Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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aber selten gelangen sie bei der räumlichen Gebundenheit des Landes über die Grenzem lrans. Oft übt der Wind dabei mit Hilfe des Sandes eine erodierende Wirkung aus. Aus dem Seistangebiet wird uns mitgeteilt, dass der Wind auf genannte Weise sogar in den harten Thonboden lange von N nach S laufende Furchen gezogen hat. 1) An an- deren Stellen hat er seine Kraft dadurch bewiesen, dass er Mauersteine glänzend polierte. ²) Unterstützt wird die Thätigkeit des Windes auf dem verwitterten Boden durch jede Auf- lockerung, sei es durcb das ausblühende Salz, durch Bildung von Harfrost, durch wilde Tiere oder durch den Marsch der Karawanen. Alle diese und ühnlich wirkende Ursachen veranlassen die für Iran charakteristische Staubatmosphäre. Nicht bloss die furchtbaren Staub- und Sandstürme, welche oft in gewaltigen Säulen den Sand himmelwärts empor- wirbeln, so dass sie die Sonne ihres Glanzes berauben und die nächsten Gegenstände nur in schwachen Umrissen, wie in einem Nebel, erscheinen lassen, erfüllen die Luft mit Staub, verschiedene Reisende haben uns auch mit einem anderen Phänomen hekannt gemacht, das ühnliche Trübungen der Luft durch feste Teilchen hervorzurufen pflegt. Nicht selten kann man nämlich in lran die eigentümliche Erscheinung wahrnehmen, dass entferntere Gebirge an ibrem Fusse von einem breiten, weisslichen, nebelartigen Streifen umsäumt sind, welcher das Gebirg von der Ebene zu trennen scheint. Es ist dieses der sogenannte trockene Nebel(brouillard sec), welcher durch eine Menge feiner in der Luft suspendierter Staubteilchen gebildet wird. Pottingers) berichtet aus der Sandwüste Balutschistans, die trockene Atmosphüre babe sich zur Mittagszeit mit dem Flugsande so angefüllt, dass sich die erhitzte Oberfläche der Wüste auf Viertelstunden weit 6 bis 12 Zoll über dem Gipfel der Sanddünen erhoben und den Horizont mit einem alles verdunkelnden Sand- nebel umzogen habe, der in Nase, Mund und Augen gedrungen sei und auf das Gemüt höchst niederschlagend gewirkt habe. Auch Marco Polo⁴) lernte dieses Phänomen auf dem. Wege von Kirman nach Dschiruft kennen; denn die magische Dunkelheit, von welcher er berichtet, ist nach Chanikoff und Oberst Vule nichts anders als ein brouillard sec ge- wesen. 5) St. John) sagt über diesen merkwürdigen Kirmannebel:Nach Sonnenauf- gang bildete sich Nebel; es war kein Tau gefallen, also war auch keine Verdunstung mög- lich; kein Lufthauch erhob sich, und die ganze Wirkung war so wunderbar und vollstän- dig unühnlich jedem andern Nebel; keine Ablagerung von Staub erfolgte, die Luft war dunstig. Im Juli hatte Chanikoff:) in Chorassan wiederholt Gelegenheit den trockenen Nebel zu beobachten. Er verschwand jedesmal nach einem starken Regen. Nach einem solchen Regenfall in der Höhe von 78 mm bedeckte ein erdiger Niederschlag von bei- nahe 1 mm Dicke den Boden des Gefässes, Beweis genug, welch zahlreiche feine Teilchen die Luft dort in der Schwebe zu halten vermag.

Cook und vor ihm Pottinger suchen die Erscheinung durch elektrische Strö- mungen zu erklären.) Chanikoff scheint das Richtige zu treffen, wenn er den sich bildenden aufsteigenden Luftstrom als die Hauptursache des Trockennebels ansieht.

Bei seiner Arbeit führt der Wind, wie schon angedeutet worden ist, gleich dem fliessenden Wasser auch einen Saigerungsprozess aus; er scheidet die Bestandteile nach ihrer Grösse und bewegt sie mit verschiedener Geschwindigkeit vorwärts. Der gröbere eckige Schutt, dessen Grösse vielfach von der Natur der jeweilig die Gebirgsränder zu- sammensetzenden Formationen abhängt, wird selbstverständlich an dem Fusse der sanftge- neigten Hänge der Gebirge zunächst zurückbleiben, wohin ihn seine eigene Schwerkraft oder das seine Bewegung unterstützende Wasser oder Wind von dem Rücken des Gebirges geführt hat. Mächtige Schutthaufen umsäumen nicht allein die persischen Gebirge, sie sind auch am Fuss der Gebirge von Balutschistan eine auffallende Erscheinung.) Sie sind schuld daran, dass viele Gebirge Irans, wenn auch in der That absolut hoch, doch relativ niedrig aussehen, weil man sie von einem an und für sich hochgelegenen Terrain

¹) Bellew, From the Indus of the Tigris, S. 243; Journ. 1874, S. 151. ²) Proceed. of the R. geo- graph. Soc. 1885, S. 162. ³) C. Ritter, Erdkunde, 8. T., S. 721.) Yule, The Book of ser Marco Polo, Kap. XVIII.) Journ. of the R. Asiatie Soc. of Great Brit.& Ireland, Vol. XVIII, Neue Folge, S. 490 ff. 6) East. Pers., 1. Bd., S. 90.*) Mémoire sur la partie méridionale de l'Asie centrale, S. 293 f. 8) Quar- terly Journal, S. 141 f. ⁴⁹) Eastern Persia, 2. Bd., S. 466.

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