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Spiegel des Kaspi sich wie eine Mauer eine gleichhohe und nirgends geteilte Dunstmasse in Form der regelmässigsten Stratus-Wolken unbeweglich lagert, so kommt es sicherlich zum Ausbruche eines von dort berwehenden Sturmes. Die Masse und Dichtigkeit dieser fest lagernden Dunstschicht nimmt allmählich zu. Am ersten Tage erscheint sie niedrig, dünn, nicht ganz geschlossen. Sie wüchst ganz langsam, dehnt sich immer weiter aus, das Auge erreicht nicht mehr ihre beiden Enden, aber sie bleibt niedrig am Horizonte stehen und färbt sich dunkler und dunkler bis zum Bleigrau. Oft braucht sie zu diesem förmlichen Heranreifen 3—4 Tage und dann folgt das anhaltende Unwetter mit Regen und Schnee, mit Sturm und Kälte, dass man unwillkürlich an Sibirien denkt.“
Infolge der sich im Sommer vollziehenden Luftdruckverschiebung herrschen in dieser Jahreszeit die Nordwestwinde aus dem europäischen Russland vor. Sie setzen gleich den Nordost- und Nordwinden ungehindert, oft in Sturmform anhaltend, ein und bringen meistens der unmittelbaren Küstenzone Schaden; im Hochwalde wird aber die Kraft der Winde zu jeder Jahreszeit bald gebrochen. Hieraus erklürt sich nicht allein die Möglichkeit des kräftigen Gedeihens der Citrusarten und des Olbaums an einzelnen Stellen, sondern man begreift auch, wie dieselben Lokalitäten im Sommer am Boden bis 31° C. erhitzt, die schädlichen Miasmen erzeugen, deren Wirkungen sich so deutlich auf den blassen Gesichtern der Bewohner bemerkbar machen. ¹) Das persische Sprichwort hat seinen guten Grund, welches sagt:„Wenn Du sterben willst, dann gehe nach Gilan.“²)
Dass die Winde in Iran auch geologisch Beachtung verdienen, werden wir weiter unten berühren.
2. Die örtlichen Winde.
Zu den klimatischen Eigentümlichkeiten Irans gehören auch mehrere lokale Winde. Sie werden nicht wie jene vorherrschenden Windrichtungen durch die allgemeine geo- graphische Verteilung des Luftdrucks hervorgerufen, sondern verdanken ihre Entstehung örtlich beschränkten barometrischen Unterschieden. Lokale Winde werden demnach in Iran überall da wiederkehren, wo die Konfiguration des Landes der Bildung solcher lokalen Luftdruckdifferenzen günstig ist. Am zahlreichsten scheinen sie im Bereiche des Elburs- gebirges zu sein, sie sind naturgemäss auf der Südseite besonders entwickelt.
Im Sommer ist das leicht erklärlich. Hier ruft die mit steigender Sonne zuneh- mende Erhitzung des Bodens über dem persischen Plateau, besonders aber über der von aller Vegetation entblössten„Grossen Salzsteppe“ eine Luftverdünnung hervor, welche die kalte schwere Luft des noch zum Teil mit Schnee bedeckten Gebirges im Hintergrunde an- ziehen muss. Auch im Winter muss der Gegensatz des ungleichen Luftdrucks fortbe- stehen, da die Winde, wenn auch mit geringer Stärke, auch in dieser Jahreszeit nach den Berichten der Reisenden zu wehen pflegen. Am hekftigsten und gefürchtesten ist der kalte Wind, welcher Schabhrud, Deimola und Demgan, aus dem Norden und Nordosten kommend, trifft. Er ist die Fortsetzung des bad-i-Firuzkuh, des Firuzkuh-Windes, welcher, wie Ouseley mitteilt, den Reisenden zwischen den Schneebergen„die Leber in Stücke schneide“, d. h. sie erfrieren mache. Von demselben gefürchteten kalten Nordwind hörte auch Morier sprechen, und G. Forster konnte sich von seinen Wirkungen überzeugen. Er kündigt sich in der Regel dadurch an, dass er die nördlichen Berge gegen Mesenderans Seite mit einer niedrigen, weissen Wolkenschicht krönt, die, gleich dem berühmten Tafel- tuche, sich vergrössernd die Bergseite hinabrollt. 3) Er weht über die genannten Städte hinweg in die Wüste hinein, dass es unmögiich ist, wie Ferrier ⁴) erzählt, auf dem Pferde zu sitzen; in der Wüste soll er noch auf 300 km Entfernung seine Herkunft verraten. Im Sommer hilft der kalte Wind in der Nacht die Temperatur oft so herabdrücken, dass in Schahrud nach einer Tagestemperatur von 270 C. im Schatten das Anzünden der
¹) Dr. Radde, Peterm. Mitt. 1881, S. 51, 173; Peterm. Mitt. 1885, S. 262. ²) C. Ritter, 8. T. S. 673. 3) C. Ritter, 8. T., S. 483. 4) Caravan, S. 72.


