Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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des Dschingis Chan(1222) und Timurs(1383) vollständig danieder. Die einmal ge- schaffene Trostlosigkeit dieses von Natur fruchtbaren Landstrichs verschärfte dann die Dürro und Ode des Gebiets, welches jetat zum Teil in der Form der Sandwüste auftritt. Uber dieser ungeheuren, vegetationslosen, sandigen Ebene erzeugt mit steigender Sonne bei grosser Lufttrockenheit die starke Insolation eine heisse Luftschicht, die nach ihrem Aufsteigen durch Zuströmen der kälteren, schwereren Luft von den nördlich und nord- westlich davon gelegenen, dann noch zum Teil mit Schnee bedeckten Höhen ersetzt wird. So weht dann im Seistangebiet und Chorasan vom Frühlingsäquinoktium bis gegen den 20. Juli, d. h. ungefähr in einer Periode von 120 Tagen, ein heftiger, schneidend kalter Nordwestwind, Wind der 120 Tage genannt, gegen dessen Kälte sich Mac-Gregor im Juni nachts durch einen Überrock nicht zu schützen vermochte. Der Wind beginnt ge- wöhnlich bald nach Sonnenuntergang, lässt gegen Mittag etwas nach, um dann nach Son- nenuntergang stufenweise seine frühere Stärke wieder zu gewinnen. Seine Wirkungen auf die Natur des Landes sind unverkennbar. In der Ebene lässt er Bäume überhaupt nicht aufkommen. Fruchtbäume, welcher Art immer, könnten auch hier keine Früchte bringen, da der Wind nach dem Urteile Bellews genügt, um die Blüten zu vertrocknen und den Fruchtansatz zu verbindern. Die wenigen Holzgewächse, die jetzt noch vor- kommen, werden, durch ihn beeinflusst, kaum 6 Zoll hoch und kriechen alle in der Rich- tung des Windes auf dem Boden. Nur in geschützten Lagen oder in Gärten, welche durch Mauern gegen seinen Einfluss gedeckt sind, kommen in seinem Bereich Bäume auf. Durch ihre geschützte Lage ist besonders die Schlucht von Anadere bekannt, in welcher die Palme auch nur als Zierbaum gepflanzt und gepflegt wird. Auch die weit westlicher gelegene Palmenoase Tebbes verdankt ihr sehr mildes Klima mehr ihrer nach Norden und Osten vollkommen geschützten Lage, als der geringen Erhebung über dem Meere. ¹)

Der 120-Tagewind hat aber auch günstige Wirkungen. Er mässigt nicht nur die grosse Sommerhitze und macht dieselbe erträglich, er reinigt auch die Gegend von den Sumpfausdünstungen, welche sonst das Land unbewohnbar machen würden.²) Nicht ohne Grund tritt also in dem Religionssystem der Iranier die reinigende Kraft der Winde her- vor.) Mit dem Aufhören des Scistanwindes beginnt dic ungesunde Jahreszeit, Fieber und Durchfälle werden mit schnellem Verlaufe tötlich und sind so heftig, dass sie den Ein- wohnern ein eigentümliches Gepräge aufdrücken.¹) Ursachen und Wirkungen des 120- Tagewindes lassen in ihm ein vollkommenes Analogon des Mistral erkennen, der sein Ver- breitungsgebiet von der Mündung des Ebro bis in den innersten Golf von Genua hat.

Auf den höher gelegenen Teilen von Afghanistan und Balutschistan herrschen die Nordwinde vor, wie aus den Berichten Pottingers und aller derer hervorgeht, welche ihm nachzuwandern den Mut hatten. Sie sind im Winter wegen der eisigen Kälte gefürchtet, mit der sie über das Plateau hinwegfegen. Um sich gegen diesen shomäl bäd zu schützen, legen die Fakirs ihre Wohnungen 3 4 Fuss tief unter der Oberfläche der Wüste an, wie Major Holdich auf dem Wege von Quetta nach Nuschki zu sehen Gelegenheit hatte.5) Auch auf die Anlage von grösseren festen Ansiedelungen hat er Einfluss gehabt; man hat sie meist am Südabhange der Berge, der Seite der Wärme, erbaut. 5)

Es erübrigt jetzt noch Umschau über die Winde zu halten, welche am Süd- und Südwestufer des kaspischen Meeres zu wehen pflegen.

Im Herbst, Winter und Frübling herrschen hier gemäss der oben angegebenen Luft- druckverteilung die Nord- und Nordostwinde vor; im Winter vor allem begünstigt die hier herrschende Auflockerung der Atmosphäre das Zuströmen der Luft aus dieser Richtung.) Die Nord- und Nordostwinde, schreibt Dr. Radde, ¹) kündigen sich vom November bis April fast immer im voraus an. Wenn nach längerer Ruhe, fern hin gegen Osten auf dem

¹) Bunge, Peterm. Mitt. 1860, S. 209, 220. Bellew, From the Indus of the Tigris, 239 f. Eastern Persia, 1. Bd., S. 239, 272, 283. 311, 338. Journal 1874, S. 151; Fischer, Die Dattelpalme, Peterm. Mitt. Ergb. 64,§. 48 f. Yate, Travels etc., S. 98, ²) Eastern Persia, 1. Bd., S. 272.) Justi, Geschichte d. alt. Pers., S. 80.) E. Schlagintweit, Globus 1872, S. 187.) Proceed. 1885, S. 41. 6) Reclus, Nouvelle Geogr. universelle, 9. Bd., S. 84.*) Woeikoff, Zeitschr. für wissensch. Geogr. 1881, S. 189; Die atmosphär. Zirkulation, S. 17.) Peterm. Mitt. 1881, S. 51.