Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

anfangs langsam, dann schneller herabsteigt, um im Januar ihren unteren Scheitelpunkt mit 13,9° C. zu erreichen. Auf diese Verteilung der Temperatur sind die Winde von grossem Einfluss, namentlich die im Sommer temperaturerhöhenden NW-Winde Mesopo- tamiens. ¹)

Aus den obigen Daten könnte man schliessen, dass die Sommertemperatur, welche eine relativ niedrige ist, an der Küste weniger lästig sei als im Innern des Landes. An der Küste ist aber die Luft während der heissen Jahreszeit bei vollkommen klarem Him- mel und unverhüllter Sonne doch so mit Feuchtigkeit gesättigt, dass des Nachts regel- mässig ein sehr starker Taufall eintritt, und dass am Tage die leichteste Bewegung ein Ausbrechen des Schweisses über den ganzen Körper zur Folge hat. Buschir ist deshalb nicht ganz mit Unrecht unter den Europäern in hohem Grade verrufen. Nur wenige vermögen dort während der Sommermonate ruhigen Schlaf zu finden und meistens wan- dern sie, von der unerträglichen Schwüle und einem oft den ganzen Körper überdecken- den, mückenstichartigen Ausschlag(prickly; heet) geplagt, den grössten Teil der Nacht schlummerlos auf dem flachen Dach herum, um dann in der Mittagszeit, wo infolge der steigenden Temperatur die Schwüle weniger bemerkbar ist, das Versäumte nachzuholen.

Ganz anders im Innern des Landes. Schon in Tscharkütâh(52 km landeinwärts) macht sich der geradezu furchtbaren Hitze zum Trotz das Abnehmen des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft angenehm bemerkbar, indem besonders die Nächte eine relativ sehr bedeutende Abkühlung zeigen. ²) Zu welchen Hitzegraden die Sommertemperatur in Tscharkütäh steigen muss, geht daraus hervor, dass schon am 29. Mai 1877 folgende Temperaturen beobachtet wurden:

Um 5 Uhr vormittags 23,5° C.

9 27 77 37,40 2) 27 10 77 77 41,6 0 27 1 nachmittags 47,3 0 7) 3 77 77 48,00⁰ 77 77 4 7) 77 45,40 77 77 6 77 27 40,2 9 77

Diese Temperaturen scheinen an andern Plätzen des Germesir noch übertroffen zu werden, denn schon Anfang März wurde in Miri unweit der Küste des Mekrangebietes eine Temperatur von 52⁰ C. im Schatten beobachtet. ³)

Um dem durch Hitze und Feuchtigkeit hervorgerufenen Zustande, der in Bender Abbas durch lokale Schädlichkeiten noch erhöht wird, zu entgehen, verlässt jeder, wer nur irgend wie kann, wie schon zu Kämpfers Zeit, der im 9. Jahrzehnt des 17. Jahr- hunderts in Bender Abbas lebte, im März oder April die unmittelbare Küste; die Reiche- ren, um die kühleren Plätze des Plateaurandes, die Armeren, um die schattigen Gegenden der Dattelhaine aufzusuchen, wo Wasser und wohlfeileres Leben zu haben ist. ¹) Die- jenigen aber, welche zurückbleiben müssen, wissen sich, wie aus Bender Abbas mitgeteilt wird, nicht anders zu helfen, als dass man sich in Wannen mit Wasser oder in Wasser- tröge legt, auch wohl auf benetzten Unterlagen schläft, was natürlich mancherlei Krank- heiten erzeugt. Die Ungesundheit der zuletzt genannten Stadt leitet Kümpfer her von den starken klimatischen Extremen, von der furchtbaren Hitze, von der scharfen und feuchten Kälte vor Sonnenaufgang, von den herrschenden ungemein anfeuchtenden Süd- winden, bei denen Boden und Haut sich mit wässeriger Oberfläche bedeckten; ferner von dem Bad Samum, der in den heissen Nachmittagsstunden selbst ersticken könne, von dem schlechten Wasser, das oft nur gleich einem Schlammbrei, und von den Erdausdünstungen, in denen stets schwefelig-arsenikalische Teile der Fäulnis des Bodens entstiegen.)

¹) Hann, Handbuch d. Kl., S. 433. Die hierher gehörenden Notizen aus: Annalen der Hydrogr. 1889, Heft 5, S. 189 ff. konnten leider nicht mehr Verwendung finden. ²) Peterm. Mitt., Egsb. 77: Stolze u. Andreas, Die Handelsverh. Persiens, S. 7.) Eastern Persia, 1. Bd., S. 135.) C. Ritter, 8. T., S. 743 f. Yule, The Book of ser Marco Polo, 1. Bd., S. 123. Floyer, Unexplored Baluchistan, S. 127. ) C. Ritter, 8. Teil, S. 744..