Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 1. Teil
Entstehung
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. C ee, elugetrag

Studien über das Klima von Iran. K 5

Das Verstündnis für die Landesnatur Irans hat uns C. Ritter erschlossen. Er ver- suchte es zum ersten Male in seinerErdkunde auf Grund aller ihm zugänglichen Lit- teratur uns von den geographischen, historischen, topographischen und archäologischen Verhültnissen Irans Einsicht zu geben. Was bis gegen das Ende des vierten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts Geschichtschreiber, Geographen und Reisende Bemerkenswertes von Iran mitgeteilt haben, hat Ritter zusammengetragen und verwertet. So wurden die Bände seines Werkes, in welchen Iran behandelt wird, wie sein ganzes Werk, eine Sammelstätte oder, nach seinem eigenen Ausdruck, ein Repertorium für eine zeitlich abgestufte Länder- kunde von Iran. Obwohl die Darstellungsweise, welcher sich Ritter in seinem Werke be- diente, eine Bemerkung, welche zum Teil auch auf SpiegelEranische Altertumskunde passt, den heutigen methodischen Anforderungen nicht mehr genügt, hat sich seine Arbeit als eine gründliche Quellensammlung doch überaus fruchtbar erwiesen. Wie kein Reisender seit dem Jahre 1838 nach Iran gegangen, kein Forscher sich mit diesem Lande beschäftigt hat, ohne von Ritter die nützlichsten Winke und Weisungen zu empfangen, oder sich bestätigend oder berichtigend mit ihm auseinander zu setzen, so wird auch der Verfasser vorliegender Arbeit bei der Behandlung seines Stoffes zu den von Ritter gebo- tenen Quellen zurückgreifen, um deren Gehalt mit den ungemein fruchtbaren neueren Forschungen, besonders der Engländer und Russen, für welche Iran infolge seiner Lage zu den Besitzungen beider Völker ein besonderes Interesse bietet, zu einem Bilde zu ver- quicken. Aber eine genaue Schilderung des Klimas von Iran nach seinen gemeinsamen typischen Zügen und örtlichen Verschiedenheiten darf man nicht erwarten. Um diesen Forderungen der heutigen klimatologischen Wissenschaft zu genügen, bedürfte es eines über das ganze in Rede stehende Land ausgebreiteten meteorologischen Beobachtungsnetzes. Allerdings ist Iran nicht mehr völlig entblösst von Punkten, an denen die Vorgänge in der Atmosphäre an Instrumenten beobachtet und regelmässig verzeichnet werden, aber die Beobachtungsresultate haben nur einen relativen Wert, da sie einer zu kurzen Reihe entnommen sind. Zudem bleiben auch manche Beobachtungsresultate, wie die vieler Stationen an der persisch-ostindischen Telegraphenlinie dem Fachmann unbekannt und sind deshalb ohne Nutzen.¹) Bei diesem Stand der Dinge sind wir für jetzt und auch wohl für unabsehbare zukünftige Zeit besonders auf die Beobachtungen angewiesen, welche eilende Forschungsreisende oder in persischen Diensten stehende deutsche Beamten zu sammeln Gelegenheit hatten.

Aus den angegebenen Gründen wird der hier gegebene Versuch einer Schilderung des Klimas von Iran im voraus auf den Wert meteorologischer Genauigkeit verzichten müssen. Die Absicht, welche den Verfasser bei seiner Arbeit leitete, ging dahin, alle bis jetzt in den verschiedensten Werken und Reiseberichten zerstreuten Nachrichten über die klimatischen Verhältnisse Irans zu sammeln und in grossen Zügen zu zeigen, in welchen Wechselwirkungen und Beziehungen diese Verhältnisse zur Oberflächengestaltung des Landes stehen, und wie diese wiederum ihren Einfluss auf die Beschäftigung der Bewohner und den Gang der Geschichte ausgeübt hat. Die Behandlung dieser Fragen bildet näm- lich eine der vornehmsten Aufgaben der geographischen Wissenschaft, da die terrestrischen Verhültnisse eines Landes neben der ewig waltenden göttlichen Vernunft und der freien lhat des Menschengeistes die örtlichen Erscheinungen des Menschenlebens zu bestimmen pflegen.

¹) sterreichische Zeitschrift für Meteorologie 1886, S. 371.