Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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In Kandahar, in etwas über 1000 m Sechöhe, hat Bellew im Winter 1857/58, dessen Mitteltemperatur er zu 9,4° C. bestimmt, Temperaturen von 150° C. beobachtet. Es wird dort bisweilen so kalt, dass die Rebhühner, wie im Winter 1871, erfrieren. ¹) Neben der mächtigen nächtlichen Ausstrahlung helfen die heftigen und kalten Nordwinde, welche im Winter über den Ostrand des iranischen Plateaus hinwegfegen, die Temperatur zu sehr niedrigen Graden herabdrücken. In Herat beobachtete Bunge ²) Ende Januar 17⁰ C., Khanikoff ³) sogar 180 C. Gleiche Wintertemperaturen( 180 C.) sind auch in der Münzstätte vor den Thoren Teherans konstatiert worden. ¹) Die kalte Jahreszeit, welche Ker Porter in Täbris im nordwestlichen Persien verlebte, verglich er mit einem mässigen Petersburger Winter, den er aus Erfahrung kannte. 5) In der Nacht sank die Temperatur zuweilen auf 20° C.

Solche niedrige Temperaturen können, wenn sie auch selten und von kurzer Dauer sind, empfindlich werden, weil man sich nicht gegen dieselben schützen kann. Zunächst fehlt es an genügenden Heizvorrichtungen, da man sich wegen einer vorübergehenden Unannehmlichkeit nicht in Unkosten stürzen will. Ausserdem ist das Brennmaterial teuer und schlecht. Es besteht bei dem fast vollständigen Mangel an Holz aus Gestrüpp und Wurzeln von verschiedenen Kräutern, wie Artemisien und Astragaleen;) auch hier und da aus getrocknetem Mist.

Auflfallender wie die eben angedeuteten Kältegrade des hochgelegenen Plateaurandes sind die niedrigen Temperaturen, welche uns aus den durch geringe Sechöhe ausgezeich- neten Gegenden Irans gemeldet werden. Die Vegetationsarmut ist eine wesentliche Ur- sache der hier herrschenden kalten Winter, welche durch heftige Regen, Schnee, Frost und schneidend kalte Winde charakterisiert werden. Auf dem Wege aus der Gegend von Bam durch die Wüste nach dem Seistangebiet verlor die persische Grenzkommission durch Kälte verschiedene Kameele. Im Hanum-Becken beobachtete sie am 31. Januar 1872 15° C.;*) alle Mitglieder der Kommission litten unter dieser allerdings abnormen Kälte.

Man hat Iran das Land der Kontraste genannt. Die Wahrheit dieser Bezeichnung wird schon allein durch die Betrachtung des Klimas bestätigt. Iran hat ungemein grosse Wärmeextreme im täglichen wie im jährlichen Temperaturgang. Dieselbe Gegend, welche im Sommer unter einem wolkenlosen Himmel schmachtet, von dem die Sonne mit solch ungeschwächter Kraft hernieder scheint, dass der Boden springt, die Bäche und Flüsse vertrocknen, starrt im Winter weit und breit vom Reife, und ihre Gewässer sind mit festem Eis bedeckt. Die Temperatur schwankt zwischen weiten Grenzen. Die jährliche Wärme- schwankung nimmt von Süden nach Norden zu; von 200 C. und weniger im Süden steigt sie auf 300 C. und mehr im Norden. 8)

Empfindsamer als diese absolute Jahresschwankung der Wärme ist die tägliche Wärmeäünderung. Um eine Vorstellung von ihrer Grösse zu geben, folgen hier einige Andeutungen. Am Urmiasce unter der Breite von Sizilien sank, wie Pohlig mit- teilt,(der Naturwissenschaftler 1887, S. 31, 98) Mitte Mai nachts die Temperatur so, dass die herrlichen Obstpflanzungen durch den Frost verwüstet wurden. Nicht weniger stark muss der Temperaturwechsel in Hamadan gewesen sein, da hier am 4. Juni die Reben an vielen Stellen durch den Frost Schaden erlitten. 9) Temperaturschwankungen von ähnlicher Grösse müssen es gewesen sein, welche anfangs Juni in einem Gebirgspasse zwischen Kirman und Dschiruft und am 31. Juli bei Charkhaneh 8SO von Astrabad das Wasser in der Nacht gefrieren machten. ¹⁰) Als G. Forster 1784 von Ghasni nach Kan- dahar reiste, gefror am 29. September bei nächtlichem Marsch das Wasser in seinem Kupferkessel zu Eis, am Tage aber herrschte drückende Hitze. ¹¹) Im Mekrangebiete, in Bahu Kalat, herrschte, wie wir von den Mitgliedern der persischen Grenzkommission

¹) Bellew, From the Indus of the Tigris, S. 158. Fischer, Die Dattelpalme, S. 50. ²) Peterm. Mitt. 1862, S. 220. ³) Khanikoff, Mémoire etc., S. 211. 4) Polak, Aus Pers., S. 103.) C. Ritter, 9. T., S. 859. 6) Polak, Aus Pers., 1. Bd., S. 64 f.) East. Pers., 1. Bd., S. 252, 256. 8) Supan, Die Verteil. d. jährlichen Wärmeschwankung auf der Erdoberfläche, Zeitschrift f. wissensch. Geographie 1880, S. 141.) Mitt. der geogr. Gesellsch. in Wien 1883, S. 81. ¹⁰) Proceed. of the R. geogr. Soc. 1883, S. 77. Journ. of the R. Asiat. Soc. of Gr. Brit. and Ireland, Vol. XIII, Neue Folge, S. 494. ¹) C. Ritter, 8. T., S. 147.

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