Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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Dieses Litoral hat eine klimatisch durchaus abgeschlossene Stellung, es verbindet gleichsam die Wärme des andalusischen Sommers mit einem irländischen Winter und ist daher geeignet, Gewächse aus den kälteren, wie den wärmsten Gegenden Europas aufzu- nehmen.¹) Seine bevorzugte Stellung im Innern des Kontinents wird aber noch ersicht- licher werden durch die folgende Betrachtung der Verteilung der Wärme in Hochiran.

Der Gegensatz des Klimas von Hochiran gegen die vorliegenden Ebenen und Tief- länder tritt überall deutlich zu Tage, von welcher Seite man auch das Hochland besteigt. Kapitän Milles ²) schreibt, sobald man das Germesir verlassen und den Plateaurand er- klommen hat, tritt ein merkwürdiger Wechsel des Klimas ein; von einer drückenden schwülen Hitze auf der einen Seite gelangt man zu kühlen Nächten und kalten Wintern auf der andern Seite. Besonders charakteristisch erscheint die Eigenart Irans, wenn man aus dem Industhale nach Westen zu den Terrassenländern von Kabul, Kandahar und Kelat- heraufsteigt.Hier ist keine schwüle Sommerluft wie am Ganges; reine Alpenluft, euro- päischer Winter mit Schnee und Eis. Alle Beobachter im Lande bestätigen es, dass hier ein merkwürdiger Wendepunkt für die asiatische Landesnatur, dass hier eine natürliche Scheidewand zwischen Ost- und Westasien sei. ³)

Den Engländern verdanken wir die verhältnismässig zahlreichen klimatologischen Daten, welche uns die Beurteilung des jährlichen Temperaturganges über diesem Ostrande des iranischen Plateaus einigermassen möglich machen.

Die in Kabul, Quetta und Kelat angestellten Beobachtungen zeigen folgende Daten der mittleren Monats- und Jahrestemperatur: ¹)

Jahre Seehöhe Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Septbr. Oktbr. Nov. Dez. Jahr. Meter

Kabul 1 2007 0,9 0,1 5,6 11,9 16,4 218 Quetta 5 6 1676 4,1 7,5 11,7 15,6 20,7 23,8 25,8 24,2 19,9 14,4 7,6 5,3 15,0 Kelat 24 2182 2,6 5,8 9,7 13,7 18,1 21,1 22,9 20,4 16,0 11,2 5,1 4,1 12,6

Das rasche Steigen der Temperatur im Frübjahr hängt hier wie an den meisten Stellen im übrigen Iran ausserhalb des Hochgebirges ohne Zweifel mit den schwachen Schneefällen zusammen, weil sich der Boden nach der raschen Schneeschmelze schnell erwärmen kann. In die hohe Frühlingstemperatur mischen sich oft Nachtfröste. In der Höhe von Kabul kommen sie noch weit in das Frühjahr hinein vor und gestatten die Bestellung der Felder erst im Mai. Die Kürze der Vegetationszeit wird aber völlig kom- pensiert Foroh die Sommerwärme, welche hier bei trockener Luft durch die massenhafte Bodenanschwellung des Landes mächtig gesteigert wird. Die erhöhte Insolation erklärt auch die in den hochgelegenen Thälern Afghanistans vorkommende Kultur selbst zärterer und empfindsamerer Pflanzen.)

Wie unsere Tabelle zeigt, ist in Afghanistan und Balutschistan, wo der Monsun nicht mehr herrscht, also das normale Wärmemaximum nicht mehr unterdrückt werden kann, der Juli der heisseste Monat. Die für diesen Monat oben angegebenen Wärme- grade werden aber da noch überboten, wo gerade nach Südwesten geöffnete Thäler den heissen Wüstenwinden Zutritt gestatten. In Kandahar soll in der heissesten Zeit des Sommers die Wärme 36⁰ C., ja zuweilen 430° C. erreichen.

Auch über den Nordrand Irans liegen klimatologische Daten vor. Nach Ferrier (Caravan, 182) crreicht die höchste Temperatur des Sommers in Herat nicht mehr als 28° C., da die Winde aus dem Gebiete des Hindukusch temperaturerniedrigend wirken.) Grösser ist die Wärme des Sommers in Meschhed; doch soll sie auch hier, wie Ritter (8. T., S. 308) mitteilt, in der genannten Zeit 31°) C. nicht übersteigen. Khanikoff er- lebte jedoch hier, dass ihm das Stearin in dem Koffer flüssig wurde, was auf eine Wärme von 65° C. innerhalb des Koffers schliessen lässt.7) Das Klima der Ebene am Südfusse des Elbursgebirges ist sowohl durch die unmittelbare Nähe der Salzwüste im Süden als

¹) Grisebach, Die Veget. d. Erde, 1. Bd., S. 412. ²) Journ. of the geogr. Soc., 1874, S. 170; Ritter. Erdk., 8. T., S. 816. ³) C. Ritter, 7. T., S. 236. 4) Osterreichische Zeitschrift für Meteorologie 1885, S. 293.) Grisebach, Die Veget. d. Erde, 1. Bd., S. 429 ff. 6) Khanikoff, Mémoire sur la partie méridio- nale de l'Asie centrale, S. 127.) Khanikoff, Mémoire etc. S. 211.