Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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wissen, ¹) am 31. Januar 1872 nachts eine Temperatur von 10 C., am Tage aber stieg sie auf 260 C. Von dem Steigen der Temperatur geben auch folgende Fälle einen Be- grifl. Am Zagenderud, der tiefsten Senke westlich der langen Kohrud-Kette, beobachtete Polak am 5. Oktober um 5 Uhr morgens 3 ½ 0 C. und um 2 Uhr mittags 320° C., also eine Zunahme der Wärme um 28 ½° C. innerhalb 9 Stunden. ²) In demselben Monat stieg in Gawchâneh im südlichen Persien die Temperatur von 6 Uhr früh bis 1 ½ Uhr nachmittags von 3⁰ C. auf 32⁰° C., das ist in 7 Stunden um 290 C. ³) Vielleicht handelte es sich um ähnliche Temperatursprünge, wenn in Maibud, NW von Jezd, im Januar das Thermometer in der Sonne 420 C. zeigte, und gemeldet wird, dass zu Khanu im Rudbar- gebiet in demselben Monat die Leute den Schatten suchten, weil die Hitze lästig wurde. ¹)

Nach dem, was wir über den Wärmegang von Iran mitgeteilt haben, erscheint das Klima von Hochiran entsprechend der Plastik und Erhebung des Bodens als ein ausge- präügtes Plateauklima. Wie dem kurzen und kalten Winter ein langer und heisser Sommer gegenübersteht, so bietet es während aller Jahreszeiten rasche Temperaturwechsel von 200 bis 30⁰ C., indem auf den kühlen Morgen fast unvermittelt ein heisser Tag folgt, bis dann der Abend eine nahezu plötzliche Abkühlung bringt. Die Gegensätze sind um so stärker, da Hochiran von den die Temperaturdifferenzen mildernden Meeren abgeschlossen ist und sich bei der grossen Ausdehnung des Gebiets, in welchem die hauptsächlichsten Einflüsse auf die Temperaturdifferenzen gleich sind, sich summieren und verstärken.)

Trotz dieser Gegensätze nennt der Wiener Arzt Polak das Klima Persiens, das er wührend seines Aufenthaltes daselbst kennen lernte, nicht ungesund. Allerdings, setzt er hinzu, sei für alle, welche nicht in Iran geboren und aufgewachsen seien, eine gewisse Vorsicht nötig. In der Regel lasse man diese aber ausser Acht, man sündige in und ausser den Mauern und pflege dann die unausbleiblichen traurigen Folgen dem ungewohnten Klima allein zuzuschreiben.)

II. Luftdruck und Winde.

1. Die allgemeinen Winde.

Bei der Darstellung der Wärmeverteilung hatten wir wiederholt Gelegenheit auf den sich hierbei geltend machenden Einfluss der Winde hinzuweisen. Ehe wir nun ihre weit wichtigere Mitwirkung bei der Verteilung der Niederschläge betrachten, wird es der genetischen Behandlung der klimatischen Elemente am besten entsprechen, wenn wir im folgenden das zur Darstellung bringen, was über die in Iran herrschenden Winde und ihre Ursächlichkeit bekannt ist.

Die letzte Ursache der Winde ist die ungleiche Wärmeverteilung. Der durch sie modifizierte Luftdruck bildet die Basis für die Erklärung der vorherrschenden Windrich- tungen, während die Schwankungen desselben ein Mass für die geringere oder grössere Stärke der Winde sind. Je grösser sie sind, desto unruhiger ist durchschnittlich das Wetter, desto steiler ist wahrscheinlich der Gradient und desto stärker daher die Winde.*)

In Iran herrscht infolge seiner Seehöhe und Beschaffenheit der Atmosphäre ein geringer Luftdruck. Uberraschend, sagt Khanikoff, ist die Beständigkeit der atmosphä- rischen Depression. Von vergleichbaren Daten, soweit sie den Luftdruck betreffen, liegen nur wenige vor. Für Teheran besitzen wir eine nicht ganz vollständige dreijährige Reihe (1884, 1885, 1886), die folgende mittlere Werte(in Millimetern) zeigt:)

¹) East. Persia, 1. Bd., S. 28. ²) Mitt. d. g. G. in Wien 1885, S. 519.) Zeitschr. f. Schulgeogr. 1887, S. 17. 4) Journ. 1855, S. 50.) v. Richthofen, China, 1. Bd., S. 91. 6) Polak, Aus Pers., 1. Bd., Vorwort.) Supan, Grundzüge der physischen Erdkunde, Leipzig 1884. S. 82.) Herrn Profeſſor Hann ſagt der Verfaſfer für die gülige Mitteilung der in denAnnalen des ruſſiſchen Zentralobfervatoriums nieder⸗ gelegten die Stadt Ceheran betreffenden klimatologiſchen Daten herzlichen Dank.