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welche im Juli von SW nach NO in das europäische Russland eingedrungen war, weiter nach O vor, sondern es hält sich auch in Ostsibirien nördlich vom Baikalsee noch immer höherer Luftdruck, welcher für Westsibirien eine Tendenz zu nördlichen Winden hervor- ruft. ²)) Von den beiden Seiten, Norden und Süden, bekommt aber die Luft ein Gefälle gegen den Trog niedrigen Luftdrucks über Iran. Wir treffen deshalb von April bis September an der Südküste lrans den sogenannten Monsunwind mit südwestlicher Rich- tung, da er nach höheren Breiten fliesst. ²) Er ruft wührend seiner Herrschaft in den Häfen der Küste, wie Mac-Gregor von dem Hafen von Passani berichtet, eine heftige Brandung hervor. ³) Im Oktober schlägt dieser Wind um, um die passatische Richtung anzunehmen, welcher die Luftströmungen über dem grössten Tcile Irans das ganze Jahr zuneigen.
5 Ob die örtliche Richtung der Luftströmungen mehr nordwestlich, nördlich oder nordöstlich ist, wird einerseits durch die lokalen Besonderheiten der Luftdruckverteilung, andererseits durch die Plastik des iranischen Plateaus bedingt. In Persien treten die Winde infolge des von NW nach 80 gerichteten Parallelismus der Gebirge das ganze Jahr vor- herrschend als NW-Winde auf. Auf das Vorherrschen dieser Winde in Persien deutet auch die Anlage von Windtürmen; alle sind nordwestwärts gerichtet, um den Wind auf- zufangen und so den untersten Räumen der Wohnungen Kühlung zu bringen. ¹) Diese Winde müssen besonders kräftig sein, da von Kennern der Landesnatur Persiens vorge- schlagen wird, ihre Kraft zum Preiben von Schopfrädern nutzbar zu machen. ⁵)
Im Winter stellt sich auf dem IIochlande von Persien auch oft und plötzlich der Ost- und Nordostwind ein. Beide sind wegen ihrer durchdringenden, tötenden Kälte ge- fürchtet. Sie wehen, wie Ker Porter aus eigener Erfahrung schreibt, so plötzlich und wütend, dass man im Abendlande gar keine Vorstellung davon habe. Sie rauschen die langen Thäler zwischen den Schneegebirgen herab wie Ströme stachelnden Eises, die jede Pore durchdringen, das Blut gefrieren und das Hirn erkalten machen. ⁶) Im südlicken Teile Persiens ringen die Nordwestwinde, besonders im Winter, oft mit den südlichen Winden; es ereignet sich häufig, sagt St. John,?) dass in Buschir der Nordweststurm wütet, wenn in Bender Abbas der südöstliche Wind herrscht.
Über Chorasan, dem Seistangebiet und weiter südlich über Mekran und dem öst- lichen Teil von Kirman wehen die Nord- und Nordwestwinde das ganze Jahr abwechselnd mit ungeschwächter Kraft und jagen ungeheure Sand- und Staubwolken vor sich her. ⁵) Die nördlichen Winde hat man nutzbar gemacht; sie ersetzen seit Alters im Seistan die Wasserkraft und drehen zahlreiche Windmühlen von cigenartiger den Verhältnissen ange- passter Konstruktion; wenn der Wind von Süden kommt, stehen sie still.9)
Das Wehen des Sandes, welcher„gleich einem Flusse vor dem Winde fliesst“, lässt in dem wüstenreichen Teil von Balutschistan den Nordwestwind als den dominierenden erkennen. Die Sanddünen, welche er auftürmt, sind alle nach Nordwesten sanft ansteigend, dagegen zeigen sie auf der Leeseite, wo der Sand nur der Schwerkraft folgt, schroffe Seiten gleich einem Wall von neuen Ziegelsteinen. ¹⁰)
Im Seistangebiet erhalten die Winde von der angegebenen Richtung durch örtliche Verhältnisse mit Beginn der besseren Jahreszeit neue Kraft und Stärke. Dr. Bellew, welcher im Jahre 1872 das ganze Thal des unteren Helmund und die Umgebung des Hamun durchzog, giebt uns in seinen Schilderungen über das Klima dieser Landschaften den Schlüssel zu dieser Erscheinung. ¹11) Das ganze Gebiet liegt seit der Zerstörungswut
¹) Hann, Handb. d. Kl., S. 515, 523. ²) Wagner, Annalen der Hydrographie 1878, S. 395. Hann, Handb. der Kl., S. 282. ³) Mac-Gregor, Wanderings in Balochistan, S. 11. 4) Woeikoff, Die Passate, die trop. Regen und die subtrop. Zone, Gsterreich. Zeitschr. für Met., 1872, S. 184, 188; Die atmosphär. Zirku- lation, Peterm. Mitt. Ergb. 38, S. 26; Geographische Verteilung der Niederschläge, Zeitschr. für wissen- schaftliche Geograpbie, 1. Jabhrg. 1880, S. 189. St. John, Persien nach den Arbeiten der engl. Grenzkom- mission, Peterm. Mitt. 1877, S. 22. Hann, Handb. d. Kl., S. 435. ⁵) Andreas und Stolze, Die Handels- verhältnisse Persiens, S. 9. 6) C. Ritter, 9. T., S. 859 f. ⁷) Peterm. Mitt. 1877, S. 69. 8) East. Persia, 1. Bd., S. 22. 9) Khanikoff, Mémoire etc., S. 165. Proceed of the R. Geogr. Soc. 1885, S. 165. A. C. Yate, Travels with the Afghan Boundary commission, S. 98, London 1887. ¹⁰) C. Ritter, 8. T., S. 721. Mac- Gregor, Wanderings etc., S. 157. ¹¹) From the Indus of the Tigris, S. 239 ff.


