Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

;;

Es leuchtet ein, dass das Klima Irans ebenso verschieden sein muss, wie sich die Oberfläche des Landes erwiesen hat. Das scheinen auch die Bewohner des Landes zu wissen, denn die Perser können die räumliche Modifikation des Klimas ihres Landes nicht besser zum Ausdruck bringen, als durch den Satz:Iran haeftaeklim dared(Iran hat sieben Klimate.) ¹) Minder minutiös als es in dem vorstehenden Satze für Persien geschieht, könnten wir für ganz Iran im Anschlusse an den Aufriss des Landes vier klimatische Zo- nen unterscheiden und zwar die beiden Uferzonen, die langgestreckte Küstenebene im Süden, das Germesir(beisses Land), das in seinem Namen seine Natur verrät, und die Uferlandschaft des kaspischen Meeres, das von Bergketten durchzogene Plateauland und endlich die an Salzsecen und Wüsten reichen tiefer gesenkten Becken im Innern des Landes. ²)

Leider fehlt es an genügenden, klimatologischen Beobachtungen, um diese Eintei- lung bei der Betrachtung des Klimas genau einzuhalten; nur soweit es geht, soll derselben Rechnung getragen werden.

In dem Zusammenspiel der drei grossen Hauptfaktoren des Klimas gebührt der Wärme die erste Stelle, da von ihr bei dem bekannten Verhältnis zwischen Luftdruck und Winden die Richtung und Stärke der Winde abhängt, diese aber im Verein mit den orographischen Verhältnissen die rüumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge bedingen, von denen nicht bloss das organische Leben, sondern auch die Formen der Erdoberfläche zum grossen Teile abhängig sind.

Für das durch die grossen Verluste, welche Alexanders Heer auf dem Rückzuge vom unteren Indus erlitt, berüchtigt gewordene, heisse, wasser- und vegetationsarme Küs- tenland am indischen Ozeun und persischen Golf, liegen ausser für die Orte Buschir und Bender Abbas wenig klimatische Beobachtungen vor. Die Temperatur von Buschir kann als Typus der Temperaturen am persischen Golf dienen. Buschir, unter dem 280 59 n. Br. und 500 49 1. v. Gr. am heissen Strande von Farsistan gelegen, hat bei einiger Erhebung über der See eine mittlere Jahrestemperatur von 23,10 C. ³) Dieser Wert ist abgeleitet aus einer fünfjährigen Beobachtungsreihe(1878 1883) und unterscheidet sich von dem durch Dove ¹⁴) mitgeteilten auf nur einjähriger Beobachtung beruhenden Werte von 25⁰ C. immerhin um beinahe 2⁰ C.

Aus dem Gebiete, in welchem wir hier die Vergleichungspunkte zu suchen haben, steht uns nur die Station S. Cruz(Teneriffa) zu Gebot, die nicht allein nicht viel süd- licher als Buschir liegt, sondern auch wie dieses am Meere gelegen ist; sie zeigt folgende

Daten: Station. n. Br. L. v. Gr. Seehöhe. Januar. April. Juli(August*). Oktober. Jahr.

S. Cruz* 280 32, 160 28 w. 17,6 19,6 25,4 23,7 21,6 Buschir 28059 50 49 östl. 13,9 22,1 31,4 25,3 23,1 Allerdings ist die mittlere Jahrestemperatur der kürzeste Ausdruck für den ther- mischen Zustand der Luft an einem Orte der Erdoberfläche, aber sie genügt nicht zur genauen Charakterisierung des Wärmezustandes, da derselbe innerhalb eines Jahres be- trächtlichen Schwankungen unterworfen ist. Die Bestimmung der mittleren jührlichen Wärmeschwankung aus der Differenz der Temperatur des wärmsten und kältesten Monats liefert daher cin wichtiges klimatologisches Element; sie zeigt hier bei einer Grösse von 7,80 und 17,50 C., dass das Klima von S. Cruz ozeanischen, das Klima von Buschir aber mehr kontinentalen Charakter trägt. Der beiderseitige Charakter findet dann seinen wei- teren Ausdruck in dem Gegensatz der Temperaturen des Januar und des Juli, indem Buschir eine um 3,70 C. niedrigere Januartemperatur, dagegen eine 6° C. höhere Juli- temperatur als S. Cruz aufzuweisen hat. Die jährliche Temperaturkurve zeigt, wie aus der Temperatur des April ersichtlich, im Frühjahr ein allmähliches Steigen, um erst im Monat August ihr Maximum über 31,40 C. zu erreichen, von der sie im Herbst, der sich durch eine hohe Temperatur auszeichnet,

Sitzungsb. der Akademie der Wissenschaft, phil.-histor. Kl. Wien 1885, Band CVIII, S. 561 giebt 380 m absolute Höhe an. ¹) Polak, Aus Persien, 1. Bd., Vorwort. ²) Peterm. Mitt. 1873, S: 155.) Hann, Handbuch der Kl., S. 419.) Klimatolog. Beitrüge, 2. Bd. S. 106.

1*