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auch durch das noch bis in den Herbst hinein Schnee tragende Gebirge im Norden be- einflusst. Als Repräsentant der dort liegenden Wohnplätze mag Teheran erscheinen. Hier steigt die Temperatur im Frühling ausserordentlich schnell, wie die folgenden Mittel aus einer dreijährigen Beobachtungsreihe zeigen:
Januar Februar März April Mai
2,90 3,1° 9,2⁰° 14⁰ 19,8°C.
Die Erscheinung lässt sich leicht erklären. Der Boden, welcher weder durch Schnee noch durch übermässigen Regen durchfeuchtet ist, erwärmt sich zunächst ausser- ordentlich schnell, ausserdem wirken die Winde aus der Wüste im Süden und Südosten der Stadt temperaturerhöhend. Wenn die Hitzo im Monat Juni anfüngt unbequem zu werden, dann flieht jeder, der es irgend ermöglichen kann, hinaus auf das Land. Mit Vorliebe sucht die vornehmste Welt Teherans die unmittelbar am Fusse des Schimran Kuh gelegenen Dörfer auf, welche durch Pflege aller aus dem genannten Gebirge kom- menden Rinnsale angenehme Sommersitze geworden sind. Hier erscheint das Eeben in Sommerhäuschen oder Zeltlagern erträglich, ja man vergisst, von der kühlen Gebirgsluft angefächelt, dass man der Wüste kaum entflohen ist. Der Hof residiert dann in grösserer Entfernung von der Hauptstadt in dem Hochgebirge, wo der Schah seiner Lieblingszer- streuung, der Jagd, nach persischer Art andauernd obliegt. ¹)
In der zweiten Hälfte des August beginnt die Hitze in Teheran wieder zu sinken, aber die Sommerfrischler kehren erst im Oktober in die Stadt zurück. ²) Wie jetzt der Schah von Persien im Sommer Teheran verlässt und das Laarthal im Elbursgebirge auf- sucht, so verliessen die Perserkönige mit endendem Frühling ihre Residenz zu Susa, um das kühle, wasser- und waldreiche am Nordfusse des Elwend gelegene Ekbatana, das jetzige Hamadan, aufzusuchen. ³) Die Sommertemperatur soll hier nach Ritters Mitteilungen(9. F. S. 128) nicht über 260 C. steigen. Es ist so gegen andere Städte auf dem Westrande des iranischen Plateaus begünstigt. In Isfahan z. B. steigt die Sommertemperatur auf 370 C.¹). Ahnlich scheinen die Verhältnisse in Schiras zu liegen, für das für die einzelnen Monate folgende mittleren Werte vorliegen:¹)
1884 April Mai Juni Juli Aug. Septbr. Oktbr. Nov. Dez. 1885 Jan. Febr. März 1884/85 9 àb, w. 17,2 25,0 28,3 32,2 28,9 25,0 16,7 11,1 7,2 3,9 5,6 10,6 : Max. 25,0 32,2 36,1 38,9 37,2 35,0 29,4 20,6 14,4 11,7 13,3 20,0 26,1 Mittleres] I; Min. 6,7 10,6 15,0 18,3 16,1 12,8 7,2 4,4 2,2 0,0 0,6 2,8 8,1
In der Nähe der Ruinen von Persepolis sah Dr. Stolze im Juni um 10 ½ Uhr morgens im tiefsten Schatten das Thermometer auf 42° C. steigen. Der Boden war so erhitzt, dass Stolze nur durch stetes Wechseln des Standpunktes das Entstehen von Brand- blasen unter den Füssen verhindern konnte.)
Die bis jetzt erwähnten Temperaturen werden aber in Schatten gestellt durch die Hitzegrade, welche uns aus den tiefer gelegenen, wüstenreichen Teilen Irans vorliegen. Am 5. April beobachtete Khanikoff?) am Schur Rud, nördlich von der Oase Chabis, eine Schattentemperatur von 40⁰° C. Der heisse Wind aus der Wüste Lut, der hier die Datteln zur Reife bringt, hilft auch hier, wie überhaupt in seinem ganzen Bereiche, die Temperatur ausserordentlich erhöhen. Im Kawir Illahabad zwischen Jezd und Tebbes sah Mac-Gregor am 12. Mai das Thermometer auf 46° C. steigen, und als er auf derselben Reise zwei Tage später Chur, westlich von Tebbes, berührte, las er im Zimmer 45° C. von dem Thermometer ab. Auf dem Wege zur Datteloase Tebbes musste Mae-Gregor in einer furchtbaren Hitze wandern, denn die Temperatur der Luft betrug sogar im Schatten 48° C. 8) Es erschien ihm daher wie eine Erquickung, als er am 25. Mai im Tebbes in einem Hause Rast machte, in welchem die Temperatur durch einen Windturm auf 40° C. herabgedrückt wurde.„Wie muss die Hitze in diesen Gegenden Irans erst
¹) Pohlig, Köln. Zeitg. 1. Juli 1887. ²) Polak, Aus Persien, 1. Bd. S. 101. ³) Kiepert, Lehrb. d. alt. Georg., S. 69. 4⁴) Polak, Aus Persien, 2. Bd., S. 153. 5) Osterreich. Zeitschr. f. Met. 1886, S. 371. 6) Verhandl. d. G. f. Erdk. zu Berlin 1883, S. 52. 7) Khanikoff, Mém. etc., S. 211. ⁸) Mac-Gregor, Narrative of a Journey through the province of Chorasan, S. 89, 95, 103, 126.


