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aus erblickt. Oft sind die Schuttmassen von solcher Mächtigkeit, dass kleinere Parallel- erhebungen unter ihrem eigenen Schutt und dem von den benachbarten grösseren Ketten herabgeführten Gesteinsdetritus gleichsam ersticken; oft verraten sie ihre Existenz nur durch das Hervortreten relativ niedriger Gesteinsklippen. Mit der Entfernung von den Abhängen der Gebirge nimmt die Grösse des Detritus ab, bis er gegen die Mitte der sich allmählich verflachenden Depression als fein geriebenes Material in der Form von lösähn- lichem Steppenlehm auftritt.
Durch dieses Streben nach Nivellieren entstehen jene für die Oberfläche Irans so bezeichnenden muldenförmigen Becken, deren Oberfläche nach der Beschreibung von Richt- hofens der Kurve eines zwischen zwei Gehängen schlaff angespannten Seiles nicht unähn- lich erscheint. Den Gehängen zunächst ist der Neigungswinkel am grössten, gegen die Mitte nimmt er gemach ab, bis sich der diesseitige mit dem jenseitigen Abfall in einer Ebene begegnet. Hierhin strebt alles innerhalb des Beckenrandes vorhandene Wasser; oft ist hier ein schlammiger Salzsumpf. Die Versalzung ist eben die Folge der Abfluss- losigkeit der einzelnen Becken. Indem nämlich die Flüsse und Bäche den einzelnen De- pressionen zueilen, um dort ihr Ende zu finden, führen sie auch der Einsenkung das Salz zu, welches ihre Wasser in Lösung enthalten, und es wird der Depression verbleiben müssen, wenn das Wasser verdunstet. Erlahmen aber die Flüsse schon am Rande des Beckens, dann ist es das Sickerwasser, dessen Vorhandensein die verschiedenen Brunnen- grabungen beweisen, welches namentlich im Winter, wenn der Boden durch Regengüsse oder Schneefälle erweicht wird, die löslichen Salze den tieferen Stellen zuführt und hier eine soleche Versalzung der Einsenkungen hervorrufen hilft, dass sich im Sommer die Erde dort, wo die in der feuchteren Jahreszeit sich bildenden Seeen ausgetrocknet sind, mit Salzausblühungen oder mit dicken weissschimmernden Krusten von Salz bedeckt, die in manchen Fällen technisch ausgebeutet werden, wie wir durch Mac-Gregor aus Balut- schistan wissen.
Die Wirkungen des geschilderten Vorganiges sind in Persien um so intensivere ge- worden, als das den Mulden zuströmende Wasser von nicht geringem ursprünglichem Salz- gehalte ist. UÜber einen grossen Teil des Landes, von Armenien her durch Aderbeidschan, dem Südfusse des Elbursgebirges entlang bis nach Chorassan und darüber hinaus ist näm- lich eine Steinsalzformation vertreten, die hier und da sogar in grossen, mächtigen Salz- stücken oberflächlich zu Tage tritt. Hiernach begreift man, dass„die grosse Salzwüste“ sich gerade an der von ihr eingenommenen Stelle befinden muss.
Der Salzgehalt des iranischen Bodens haben andere anders zu erklären gesucht. Die Meinung einiger, dass das Salz durch die Atmosphäre vom Meere herheigeführt wor- den sei, glauben wir bei der Abgeschlossenheit Irans gegen die Meere kaum erwähnen zu müssen. Glaublicher, wenigstens für den, welcher nicht Gelegenheit hat, die innere Struktur dieser Wüstenbecken zu beobachten, hebt Tietze hervor, erscheint die Ansicht Blanfords, welcher die Wüsten und Steppen Irans als Alluvialebenen betrachtet und annimmt, dass ihr Boden durch Absatz aus grossen Seebecken entstanden sei, welche mit dein Ende der Tertiärperiode auszutrocknen begonnen und ihre Salze abgelagert hätten.
Diese wie jene Ansicht bekämpft der auf persischem Boden heimische Geologe Tietze, indem er sagt, wenn Salzefflorescenzen für ehemalige Meeresbedeckung massgebend seien, dann müsste man auch die Ausblühungen der höheren und höchst gelegenen Teile des Plateaus, wie die bei Teheran in mehr als 1000 m, bei lsfahan in mehr als 1500 m Sechöhe oder in den Flanken der Gebirge als diluvialen Meeresboden ansehen. Hierhin konnte aber das Meer nie gereicht haben, da diese Punkte weit über die niedrigsten Pässe der einzelnen Becken emporragen. Die Abhüngigkeit der einzelnen geschlossenen Becken von dem Boden der sie umschliessenden Höhen wird auch dadurch illustriert, dass es im Innern Irans Seebecken giebt, welche wenig oder gar nicht salzig sind, obwohl sie keinen Abfluss haben. So soll der See von Seistan, nach den Untersuchungen Goldsmids, und ein kleiner See bei Dastarjan, westlich von Schiras, nach Blanford, ¹) süsses Wasser enthalten.
¹) Supan: Grundzüge der phys. Erdkunde, Leipzig 1884, S. 378.


