Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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Regel zieht ihnen die Kamwlinie eine scharfe Grenze. ¹) Nur hier und da, wo sich ihnen ein Durchlass bietet, gelangen sie auch gelegentlich über diese Linie hinaus, ohne dass es dabei zur Ausscheidung der Feuchtigkeit kommt. ²)

Zu den lokalen Winden des Elbursgebirges gehört auch der warme Südwind, der zuweilen vom Kamm des Elbursgebirges herabstürzend über die südlichen Küstenland- schaften des kaspischen Meeres hinwegbläst. Er weht am häufigsten im Herbst, einigemal auch im Winter und Frühling, wenn das Plateau von Persien mit Schnee bedeckt ist.) Dieser letzte Umstand ist dann wohl mit schuld gewesen, dass man bei der Frage nach der Ursache dieses heissen Windes, ähnlich wie bei der Erklärung des Föhnwindes der Alpen, auf den Gedanken kam, er stamme aus der Wüste und bringe von dort die ihm innewohnende Wärme mit.¹) Nach dem heutigen Stand der Forschung über die Ent- stehung des Föhnwindes haben wir in unserem Falle anzunehmen, dass der heisse Wind Masenderans und Gilans seine hohe Wärme, wie auch seine Trockenheit erst beim Herab- kommen vom Kamme des Gebirges erlangt und sie nicht weiter vom Süden oder Südwesten, wie seine in Rescht gebräuchliche BezeichnungBagdad-Wind anzudeuten scheint, mit sich führt. Die Erscheinungen, unter denen der heisse Wind auftritt, sind dieselben wie beim Föhn. Er schmilzt den Schnee und trocknet die Sümpfe aus. Das Holzwerk der Häuser und die Möbel springen unter seinem Hauch. Alles trocknet so, dass die brenn- baren Stoffe sich rasch entzünden sollen, und man deshalb bei seinem Wehen alles Feuer sorgsam auslöscht.5) Selbst in Lenkoran ist er noch imstande die winterlichen Wetterzu- stände mit rein sommerlichen T'emperaturen zu unterbrechen. Dr. Radde) notierte in dieser Stadt am

5. Dezember 9 Uhr abends+ 10⁰C. NNW schwach, 6. Dezember 7 Uhr früh+ 5 C. SW schwach,

2 Uhr nachmitt.+ 15⁰ C. S0 stark,

9 Uhr abends+ 10,5 C. SW schwach, 7. Dezember 7 Uhr früh+ 5,6⁰ C. SW schwach,

2 Uhr nachmitt.+ 18⁰ C. 80 schwach,

9 Uhr abends+ 12,5°C. SO schwach, 8. Dezember 7 Uhr früh+ 22,16° C. S und SSW.

Um 2 Uhr schlug der Wind nach NNO um, und der abkühlende Gegenwind drückte die Temperatur um diese Zeit auf+ 15 C. herab; am nächsten Tage zeigte das Ther- mometer um 2 Uhr nachmittags bei starkem Nordwest nur+ 5,6⁰ C.

Das innere Hochland von Iran hat auch gleich jéèdem Wüstengebiet die oft ge- fürchteten Wüstenwinde. In der Oase Chabis kann sich nach Khanikoff?) im Sommer niemand ohne Gefahr dem Winde aussetzen, welcher aus der Lut weht; er greift die Atmungsorgane an und erzeugt solchen Schwindel, dass man das Bewusstsein verliert und stirbt. Ohne diesen heissen Wüstenwind, bad-e-simur genannt, der 40 Tage weht, würde aber, wie Konsul Abboté) versichert, in dieser Oase die Dattel nicht gut reifen. Die heissen Winde helfen natürlich in der Nachbarschaft ihres Ursprungs die Temperatur auf erstaunlich hohe Grade erhöhen, wie wir sic oben aus der Oase Chabis, Chur und Tebbes notiert haben. In der Nähe der Oase Chur beobachtete Major St. John eine eigenartige Wirkung des heissen Windes. Zwei Männer wurden auf dem Marsche von dem Samum überfallen und getötet. Als man sie waschen wollte, zeigte es sich, dass sich die einzelnen Glieder lösten.) Der Südwestwind aus derGrossen Salzsteppe droht, wie Major Lovett versichert wurde, zu Mihr, westlich von Sebsewar, durch seine grosse trockene Hitze das Getreide auf den Feldern auszutrocknen. ¹⁰) In der Ebene von Nischapur soll der Wind aus der Wüste angeblich so stark sein, dass er Leute umwerfe und schuld sei, dass Bäume in der Ebene nicht aufkämen. ¹¹) Auch aus den Wüstengebieten des Seistan liegen Nach-

¹) Peterm. Mitt. 1881, S. 51.) Proceed. etc. 1883, S. 67 f.) Annuaire, S. 96. Peterm. Mitt. 1881, S. 51.) C. Ritter, 8. T., S. 674.) Annuaire, S. 96. C. Ritter, 8. T., S. 674.) Peterm. Mitt. 1881, S. 51 f.*) Mémoire etc., S. 210.) Journal 1855, S. 34. Fischer, Die Dattelpalme, Peterm. Mitt. Prgb. 64, S. 55. 9) Yule, The Book of ser Marco Polo., 1. Bd., S. 124. ¹⁰) Eastern Persia, 1. Bd. S. 374. ) Bellew, From the Indus etc., S. 376.