Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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Feuer notwendig wird. ¹) Die Einwohner behaupten, dass ohne diesen mächtigen und feuchten Luftzug die Wüste längst nach NW veiter vorgerückt wäre und ihre Habe be- graben hätte. ²)

Ahnlichen Schutz scheint der fortwährende Wind von Seinnan, wie der in per- sischen Diensten stcehende Telegraphendirektor Schindler berichtet, den Bewohnern dieser Stadt zu bieten. Während er aber Seinnan schützt, begräbt er mit seinem Sandwehen aus NW nicht allein Wasserkanäle, Häuser, sondern sogar Dörfer. Der eben genannte Beamte berichtet auch von einem lokalen Winde im westlichen Teile des Elbursgebirges. Er sagt, bei der Stadt Kaswin wehe fast immer starker Wind, nach dem Teile des Elburs- gebirges, aus dem er komme, bad-i-Qâghäzân, in Kaswin auch bad-i-Meh(Wolken- oder Nebelwind) genannt. ³) Vielleicht steht dieser Wind im Zusammenhang mit dem Wind der Stadt Mandjil, bei welcher das Querthal des Sefidrud durch das Elbursgebirg beginnt. Bei dieser Stadt weht gewöhnlich im Sommer täglich von Mittag bis Mitternacht der be- kannte Mandjil-Nordwind(bad-i-Mandjtl), manchmal mit solcher Stärke, dass Reiter ge- zwungen sind, abzusteigen, um über die Brücke bei der genannten Stadt zu gelangen, und Fussgäünger nur mit weit vorgebeugtem Kopfe und mit grosser Anstrengung langsam vor- wärts kommen können. Man kann bei Mandjil alle Olivenbäume durch ihn nach Süden gebogen sehen. Das Thal des Sefidrud ist sehr eng, und der Wind braust durch dasselbe wie ein Luftzug durch einen gut eingerichteten Rauchfang. Je weiter man im Thale dieses Flusses nordwestwärts kommt, desto schwächer wird der Wind; auf halbem Wege nach Rescht fühlt man ihn kaum. Als Schindler im Juli dort war, wurden grosse Wol- kenmassen thalaufwärts bis in die Gegend von Mandjil getrieben. Hier schlugen sie als feiner Nebel nieder und wurden dann an den Bergen an beiden Seiten des Schahrudthales entlang gejagt, um sich auf höheren Bergketten im Süden wieder als dicke Wolkenmasse zu sammeln. Obwohl die Temperatur in der Umgebung sinkt, wenn der Wind weht, kommt es doch zu keinem nennenswerten Niederschlag, da der Wind in eine höher er- wärmte Region weht. ¹)

Die Temperaturkontraste zwischen dem tiefen Thaleinschnitte des Sefidrud und der Landschaft Djemalabad, welche dic heisseste Landschaft Gilans sein soll, sind auch hier in erster Linie die Ursache des Windes. Hierzu kommt noch, dass kühlere Luft über dem kaspischen Meeroe durch die Offnung in der Küstenkette, welche bis zu 400 m im Meecresniveau herabreicht, den Kontrast verstärkt. Der Einfluss der Erwärmung des iranischen Plateaus auf die Entstehung des genannten Windes zeigt sich deutlich dadurch, dass derselbe gewöhnlich nachts einlullt, um erst mit steigender Sonne wieder einzusetzen.) Im Winter soll der Wind umgekehrt von Süden nach Norden wehen. Wenn dem so ist, so hat das seinen Grund darin, dass in dieser Zeit die Luft über dem kaspischen Meere und dem Küstenlande wäcmer ist als über der Berglandschaft und das Vacuum daher im Norden des Elburs liegt.

Wie an allen grösseren Wasserflächen findet auch an dem Südufer des kaspischen Meeres besonders im Sommer ein regelmässiger Wechsel von Land- und Seewinden statt. Er verdankt seine Entstehung den qurch die verschiedene spezifische Wärme des Landes und des Wassers veranlassten Druckdifferenzen auf dem Lande und auf dem Meere. 6) Mit diesem Spiel der Winde an der Küste hat das in den nördlichen Thälern des Elburs- gebirges ausgebildete Phänomen der Berg- und Thalwinde die grösste Rhnlichkeit.) Die thalaufwärts wehenden Winde sind für die Vegetation der Nordabdachung des Elburs- gebirges von der grössten Wichtigkeit; sie führen die Dümpfe des kaspischen Meeres gegen den Kamm des Gebirges, an dem sie sich durch Abkühlung der aufsteigenden Luftbe- wegung als massige Nebelschichten kondensieren oder zu Wolken geformt lagern. In der

¹) C. Ritter, 8. T., S. 339. ²) Tholozan, Annuaire de la Société Métérol. de France 1885, S. 95. East. Pers., 1. Bd., S. 379. 3) Zeitschr. für Erdk. 1879, S. 119. 4⁴) C. Ritter, 8. T., S. 639. Zeitschr. für Erdk. 1879, S. 121. Annuaire etc. S. 96. Aucher Eloy, Voyages en Orient 1830 1838, Paris, 1843, S. 419. Melgunof, Das südl. Ufer des kasp. Meeres, S. 265.) Annuaire, S. 96. 6) Woeikoff, Die Klimate der Erde, 2. Bd., S. 285. Hann, Handb. d. Kl., S. 106 ff.) Annuaire, S. 95. Proceed. 1883, S. 82. Hann, Handb. d. Kl. S. 201 ff.