Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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im Juli rösten, wo schon die Frühlingsmonate solche Temperaturen aufweisen, und wo im November noch eine Temperatur von 27,50° C. herrscht, wie der Botaniker Bunge aus der letztgenannten Oase mitteilt. ¹)

Den grössten Teil des Jahres brennt die Sonne sengend auch auf die trockenen, aller Vegetation beraubten Sandmassen im Seistangebiet. Ferrier(Carav. S. 269 und 276) beobachtete hier im Juli 450 bis 480 C. Die heisse Luft wird hier oft so lästig, dass selbst die Eingeborenen das persische Sprichwort citieren:O Gott, da Du Seistan hattest, warum machtest Du die Hölle? Ohne die mildernde und reinigende Kraft des 120- Tagewindes würden die Einwohner nicht existieren können, da hier die Luft wegen des verdunstenden Wassers eine Schwüle zeigt, wie sie in dem übrigen Iran unbekannt ist. In den meisten Teilen Irans fehlt den hohen Sommertemperaturen wegen der grossen Trockenheit der Luft alles Drückende, und man transspiriert so unbedeutend, bemerkt Dr. Stolze, ²) dass man den Eindruck erhält, als wäre es viel kühler. Freilich, fährt derselbe

Gelehrte fort, sobald man aus dem Schatten in die fast senkrechten Strahlen der mit

unvergünglichem Glanze leuchtenden Sonne hinaustritt, bemerkt man, in welch kolossalen Hitzegraden man sich bewegt; und der Europäer, welcher dann seinen Kopf nicht durch einen Hut mit Isolierschicht schützt, ist sicher, sich einen Sonnenstich oder doch mindestens ein heftiges Fieber zuzuziehen.

Von der sommerlichen Glut, vor allem über den tiefer gesenkten Teilen Irans, kön- nen wir uns trotz der oben angedeuteten Schattentemperaturen kein richtiges Bild machen. Die Sonnentemperaturen erfordern aber um so mehr Beachtung, als ihnen die ganze Vege- tation ausgesetzt ist. Um ihnen in dem regenarmen Iran, wo sich ein halbes Jahr kaum ein Wölkchen am Himmel zeigt, trotzen zu können, bedurfte sie, wie wir unten sehen, be- sonderer Schutzmittel. Bei Miandascht westlich von Sebsewar beobachtete Schindler am 8. Juli in der Sonne 60,5° C.;3) bedeutender war die Temperatur, welche Ferrier am Farrah Rud im Juli beobachtete, er sah hier das Thermometer in der Sonne auf 790 C. steigen. Welche Temperaturen aber die Oberfläche des Erdbodens unter der Einwirkung der Sonne annimmt, begreifen wir einigermassen, wenn wir hören, dass Ferrier in der genannten Zeit Eier im Sande sieden konnte, und dass Mac-Gregor auf dem Wege von Khur nach Tebbes beim Stehen die Füsse wechseln musste, um nicht Brandblasen davon zu tragen. Bei solchen Sommertemperaturen erklären sich auch die vielen Augenkrankheiten unter den Bewohnern Irans, die durch schlechte Behandlung und Staub oft unheilbar werden.

Diese eigentümlichen Temperaturverbältnisse haben dann dem ganzen Verkehr seine Eigenart verliehen. In den heisseren Gegenden fällt es keinem Perser ein zu Som- merszeit anders als bei Nacht oder höchstens morgens und abends zu reisen. Der Kara- wanenverkehr fällt fast ausschliesslich in diese Zeit. ¹) Die beste Zeit durch die Wüste zu reisen ist im Frühjahr, da dann die Cisternen voll sind. Auch auf die häusliche Ein- richtung und das Leben im Hause ist das Klima nicht ohne Einfluss geblieben. Um die sommerlichen Temperaturen herabzudrücken, hat man vielfach Windtürme angelegt, welche in den unteren Räumen des Hauses, in welche man sich zurückzuziehen pffegt, eine leb- hafte Luftzirkulation veranlassen. Eigentümlich ist die Gewohnheit vieler Bewohner Irans den grössten Teil des Sommers im Freien auf dem Dache zu schlafen, so dass in der Morgenfrühe das erste Leben auf den Dächern der Häuser erwacht. 5) Da die Luft fast beständig trocken ist, schadet das Schlafen auf dem Dache nicht, nur muss man sich ge- hörig zudecken, um nicht bei der plötzlichen Abkühlung nach Mitternacht vom Fieberfrost geschüttelt zu werden. 6)

Dieselbe hohe Durchlässigkeit der trockenen Luft, welche bei der Höhe des Pla- teaus an den heiteren Sommertagen die intensivste Insolation gestattet, bewirkt im Gegen- satz hierzu in den langen klaren Winternächten eine starke Ausstrahlung. So werden auf dem Hochland von Iran Kältegrade hervorgerufen, die bei der südlichen Lage des Landes für uns etwas Auffallendes haben.

¹) Peterm. Mitt. 1860, S. 214; Tomaschek, Histor. Topogr., S. 578. ²) Peterm. Mitt. Ergb. 77, S. 7.

a) Z. f. Erdk. 1877, S. 229.) Peterm. Mitt. Ergb. 77, S. 7.) Ritter, 9. T., S. 861.) Polak, Aus Persien, 1. Bd., S. 70.