Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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I. Die Verteilung der Wärme.

Iran gehört bei einer mittleren Breite von 32° zu dem nördlichen Subtropengebiet, welches sich in ihm ungewöhnlich weit in den asiatischen Kontinent erstreckt. Es nimmt infolge dessen nicht nur an dem gemeinsamen klimatischen Charakterzug dieses Gebietes teil, sondern zeigt denselben in der vollsten Ausprägung, indem die Niederschläge in Hoch- iran hauptsächlich auf die Zeit zwischen dem Herbst- und Prühlingsäquinoktium beschränkt sind, der Sommer aber so gut wie regenlos ist. 1) Das Land zeichnet sich aber auch durch andere eigenartige klimatische Verhältnisse aus, die besonders in den scharfen Temperatur- gegensätzen zum Ausdruck kommen. Alle diese Eigentümlichkeiten des unter der Breite von Südspanien, Sizilien und Nordafrika gelegenen Landes haben ihre Begründung in der wagrechten und senkrechten Gliederung des Bodens im Verein mit der subtropischen Sonne.

Das Plateau von Iran ist von der Natur sehr plastisch gemodelt. Das hohe Berg- land wird von dem Hindukusch, welcher die Brücke zu dem mächtig gehobenen Kern von Centralasien bildet, dem Kopet-Gebirge und der gewaltigen Wetterscheide des Elbursge- birges gegen Norden begrenzt und dadurch von dem turanischen und kaspischen Tieflande

etrennt.

6 Seinen Westrand bildet die Zagroskette, wenn man diesen Namen als Gesamtnamen elten lassen will. Sie senkt sich gegen Westen und Südwesten mit einem Male in die igrisebene hinab und sieht, von dort aus betrachtet, wie eine riesige Stützmauer aus, auf

welcher das Tafelland von Iran ruht. ²)

Im Süden bildet die Küste des indischen Ozeans die Grenze. Von ihm hebt sich der Boden anfangs langsam, dann immer schneller in stufenweisem Aufstieg, der so cha- rakteristisch ist, dass Fraser, welcher das Plateau von dieser Seite bestieg, in Bezug auf ihn Iran ein grosses Treppenhaus nannte. ³)

Im Osten stürzt das Hochland in gleicher Richtung des Indus überaus steil zum Thal dieses Flusses hinab.

So von einem mächtigen Gebirgsring umschlossen, bildet Iran gewissermassen eine Welt für sich, die wie eine Burg, wie eine Akropolis geschaffen zu sein scheint, die um sie herumliegenden Tiefebenen zu beherrschen. ¹) Die mittlere Erhebung des Hochlandes, das 2,6 Mill. qkm 5), also beinahe fünfmal so gross ist, wie das deutsche Reich, mag 1200 m über dem Ozean betragen. Das stärkere Aufsteigen des Randes zu Plateaustufen von 1500 1800 m und zu Gipfelhöhen von 4000 5000, ja bis 6000 m und darüber kennzeichnet den beckenförmigen Charakter Irans.).

Der russische Forscher Khanikoff, der sich um die Erforschung Irans grosse Ver- dienste erworben hat, unterscheidet im Innern desselben mehrere Becken, respektive Ter- rassen, von welchen besonders folgende scharf gezogene Grenzen haben. Das ausgedehn- teste Becken, auf der Karte alsGrosse Salzsteppe verzeichnet, umfasst den westlichen Teil Chorasans. Am Rande desselben liegen die Orte Kaschan, Kum, Nischapur und Tebbes. Es dacht sich im allgemeinen von NO nach SW ab. Mit ihm stösst im Süden das von der sterilen Wüste Lut gebildete zusammen. Seine Begrenzung bilden im Süden die Gebirge von Kirman; die allgemeine Neigung ist von NNW nach 880 gerichtet, und sein niedrigster Punkt erhebt sich wahrscheinlich nicht mehr als 150 m über dem Meeresspiegel. Es bleibt weit unter dem tiefsten Punkt des letzten Beckens. Dieses um- fasst östlich von den südlichen Verzweigungen der Gebirge von Chorasan, durch welche die Gebirge der nördlichen Region mit denen der südlichen in Verbindung stehen, das Seistangebiet und hat seinen tiefsten Punkt an der Oberfläche des Sees Hamun 471 m über der See.)

¹) Hann, Handbuch der Klimatologie, 1883,§. 404 f. ²) Peterm. Mitt. 1874, S. 59. ³) C. Ritter, Erdkunde, 8. Teil, S. 821. ¹) Droysen, Geschichte des Hellenismus, 3. Teil, S. 3.) Supan, Grundzüge der phys. Erdk., Leipzig 1884,§. 21. 6) St. John, Peterm. Mitt. 1877, S. 67; Kiepert, Lehr- buch der alten Geographie, S. 51.) Peterm. Mitt. 1860, S. 194; Tomaschek, histor. Topogr. von Persien,