass aus kleinen Anfängen grosse Sandwüsten weiter wachsen. Die Sandwüste Balutschistans rückt jedes Jahr mehr nach NO gegen den Argendab vor; manche haben schon zu bestimmen gesucht, wann die Thäler des Argendab und seiner Nebenflüsse eine heulende Wildnis sein werden. ¹) Auch gegen die Uter des Hilmend wird der Sand aus derselben Wüste von Süden heran- geweht und setzt sich auf dem trockenen Ufer nieder. Vielleicht hat ex den Hilmend in seinem Unterlauf nach NW gedrängt, denn er wandte sich nach der Überlieferung ehe- mals nach SW gegen die Depression des Zirreh. ²2) Stärkere Wasserfäden halten die Sandwüste in ihrem Vorrücken auf; werden dieselben aber durch die Anlage von Kultur- oasen entkräftet, so setzt der Sand auch über sie hinweg. Als Feind aller Kultur rückt er auch gegen die Oase vor, die sein Entstehen förderte. Und wenn es ihm gelingt, sie bei vernachlässigter Pflege zu verschlingen, so giebt er darum dem Flusse, der die Oase schaffen half, seine ursprünglichen Rechte nicht wieder, sondern hilft sein Wasser gierig aufsaugen. Aus Iran wissen wir auch, dass der Sand ganze Ortschaften verschüttet. Mitten in der Sandwüste von Balutschistan stand eine grosse Stadt Gumbuz; ihre Ruinen verlieren sich jetzt in dem Sande dieser Wüste. ³) Ein Dorf im Seistangebiet, Mullah Jaffers Heimat, dem Elphinestone in Kabul so viele Nachrichten verdankte, wurde während seiner Abwesenheit mit dem Sande zugedeckt. ¹4) Aus demselben Gebiet wissen wir, dass man von dem Bau der Stadt Tiflak abliess, weil der Sand die Häuser so schnell begrub, wie sie entstanden. 5) Aus dem Gebiet der persischen Wüsten ist Xhnliches zu berichten. Hier scheint der Sand besonders den Westen zu bedrohen. Man sucht daher vielfach die Felder und Dörfer durch hohe Mauern gegen das Sandtreiben zu schützen. Doch kommt es häufig vor, dass ganze Gärten mit allen Maulbeerbäumen in einigen Stun- den vom Sande vergraben werden. 6)

In Bezug auf die Masse des Sandes unterscheiden sich die iranischen Wüsten we- sentlich. Am wenigsten losen Sand scheint die Wüste Lut aufzuweisen. Hier durch- schreiten die Karawanen an einem Tage verschiedene Gebiete; Streifen von Kiesel und Fels wechseln mit kompaktem Salzthon, der auf weite Strecken Lide eigentümliche Be- schaffenheit annimmt, ähnlich einem frisch aufgeworfenen Lande, d essen grosse Schollen bereits zusammengesunken sind. 7) Die grössten Sandmassen sind in der Wuͤste von Balut- schistan angehäuft. Hunderte von Sanddünen erheben sich hier. Die gewaltigsten, deren Richtung von dem herrschenden NW-Wind bestimmt wird, zeigen die Form eines Halb- mondes. Nach Mac-Gregor, welcher diese Wüste für etwaige militärische Unterneh- mungen rekognoszierte, sind diese Halbmonde so gross, dass jeder derselben Deckung für ein oder zwei Regimenter böte.)

Der im Vorstebenden dargelegten Ansicht über die Entstehung des letzten Ober- flächengebildes der iranischen Wüste widerspricht die von Blanford vertretene Mei- nung. Blanford nimmt an, dass die Sandmassen von dem Niederschlage des Meeres herrührten, das noch in der leizten Zeit der Tertiärperiode zum Teil den Boden Irans be- deckte. Für manche Wüsten der Erde mag diese Ansicht zutreffen; aber was die-

sten Irans betrifft, so bält v. Richthofen, der beste Kenner asiatischer Oberflächen-

gebilde, mit Tietze daran fest, dass die subaërischen Agentien in der langen seit dem Verschwinden des Meeres verflossenen Zeit fortwährend thätig gewesen seien, durch chemische und physikalische Prozesse feinere Teilchen und grössere Bruchstücke von den

Felsen loszulösen und durch den Wind und spülendes Wasser in die Becken hineinzu-

¹) Griesbach: Memoirs of the Geological Survey of India, Vol. VXIII, part. I. 1881. Yate, Tra- vels with the Afghan Boundary commission. S. 39 ²) Goldsmid, Eastern Persia C. Ritter, 8 T. S. 182. 3) C. Ritter, 8. T., S. 182.) C. Ritter. 8. T., S. 181. 5) Eastern Pers., 1. Bd., S. 48. 6) H. Schindler, Reisen im südl. Persien, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde 1881, S. 307 und 318.) Bunge, Peterm. Mitt. 1860. 8) Wanderings in Balochistan, S. 157.